Donnerstag, 21. Januar 2010
Pensione Paura
Italien/Spanien 1977 Regie: Francesco Barilli



Kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs: Zusammen mit ihrer Mutter bewirtschaftet die junge Rosa ein idyllisch am See gelegenes Hotel. Die Gäste bestehen allerdings hauptsächlich aus schmierigem Gesindel, von denen einige Rosa an die Wäsche wollen. Sehnsüchtig erwartet sie die Rückkehr ihres Vaters aus dem Krieg, und schreibt ihm ständig Briefe. Doch als ihre Mutter bei einem "Unfall" stirbt, sieht Rosa sich vollkommen allein gelassen...



Der Regisseur des wunderschönen und bitterbösen Perfume of the Lady in Black schlägt erneut zu: Zwar ist Pensione Paura über weite Strecken mehr Drama als Horrorfilm, als solches aber sagenhaft fotografiert und gespielt, so daß die niedrige Frequenz an richtigen Schock-Momenten kaum eine Rolle spielt. Die Bitterkeit ist allgegenwärtig: Alle Erwachsenen, bis hin zum Dorfpfarrer, sind nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert, die schwierige wirtschaftliche Situation scheint bei allen nur die negativsten Charaktermerkmale herauszukehren. Ein trauriger und äußerst sehenswerter Film, dessen Rezeption wohl dadurch erschwert wurde, daß er zwischen den Stühlen sitzt: Für ein "ernstes Drama" sind vor allem die Sex-Szenen zu explizit, für einen Genrefilm ist jedoch die allgemeine Vorgehensweise zu zurückhaltend. Eine DVD-Veröffentlichung mit Untertiteln wäre sehr zu begrüßen. Den tollen Score von Adolfo Waitzman gibt's immerhin auf CD.

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Mittwoch, 20. Januar 2010
Traum von einem Lottoschein und Neil Young
Ich bin völlig nackt, aber setze mich trotzdem ins Auto, um in der Stadt den Lottoschein abzugeben. Während ich fahre, überlege ich, in welcher Lottoannahmestelle ich die wenigsten Leute treffen würde und habe schlußendlich die befreiende Erkenntnis, daß es überhaupt keine gute Idee ist, den Lottoschein abzugeben oder Zigaretten zu kaufen, wenn man völlig nackt ist.

Später bin ich wieder angezogen und gehe über eine Art Jahrmarkt, der aus dem frühen 20. Jahrhundert zu stammen scheint. In einem Käfig auf Rädern ist Neil Young untergebracht. Er hat eine Küche im Käfig und macht gerade Fritten. Er hat wieder ellenlange Haare, und seine Frau steht außerhalb des Käfigs und schaut ihm zu. Er hat wohl gesundheitliche Probleme, und es ist fraglich, ob er die Deutschland-Daten seiner diesjährigen Tournee einhalten kann. Auf den Plakaten für die Tour steht Düren drauf, dabei spielte der dieses Jahr in Oberhausen. Neil fragt mich, welche Tabletten ich für meine Bühnenshow nehme. Ich sage ihm, ich nähme gar keine Tabletten, ich würde nur ein paar Bier trinken, und dann wäre ich so. Er nimmt das anerkennend zur Kenntnis. Nachher erzähle ich meinem Bruder von dem Gespräch, und frage ihn, ob er wüßte, daß Neil Young mal auf einem unserer Konzerte gewesen wäre. Er meinte, na klar, der hat uns in Siersdorf gesehen.

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Samstag, 16. Januar 2010
Krakatit
CSSR 1947, Regie: Otakar Vávra



Mit hohem Fieber taumelt der Physiker Prokop durch das nächtliche Prag, ständig spricht er von "Krakatit", einem Sprengstoff, den er entwickelt hat. Bereits eine kleine Menge davon ist in der Lage, die ganze Welt zu vernichten. Am nächsten Tag erwacht er in der Wohnung eines alten Studienkollegen, wo ihn eine schöne Frau darum bittet, diesem einen Brief zuzustellen. Prokop begibt sich auf das Land zu dessen Vater, der als Arzt erst einmal das Fieber behandelt. Bald scheint es dem Erfinder besser zu gehen, der Alptraum vergessen, doch da findet er plötzlich einen Zeitungsartikel mit der Überschrift "Krakatit"...



Die ersten zwanzig Minuten dieses Films bieten ein geballtes Konglomerat von wundervoll durchkomponierten fiebrigen Bildern, die man so nicht alle Tage zu sehen bekommt. In der Mitte wird der Film dann etwas dialoglastig und wendet sich politischer Satire und Parabel zu, aber dafür legt das Ende noch einmal ordentlich zu mit unglaublichen visuellen Einfällen und übertrifft den grandiosen Anfang noch. Ein rätselhafter, verstörender Fiebertraum in Spielfilmlänge. Unglaublich gut! Regisseur Vávra verfilmte die Vorlage von Karel Capek im Jahr 1980 unter dem Titel "Temné slunce" (Schwarze Sonne) noch einmal, ich wüßte aber nicht, was er dort besser machen wollte.

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