Samstag, 17. Juli 2021
L'homme qui osa
Tod am Meer, Belgien 1966, Regie: Jean Delire



Der Bürgermeister einer kleinen Ortschaft ist verzweifelt: Nach zahlreichen Tieren verschwinden nun auch immer wieder Menschen bei den "schwarzen Teichen" hinter dem Fluß. Polizisten und Priester wollten der Sache auf den Grund gehen, doch auch diese kamen nicht mehr von dort zurück. Jetzt bietet sich der Abenteurer Hillmacher an, gegen entsprechende Bezahlung die Ursache der Geschehnisse aufzuspüren...



Dieser Kurzfilm ist eine Episode der Fernsehserie "Les contes fantastiques" die 1966/1967 entstand und in der hauptsächlich Kurzgeschichten von Jean Ray adaptiert wurden, aber auch mindestens zwei von Thomas Owen. Überlebt haben scheinbar nur ein paar Episoden. Zwei davon haben in der IMDB auch deutsche Titel, aber ob, wie und wann sie tatsächlich im deutschen Fernsehen gelaufen sind, konnte ich noch nicht herausfinden.



Das Intro spricht überraschenderweise Jacques Brel, der die Zuschauer über das Fantastische und dessen Beschaffenheit aufklärt - zu dieser Zeit fanden einige Fernsehsender es wohl notwendig, das Publikum entsprechend vorzuwarnen. Zudem erläutert er - zumindest meine ich das mit meinem eingerostetem Rest-Französisch zu verstehen - warum das Fantastische gerade in Belgien so gut gedeiht und beliebt ist, das hängt wohl mit der Landschaft und der allgemeinen Atmosphäre zusammen.



Zum Glück war ich für den Hauptfilm nicht alleine auf mein rudimentäres Sprachverständnis angewiesen, gibt es doch - wie ich auch eher zufällig festgestellt habe - von Scott Nicolay und der Wakefield Press das unterstützenswerte Unterfangen, zumindest die Hauptwerke von Jean Ray vollständig ins Englische zu übersetzen, statt der bislang vorhandenen bits'n'pieces. "L'homme qui osa" erschien zuerst 1943 in der Sammlung "Les cercles d'épouvante" und findet sich nun als "The man who dared" in der letztes Jahr erschienenen englischen Ausgabe "Circles of Dread".



Wobei der Quelltext auch in der englischen Übersetzung sehr rätselhaft ist und einige "Leerstellen" der Fantasie des Lesers überlässt. Oder mir entgeht hier etwas, das nur Belgier verstehen. Die Adaption pappt zwar einen Wanderzirkus nebst Kleinwüchsigen sowie einen jugendlichen Sidekick für Hillmacher dazu, die es in der literarischen Vorlage so nicht gab, verbleibt in der letzten Einstellung aber genauso uneindeutig wie der letzte Satz der Erzählung. Das hat mich jetzt beide Male - beim Lesen wie beim Schauen - irritiert, aber ich mag es.

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Die Geschichte des Wûlkh
Eine Frage, kann es sein dass diese Geschichte in der Sammlung "Das Storchenhaus" unter dem Titel "Die Geschichte des Wûlkh" bei Suhrkamp erschienen ist?

Klingt zumindest sehr ähnlich.

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Nein...
"Die Geschichte des Wulkh" ist ebenfalls in der Sammlung "Les cercles d'épouvante" enthalten, also eine andere Erzählung. Könnte ich auch noch mal auffrischen, gut denkbar, dass es da Ähnlichkeiten gibt...

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Danke...
für die Antwort.
Ich fühlte mich vor allem durch den Schauplatz an diese Geschichte erinnert.
Wie dem auch sei, ich sollte mir definitiv auch die englischsprachigen Ausgaben zulegen.

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Ja...
die Schauplätze sind ähnlich, wobei der Wulkh wohl in Irland spielt und hier ist es nicht genauer definiert, könnte aber wohl Belgien sein. Die englischen Ausgaben lohnen sich, sind auch mit interessanten Kommentaren versehen, und ob hier in der Zukunft noch mit weiteren deutschen Übersetzungen zu rechnen ist, ist fraglich...

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