Donnerstag, 11. Februar 2010
Jacques Hamelink: Horror Vacui
Da habe ich wohl, mehr oder weniger blind in die Grabbelkiste greifend, ein echtes Goldstück gefunden. Hamelinks Erzählungen beginnen zumeist wie realistische Alltagsbeschreibungen, kippen dann aber langsam um in ein nicht-greifbares Grauen teils individueller, teils existenzialistischer, teils sogar apokalyptischer Natur und münden in rätselhafte, ambivalente Auflösungen. Am besten gefiel mir "Ein aufgehaltenes Unwetter", in dem der Ausflug einiger Schulkinder ins Moor ein Ende findet, das ich überhaupt nicht erwartet hatte und mich in seiner misanthropischen Düsterniß an die viele Jahre später entstandenen Texte von Thomas Ligotti erinnerte. Aber auch die anderen Erzählungen bieten originelle Variationen bekannter phantastischer Motive, die - teilweise auf den Kopf gestellt - ihren Reiz daraus gewinnen, sich gerade in banalen Alltäglichkeiten zu manifestieren...oder zu manifestieren scheinen...große Klasse!

Die "edition suhrkamp"-Ausgabe von 1967 ist wohl die einzige deutsche Übersetzung des Autors und bei amazon marketplace und Konsorten problemlos und günstig abzugreifen.

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Montag, 8. Februar 2010
Hangover Square
Scotland Yards seltsamster Fall, USA 1945, Regie: John Brahm



Der aufstrebende Komponist George Harvey Bone leidet unter temporären Blackouts. Er fürchtet, während dieser Momente schreckliche Taten zu begehen – der Zuschauer ist schon seit der ersten Szene im Bilde, daß dem wirklich so ist. Die Anfälle häufen sich, als er der Sängerin Netta verfällt, die ihn nur ausnutzt...



Auch wenn Patrick Hamiltons facettenreiche literarische Vorlage auf einen eher herkömmlichen Thriller-Plot heruntergebrochen wurde, um sich an den Erfolg der The Lodger-Version zu hängen, die Brahm ein Jahr zuvor mit dem selben Hauptdarsteller inszenierte, muß ich hier doch von einem nahezu perfekten Film sprechen. Hier ist so verdammt viel großartig: Die Kamera-Arbeit, die nicht nur bei Bones Anfällen ein ungemütliches Gefühl heraufbeschwört, die Sets, die dem bekanntem, nebligem Gaslaternen-London mit einer omipräsenten von Petroleumlampen beleuchteten Baugrube eine zusätzliche Brechung verleihen, die überzeugenden Haupt- und Nebendarsteller und natürlich Bernard Herrmanns fantastischer Score, dessen Höhepunkt das eindrucksvolle Klavierkonzert im Finale bildet. Nicht zu vergessen die gespenstische Leichenentsorgung am Guy Fawkes-Tag. Hauptdarsteller Laird Cregar verlor vor den Dreharbeiten knapp 50 KG Gewicht und starb noch vor der Premiere des Films an den Folgen dieser Diät – ein ziemlicher Verlust, wie seine eindringliche Performance hier unter Beweis stellt.

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Samstag, 6. Februar 2010
Traum vom Papst und der Chefkatze
Im Fernsehen kommt die Meldung, der Papst sei spurlos verschwunden, was meine Mutter bestürzt. Außerdem will irgendwer unsere Katze umbringen, weil sie nur die „Vertretung für die Chef-Katze“ sei. Die Chefkatze selbst spielt wohl eine wichtige Rolle bei irgendeinem Hexenzirkel in der Gegend. Ob dieser Hexenzirkel eventuell auch für das Verschwinden des Papstes verantwortlich zu machen ist, weiß ich leider nicht mehr.

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