Freitag, 26. März 2010
Traum von der Invasion der Unterirdischen
Der Anfang des Traums findet verwirrenderweise, was Zeit und Raum betrifft, in Echtzeit statt. Es ist Freitag Nacht, ich versuche einzuschlafen, doch aus irgendeinem Grunde schaltet sich meine Stereoanlage andauernd selbständig an, mal Kassette, mal CD, mal der Plattenspieler, ich versuche alles mit Fernbedienung abzuschalten, da geht das Radio an. (Was mich stutzig hätte machen sollen, denn ich habe gar kein Radio.) Irgendwann geht das Licht im Zimmer von selbst an und ich sehe, daß der Plattenspieler in einem erbärmlichen Zustand ist: Die Schutzhaube fehlt, das Plastik ist versengt und irgendwie scheint alles mit Kalk vollgerieselt zu sein. Später habe ich wie öfters in Träumen das Gefühl zu fliegen, vielmehr zu schweben, meine Füße können den Boden nicht mehr berühren. Ich fliege über eine Stadt, eine Mischung aus Herzogenrath, Heinsberg und Alsdorf, und lande mitten in einer Art U-Bahn-Halle, ohne irgendwo anzuecken. Innendrin ist alles voller Menschen. Ein etwa 14jähriges Mädchen, anscheinend aus Osteuropa, bietet mir an, ich könnte mit ihr alles machen, was ich will, ich lehne aber entschieden ab. Die Reihenfolge von den folgenden Ereignissen bekomme ich nicht mehr ganz hin: Der Bahnhof wird von riesigen Maschinen zerstört, die aussehen wie die „Tripods“ der Marsianer in „Krieg der Welten“, ich finde jedoch heraus, daß es sich nicht um Außerirdische, sondern um „Unterirdische“ handelt, winzige Menschen, die im Erdinneren leben und etwa so groß sind wie Spielzeugsoldaten. Durch Unachtsamkeit töte ich einige von ihnen, es bleibt aber ohne Folgen. Später gehöre ich mit einem Freund zur Eskorte des Königs der Kleinmenschen und fahre mehrmals mit dem Zug hin und her, wobei jedesmal die selbe Schulklasse im Abteil sitzt.

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Dienstag, 23. März 2010
Brugge, die stille
Brügge - Die Stille, Belgien 1981, Regie: Roland Verhavert



Kurz nach ihrem 30.Geburtstag stirbt die schöne Blanche: Ihr Ehemann wandelt traurig und verbittert durch die Straßen, bis er eines Tages einer Ballett-Tänzerin begegnet, die Blanche bis aufs Haar gleicht...



"Brügge ist keine Stadt. Brügge ist ein Traum, ein Phantom, ein Bühnenbild." – "Brügge ist tot." Mit der "toten Stadt" als Location kann eigentlich nicht viel schief gehen. Diese fünfte Verfilmung von Georges Rodenbachs Novelle (die auch Boileau/Narcejac zur Vorlage von Vertigo inspiriert hat und von der es auch eine Korngold-Oper gibt) macht recht deutlich, daß die eigentliche Hauptfigur die Stadt Brügge ist. Das oft zu hörende Glockengeläut hat mich - wie die allgemeine Stimmung - mal wieder an De Komst van Joachim Stiller erinnert. Im Kontrast zu den vielen herrlichen Aufnahmen des einsamen Hugues, wie er durch die alten Straßen der Stadt wandert, stehen die in Verhaverts naturalistischem Stil für meinen Geschmack etwas zu hell ausgeleuchteten Innenaufnahmen, die manchmal an eine Fernsehproduktion erinnern. Die Musik von Debussy ist für sich genommen hervorragend, paßt aber leider nicht immer zu den Bildern. Ansonsten gibt es hier aber nichts zu meckern.

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Montag, 22. März 2010
Horacio Quiroga: Weißer Herzstillstand
Interessant, lateinamerikanische Literatur mit Hang zur Phantastik zu lesen aus der Zeit vor Borges und dem magischen Realismus. Der Titel einer anderen bei Suhrkamp erschienenen Sammlung "Geschichten von Liebe, Wahnsinn und Tod" trifft es schon ziemlich genau. Die von Poe, Maupassant und einigen russischen Schriftstellern beeinflußten Geschichten haben nicht immer explizit phantastische Elemente, bewegen sich aber wie ihre Protagonisten alle in einem faszinierenden Schwebezustand zwischen Leben und Tod oder an der Grenze zum Wahnsinn, der oft mit unerfüllter Liebe einhergeht. Vor allem die erste Erzählung "Seine Absenz" folgt einer originellen Idee und ist wie die restlichen in einem angenehmen, klischeefreien Stil geschrieben. Die andere Sammlung steht schon im Schrank und wird sicherlich demnächst auch vertilgt werden.

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