Donnerstag, 2. September 2010
Tausend Filmtexte
So. Ab heute gibt es 1.000 Texte über Filme von mir im Netz zu lesen, was mir als alten Zahlenfetischisten hier mal eine Sondermeldung wert ist. Angefangen hat es nach zahlreichen Reviews in Fanzines der 80er und 90er Jahre mit verstreuten imdb-Kommentaren, bis ich ab Oktober 2003 bei den Filmforen begann, ein Filmtagebuch zu führen. Anfang dieses Jahres kam dann noch dieses Blog hinzu. Dank der grandiosen und unermüdlichen Programmierarbeiten des Kollegen bekay lassen sich diese Texte wie auch die anderer geschätzter Filmforen-Kollegen bequem recherchieren. Klickt man zum Beispiel hier, kriegt man alle meine Texte alphabetisch nach Filmtitel angezeigt, kann aber auch nach Jahr oder Originaltitel sortieren. Ein Klick auf Regisseur, Land oder Jahr filtert das Resultat noch einmal dementsprechend. Wer also z.B. alle meine Texte zu mexikanischen Filmen angezeigt haben will, stellt einfach die entsprechende Abfrage. Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.

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Mittwoch, 1. September 2010
We are what we are
Somos lo que hay, Mexiko 2010, Regie: Jorge Michel Grau



Ein älterer Mann torkelt durch ein Einkaufszentrum, bricht zusammen und stirbt. Wie sich herausstellt, war er der Ernährer einer Familie, dessen zwei Söhne später vom Marktplatz geworfen werden, auf dem sie Uhren verkaufen und reparieren, da der Vater die Standmiete wochenlang schuldig geblieben ist. Es obliegt nun dem ältesten Sohn, sich um die Familie zu kümmern, vor allem, etwas zu Essen zu besorgen – denn die Familie ernährt sich von Menschenfleisch, das in einem bestimmten Ritual geschlachtet werden muß...



Ganz im Stil eines Sozialdramas wird diese Kannibalengeschichte erzählt, der Schwerpunkt liegt daher auch eher auf den Figuren und der Beschreibung eines Lebens unter unmenschlichen Umständen als auf Horrormomenten, wobei es gegen Ende hin auch davon reichlich gibt. In seiner parabelhaften Art und durch den Verzicht auf Erklärungen, warum die Familie zu Menschenfressern wurde, erinnerte mich der Film an den kolumbianischen Carne de tu Carne, der noch etwas expliziter politisch war. Hier also eine durchweg sehenswerte Aktualisierung – im Gedächtnis bleiben vor allem die Geräuschkulisse voller tickender Uhren im Familienwohnsitz und die bezaubernde Paulina Gaitan in der Rolle der kleinen Schwester.

Sonst noch am Dienstag auf dem Fantasy Filmfest gesehen: Red Hill und Symbol.

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Dienstag, 31. August 2010
Zwart Water
Two Eyes Staring, Niederlande 2010, Regie: Elbert van Strien



Die Familie Doncker kommt so gerade über die Runden: Vater Paul ist ein verhinderter Musiker und gerade arbeitslos, Mutter Christine hat Kunst und Design studiert, arbeitet aber als Bedienung in Restaurants. Da erhalten sie Nachricht vom Tode ihrer Mutter, die Christine ihr altes, riesiges, abgelegenes Haus in Belgien vererbt hat. Kurzentschlossen wagt die Familie einen Neuanfang, sehr zum Mißfallen ihrer neunjährigen Tochter Lisa, die nicht nur ihre Freundinnen aus Holland vermißt, sondern auch das alte Haus sehr unheimlich findet. Als sie neugierig den Keller erkundet, findet sie dort ein anderes Mädchen vor, das gar nicht da sein dürfte...



Ich bin ja ein überzeugter Fan des niederländischen und belgischen Kinos und war sehr gespannt auf diesen aktuellen Geisterfilm, da ich denke, daß sich die Landschaft und Architektur dieser Landstriche besonders gut für dieses Genre eignet. Es gibt hier auch einige prächtige Sequenzen zu begutachten, und auch die Darsteller des Films, der ständig zwischen Familiendrama und übernatürlichem Thriller pendelt, sind vollkommen überzeugend. Allein die Inszenierung vermag es nicht, neue Akzente zu setzen, da krawummst es laut auf der Tonspur, wenn der „Geist“ erscheint – klar, im Kino erschreckt man sich dann schon, aber es ist dann doch eine eher billige Vorhergehensweise. Zum Glück stellt der Film aber nicht diese Schockeffekte in den Vordergrund – dort scheint die stets ambivalent gehaltene Beziehung zwischen Lisa und ihrer Mutter zu stehen. Und für deren schlußendliche Auflösung sollte man ein Taschentuch bereithalten.



Sonst noch am Montag auf dem Fantasy Filmfest gesehen: The Silent House und The Disappearance of Alice Creed.

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