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Montag, 27. Januar 2014
Live-Audiokommentar XXXIV: Katzenjammer in der Schreckenskammer
hypnosemaschinen, 20:34h

Beim nächsten Überraschungsfilm, der wie üblich in der Aachener Raststätte live kommentiert wird, darf sich wieder gefürchtet werden. Gast ist diesmal Nadja Lambacher.
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Montag, 13. Januar 2014
In den Krallen des Hofbauer-Kommandos: Die letzte Nacht
hypnosemaschinen, 20:55h

Auch außerordentliche Filmkongresse gehen einmal zu Ende und der letzte Tag wurde mit DIE BEUTE (Frankreich/Italien 1966, Regie: Roger Vadim) eingeleitet. Jane Fonda ist die neue junge Frau des Reichen Michel Piccoli, verliebt sich aber in dessen Sohn, und so was kann schon mal problematisch werden. Wie vom Regisseur gewohnt, setzt er auch in dieser Zola-Adaption weibliche Reize gekonnt ins Bild und vermag den Zuschauer mitzuziehen, auch wenn man sich ein paar mehr visuelle Höhepunkte gewünscht hätte. Es folgte ein weiterer kurzer "Kulturfilm", diesmal über EROTISCHE TEMPELRITUALE IN JAPAN (Land, Jahr und Regie ungewiß), der interessantes über phallische Kulte zu erzählen wußte und auf den nächsten Hauptfilm überleitete.

In UNGEZÄHMTE EROTIK (Japan 1968, Regie: Shinya Yamamoto) wird die prominente Schauspielerin Reiko von einem schmierigen Schurken und seinem Onkel erpresst, zunächst mit Fotos, die ein exaktes Double von ihr beim Ladendiebstahl zeigen. (Vielleicht war die Geschichte mit Winona Ryder auch nur ein Mißverständnis.) Doch mit einer Zahlung ist die Sache noch nicht aus der Welt, die Ganoven schaffen es immer wieder, Reiko neu zu kompromittieren, bis sie sich entschließt, zurückzuschlagen. Ein in äußerst stimmige schwarz-weiß-Bilder getauchter Erotikthriller, der auch durch sein Arsenal von Nebenfiguren bei Laune hält. Traurig allerdings der Umstand, daß die japanische Originalfassung verschollen ist und die hier gezeigte Kopie in deutscher Synchronfassung (inkl. Japanern, die "Mahlzeit" sagen) schon vom Essigsyndrom befallen ist und ohne Restaurierung wohl auch nicht mehr lange überleben wird. Statt in Lethargie zu versinken, gab es danach aber erstmal wieder ordentlich auf die Augen - mit NEW YORK CITY INFERNO (Frankreich 1978, Regie: Jacques Scandelari) wurde der erste schwule Porno im Rahmen des Kongresses gezeigt, und der hatte es in sich: Fast schon dokumentarisch-authentisch begleiten wir den französischen Protagonisten auf der Suche nach seinem Geliebten in der pulsierenden Szene New Yorks, in der sich in zahlreichen Clubs und auch in schäbigsten Ecken die Gelegenheit zum Sex ergibt. Das Ganze kulminiert in einer unfassbar hypnotischen Orgiensequenz, die alle denkbaren sexuellen Handlungen zum kakophonischen Sound einer deutlich von SUICIDE beeinflußten New Wave-Band namens "Stigmata Hari" (über die ich noch nichts weiteres herausfinden konnte, außer, daß die Sängerin mit dem 1979 erschossenen Robert Opel befreundet war, der bei der Oscar-Verleihung 1974 nackt über die Bühne rannte) abbildet. Eine beeindruckende Erfahrung.

Der folgende Film wurde von zahlreichen Kongressteilnehmern schon heftigst herbeigesehnt, war es doch gelungen, mit GEHEIME LÜSTE BLUTJUNGER MÄDCHEN (Deutschland 1978, Regie: Jürgen Enz) eine weitere 35mm-Kopie des jüngst wiederentdecken deutschen Regisseurs in die Nürnberger Nacht projizieren zu können. Schon recht bald ward klar, daß hier ein komödiantischer Ton überwiegt mit dem kurzsichtigen Diener Pepi, dem schwyzerdütsch sprechenden Hausmädchen Mitzi und dem leicht debil dreinblickenden Graf, der mit dem Fahrrad ins Dorf fährt, um Besorgungen machen, während die weibliche Bevölkerung es eher von ihm besorgt haben will. Was freilich später passiert, dazu muß der Graf sich aber in die Verkleidungen seiner Ahnen schmeissen. Einzelne Details sorgten schon früh für Hochstimmung (die Zigarettenmarken und Zeitungsschlagzeilen am Dorfkiosk!), aber spätestens bei einem ins Extreme übersteigerten Türklinkenwitz klagten einige Zuschauer über Bauchschmerzen vor Lachen. Was bei einer Komödie ja nun nicht verkehrt ist.
Das waren schöne Tage und Nächte! An dieser Stelle erneuter Dank an die enthusiastischen Organisatoren und auch den anderen Teilnehmern: Selten sitzt man mit so vielen netten Leuten zusammen im Kino. Deutlich gemacht hat dieser Kongress aber auch mal wieder, daß mit dem zunehmendem Verschwinden der 35mm-Projektion nicht nur durch die Art der Vorführung und der Beschaffenheit des Materials ein entscheidendes Merkmal der Kinokultur verloren zu gehen droht - auch zahlreiche Filme, die nie im Fernsehen, auf VHS oder DVD ausgewertet wurden, werden bald gar nicht mehr zu sehen sein. Dem gilt es, entgegenzusteuern.
Zu den gezeigten Filmen gibt es auch wesentlich ausführlichere Texte als meine, etwa von Oliver, Thomas, Lukas, Udo, Michael und Michael. Weitere werden bestimmt noch folgen.
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Freitag, 10. Januar 2014
In den Krallen des Hofbauer-Kommandos: Die 3. Nacht
hypnosemaschinen, 00:37h

Vor offiziellem Beginn des Programms wurde dem geneigten Besucher die Möglichkeit gegeben, noch einmal den Überraschungshit des 10. Kongresses, DER PERSER UND DIE SCHWEDIN (England/Schweden 1961, Regie: Akramzadeh) zu sehen, der bei seiner ersten Aufführung im Sommer noch vollkommen obskur war - nicht einmal ein IMDB-Eintrag lag vor - aber das Publikum vehement verzückte. Der einzige Film des Exil-Iraners, der hier auch das Drehbuch und die Hauptrolle übernahm, berichtet vom Medizinstudenten Mustafa, der sich in London allerdings mehr für Mädchen als sein Studium interessiert. Die Leichtigkeit der ersten Hälfte incl. einiger Tanzdarbietungen in einschlägigen Lokalen in Soho wandelt sich in Richtung Melodram, als die titelgebende Schwedin schwanger wird und Mustafa wegen einer verpatzten Prüfung zurück in die Heimat muß, da die Familiengelder ausbleiben. Ein äußerst charmanter und liebevoller Film, der trotz - oder gerade wegen - seiner eingeschränkten Mittel seine Figuren und Geschichte ernst nimmt, ohne dabei an Leichtigkeit zu verlieren.

Mit COVER GIRLS (Italien/Frankreich 1964, Regie: José Bénazéraf) gab es den zweiten Film des marokkanisch-französichen Erotikfilm-Auteurs im Rahmen des Kongresses zu sehen und hier stand dem Regisseur wohl das höchste Budget seiner Karriere zur Verfügung. Und das sieht man dem Film auch an: Prächtigst komponierte Bilder von Anfang bis Ende, die die schönen bis wunderschönen Protagonistinnen in Natur und Architektur einbetten. Der Handlungsverlauf ist dabei etwas fragmentarisch, die Ausgangssituation, in der meta-mäßig ein Fernsehteam einen bekannten Regisseur zu seinem neuem Film befragt, wird nur sporadisch wieder aufgegriffen, stattdessen gibt sich der Film dem Fluss der Bilder hin und erlaubt dem Zuschauer, es ihm gleichzutun. Ganz toll! Es folgte der kurze "Kulturfilm" FARBIGE LIEBELEI (Deutschland 1956, Regie: Kurt Baum), der farbenprächtig das Hochzeitsritual eines südafrikanischen Stammes dokumentierte, und dann wurde es schmutzig. Soviel geballte menschliche Niedertracht wie in QUELLE DER EROTIK (Brasilien 1965, Regie: J.P. de Carvalho) habe auch ich nur selten zu sehen bekommen. Der Angestellte Edgar bekommt von seinem dickwanstigem Chef das Angebot, seine Tochter zu heiraten, da diese nach einer Gruppenvergewaltigung nicht mehr "herkömmlich zu verheiraten sei". Ein großzügiger Scheck soll ihm bei der Entscheidung helfen. Edgar ist allerdings in seine Nachbarin verliebt, deren minderjährige Schwestern wiederum von einem Zuhälter einer Party des Chefs zugespielt werden sollen, damit sie dort entjungfert und vergewaltigt werden können. Der Zynismus der Handlung wird von der flapsigen deutschen Synchronisation noch verstärkt - vom heutigen Standpunkt her gesehen erst recht unfassbar, daß so ein Film einst in deutschen Kinos lief, aber das sagt auch viel über die Entwicklung der Auswertung nicht nur hierzulande aus.

Danach war Zeit für etwas leichtes, unschuldiges und das wurde uns mit DIE LIEBESQUELLE (Österreich 1966, Regie: Ernst Hofbauer) des Kongress-Namenspatrons serviert. Die Mischung aus Heimatfilm und Sexkomödie spielt im diffusen "Norden des Landes" (Norddeutschland kann nicht gemeint sein, denn dafür gab es zuviel Bergpanorama im Hintergrund), in dem ein kleiner Ort mittels der Legende einer "Liebesquelle", die den Männern Potenz und den Frauen ewige Schönheit verspricht, den Tourismus anzukurbeln versucht. Bekannte Gesichter wie Hans-Jürgen Bäumler, Sieghardt Rupp und Eddi Arent führen durch diesen Schwank, der trotz teilweise etwas plattem Schenkelklopfer-Humors für gute Laune sorgte. Alsdann stand der "stählerne Überraschungsfilm" auf dem Programm, der sich als ANATOMIE DES LIEBESAKTES (Deutschland 1971, Regie: Hermann Schnell) herausstellte: Von einer ellenlangen Texttafel eingeleitet, folgte alsbald ein vom Bolero untermalter ellenlanger Liebesakt eines aseptischen Paares und meine Augen weiteten sich ein wenig in Grauen. Dann aber schwenkt der Film zu der Praxis eines Sexualwissenschaftlers, dem das nun angezogene Paar einige Fragen stellt. Im weiteren Verlauf werden dann sämtliche Stellungen vorgestellt und mit Grafiken verdeutlicht, welche Stimulationen dabei stattfinden. Das hatte in all seiner deutschen Staubtrockenheit schon eine gewisse Faszination. Zur Sicherheit kopierte der Vorführer zwischen zwei Akte noch den Trailer eines anderen Films, nach dem der ganze Kinosaal garantiert wieder wach wurde.
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