Dienstag, 18. Mai 2010
Thomas Owen: Wohin am Abend?
Ich war 14 Jahre alt, als ich diese Sammlung das erste mal gelesen habe und damit wohl definitiv zu jung, um alles richtig zu verstehen und in einen angemessenen Kontext zu bringen. Nichtsdestotrotz übten diese Erzählungen eine ungemeine Faszination auf mich aus, gerade durch ihre Rätselhaftigkeit, ihre Offenheit, die nicht wie die zur gleichen Zeit verzehrten Stephen King-Romane ihre Protagonisten in den Kampf gegen die übernatürliche Störung der Weltordnung schickten, sondern hilflose Individuen durch eine Welt taumeln lassen, die überhaupt nicht mehr geordnet ist. Wenn auch beeinflusst vom Übervater der belgischen Phantastik Jean Ray, ersetzen Owens Erzählungen den Pulp-Charme des Vorbilds durch einen Hang ins existenzialistische, kafkaeske und erhalten so einen vollkommen eigenen Charakter, der sie auf verschiedensten Ebenen lesbar macht. Und so lehne ich mich mal gerade aus dem Fenster und schreibe, daß "15.12.38" eine der besten Horrorgeschichten der Weltliteratur ist, auch wenn sie je nach Definition gar nicht als Horrorgeschichte durchgeht. Widerspruch ist willkommen, es brauchen auch nur 1 Cent und Versandkosten investiert werden.

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