Freitag, 21. Mai 2010
Die Jungfrau und der Teufel
Flickan och djävulen, Schweden 1944, Regie: Hampe Faustman



Vor ihrer Verbrennung flucht eine Hexe wild durch die Gegend, einige Zuhörer sind bestürzt. Kurze Zeit später werden wir Zeuge einer Geburt, die Mutter stirbt, der verfluchte Vater betrachtet den Rücken des Kindes und ist nicht begeistert. Bald darauf wirft er es in einen Fluß und erhängt sich. Über die Bilder der Flusses erzählt uns eine Off-Stimme etwas (kann kein Schwedisch), vermutlich vergeht ein längerer Zeitraum. Die junge hübsche Karin heuert bei einem Bauern an und vermutlich ist sie der Säugling aus dem Prolog, hat sie doch keine Eltern und ein Teufelsmal auf dem Rücken, wie wir später erfahren. Bereits in ihrer ersten Nacht am neuen Arbeitsplatz überrascht sie ein mysteriöser fahrender Händler auf dem Heuboden, der wohl niemand anders als Satan selbst ist. Er sagt ein paar Dinge zu ihr und es geht eine seltsame Verwandlung mit ihr vor, auf einmal ist sie nicht mehr so hübsch. Diese Metamorphose ist aber nur temporär und bricht immer dann erneut hervor, wenn der meist betrunkene geile Bauer ihr was will, die eifersüchtigen anderen Frauen auf dem Hof sie anschwärzen wollen, oder der Teufel es ihr befiehlt. Klaro verliebt sich der Sohn des Bauern in sie, und klar wollen die Dörfler die Hexe gerne anzünden...



Wie schon der ein oder andere hier besprochene Film, auch dies ein wertvoller Tipp von recotard. Liest sich die Handlung zwar wie eine Durchschnitts-Hexengeschichte, so ist doch zu konstatieren, daß der Film, auch wenn man kein Wort versteht, zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Wunderbar fotografiert, wird eine durchaus angenehme Stimmung erzeugt, der Filmdienst nennt es "bäuerlichen Balladenstil", "grob und ohne Poesie", aber was wissen die schon. Wenn die Sequenz, in der sich der Vater erhängt, nicht poetisch ist, dann weiß ich's auch nicht. Dazu kommen noch viele weitere feine, überraschende Szenen wie die Verwandlungen Karins oder ein erstaunlich freizügiges Bad im Waldsee. Falls es noch fantasieloses Name-Dropping braucht: Möglicherweise hat der Regisseur vorher Dreyers Vredens Dag gesehen, aber noch sicherer hat wohl der junge Bergman diesen Film gesehen, findet sich doch einiges aus etwa der Jungfrauenquelle oder dem Siebten Siegel hier vorexerziert. Ja, könnte man nicht in allen Ländern dieser Erde derartige Kostbarkeiten auf DVD kredenzen, und dabei auch bedenken, daß englische Untertitel recht nützlich sind, da sich evtl. auch Leute außerhalb des eigenen Landes für diese Perlen interessieren? Kann ja eigentlich so teuer nicht sein.

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