Donnerstag, 1. Mai 2014
Las melancólicas
House of Insane Women / Exorcism's Daughter, Spanien 1971, Regie: Rafael Moreno Alba



Der fortschrittliche Arzt Dr. Alba übernimmt im 19. Jahrhundert die Verantwortung für eine Frauen-Heilanstalt und versucht, die dort vorherrschenden desolaten Zustände zu verbessern. Seine Methoden stoßen aber nicht auf Gegenliebe bei seinen streng nach kirchlicher Moral handelnden Vorgesetzten, auch wird dort nicht gern gesehen, wie viel Zeit er mit der an Verfolgungswahn leidenden Tania verbringt...



Die Rezeption dieses fantastisch fotografierten Dramas litt sehr darunter, daß es in den USA als Horrorfilm vermarktet wurde, aber keineswegs einer ist. Besonders der offensichtlich nach 1973 entstandene zweite Titel ist recht irreführend, wenn auch nicht komplett falsch und fast schon ein Spoiler. Es hat aber neben großartigen Bildern noch einiges mehr zu bieten und sorgt häufig für Verblüffung. So klopft nach einer guten halben Stunde der gute alte Onkel Sleaze in Form eines geilen Barbiers an die Tür.



Nach einer lesbischen Orgiensequenz verschwindet er jedoch wieder und kehrt nur noch einmal kurz zurück, als die Vorsitzende des Konsortiums den gutaussehenden Doktor zum Kaffee einlädt und ihr Gebäck in eindeutig zweideutiger Weise verzehrt.



Auch interessant einige eingestreute Verweise, so wird in einer Szene der erste "psychoanalytische Film", G.W. Pabsts Geheimnisse einer Seele zitiert...



...während man bei der unfassbaren Sequenz, in der sich die Frauen in SloMo zu romantischer Musik eine Kissenschlacht liefern, unwillkürlich an den Klassiker der Irrenhaus-Literatur, Poes "The System of Doctor Tarr and Professor Fether" denken muss.



Auch die Besetzung ist prächtig: Hier sticht vor allem Analía Gadé als Tania hervor, aber auch Francisco Rabal als stets besoffener sadistischer Wärter, der sich für einen General hält, ist eine Schau, wie auch Helga Liné in einer kleinen Rolle als Nymphomanin und eine noch sehr junge Inma de Santis (El asesino de muñecas).



Wie bei den meisten Filmen mit Irrenhaus-Sujet wird dieses auch hier für den ein oder anderen subversiven Akt genutzt: Die Wahnsinnigen dürfen Wahrheiten aussprechen, die für die "Normalen" tabu sind - wie auch zahlreiche kleine Genrefilme weltweit sich Sachen trauen, für die große Produktionen nicht genügend Chuzpe haben.











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