Donnerstag, 19. Januar 2017
16. Hofbauer-Kongress: Tag 2


Ein Stammgast bei den Hofbauer-Kongressen ist mittlerweile auch der eigenartige Jürgen Enz. Mit VERBOTENE SPIELE AUF DER SCHULBANK (1980) begann der Kongress-Samstag dann im wahrsten Sinne des Wortes äußerst Hardcore. Auch dieser Film zeichnete sich durch die vom Regisseur gewohnte triste Mise en Scène und die beinah schon lustfeindliche Inszenierung der Sexszenen aus, wobei die Hauptdarstellerin Soraya Athigi - die scheinbar in sonst keinem anderen Film aufgetreten ist - für Enzsche Verhältnisse recht ansehnlich ist. Überraschend auch einzelne Sequenzen eines Schulausflugs, die eine durchaus idyllische Stimmung verbreiten konnten, und das zynische, knallharte Ende.



Mein erster Höhepunkt des Festivals (hmm, bei Erotikfilmen von Höhepunkten zu schreiben, dafür gehöre ich eigentlich ausgepeitscht) war dann der sehr obskure und wohl andersweitig kaum zu sehende SYRTAKI - EROTIK OHNE MASKE (Giorgos Papakostas, 1966), eine sättigende Mischung aus Exploitation und Moralkeule. Die junge Maro wird von ihren Eltern vom Land in die Stadt geschickt, um ihrer schwangeren Schwester beizustehen. Sie sträubt sich sichtbar, da sie weiß, dort ihrem schweinischen Schwager Kostas ausgeliefert zu sein. Ein Film voller Dynamik, der ständig Gas gibt und konsequent auf den Abgrund zusteuert. Eine wundervolle Entdeckung!

Als nächstes schlug die Stunde des geheimnisvollen Filmclubs BUIO OMEGA, die zwei Überraschungsfilme aus Gelsenkirchen mitbrachten. Der erste war eine Rarität aus Japan, und der deutsche Titel LUSTVOLL EINE SCHLANGE STREICHELN (Kan Mukai, 1968) löste ein wenig Kopfkratzen aus, aber das ist ja keine Seltenheit. Erzählt wird nämlich die Geschichte eines armen Mädchens aus einem heruntergekommenen Bretterbuden-Viertel, das sich prostituiert, um nicht zu verhungern. Später schafft sie es zwar immerhin zu einer eigenen Bar, aber Glück und Liebe bleiben ihr fern. Ein äußerst düsterer Film in den aus Japan gewohnten makellosen Scope-Bildkompositionen und ein interessanter Kontrast zum frivol-fröhlichen Ton anderer Kongressfilme.



Der zweite Überraschungsfilm der Buios kam aus den USA und von einer alten Bekannten: Auch ZAUBERSTAB ZUR SELBSTMASSAGE (Doris Wishman, 1968) hat einen etwas merkwürdigen deutschen Titel bekommen - es geht um einen rücksichtslosen Gigolo, der mit allen Mitteln versucht, "nach oben zu kommen" - aber egal, das ist wieder Wishman-Wahnsinn reinsten Wassers mit unerklärlichen Kameraperspektiven, surrealer Montage und vielen Telefonen. Sehr schön auch der Vorfilm, in dem die Herren aus Gelsenkirchen Frau Wishman bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film besuchten und auch ihren sympathischen Stamm-Kameramann C. Davis Smith interviewten.



Zum Abschluß gab es dann wieder etwas von Onkel Joe: MIT DER PILLE UMSO TOLLER (Joe D'Amato, 1977) ist eine klassische Sexkomödie um einen Frauenarzt, der zusätzlich zu seiner eigenen kleinen Praxis die Vertretung eines High Society-Kollegen übernimmt, der sich wegen Schulden ein wenig verdünnisieren muß. So hat er in Oberschicht wie Unterschicht alle Hände voll zu tun...und nicht nur die Hände. Eine durchaus kurzweilige Angelegenheit, die die Nummernrevue der Sexszenen noch mit etwas politischer Satire würzt.

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