Sonntag, 23. März 2014
Il sesso della strega
Sex of the Witch, Italien 1973, Regie: Angelo Pannacciò



Auf dem Sterbebett sagt Thomas Hilton voraus, daß aufgrund der Nichtsnützigkeit seiner Nachfahren die Familie zum Aussterben verdammt sei. Wobei seine Vorfahren auch nicht ohne waren und über eine lange Kriminalitätsgeschichte verfügen. Bei der Testamentseröffnung ist dann auch noch von einem düsteren Geheimnis die Rede und es dauert nicht lange, bis es zum ersten Todesfall kommt...



Da das Erbe des alten Hilton zu gleichen Teilen an alle Familienmitglieder und seinen schwulen Sekretär gehen soll, vermutet man zunächst ein weiteres Ableben der restlichen Erben, doch der Film nimmt dann doch einige überraschend andere Wendungen. Die eigenwillige Vorgehensweise offenbart sich auch schon recht früh durch harte, abrupte Schnitte und eine verzerrte Nachtclub-Orgien-Sequenz, bei der sich leider nicht eruieren liess, von wem der durchaus griffige Psychedelic-Rock stammt, der sie untermalt.





Ansonsten fährt der Film zahlreiche Nacktszenen auf, die durch das erstaunliche Ende sogar nachträglich eine dramaturgische Berechtigung erhalten, was man von den zahlreichen Figuren nicht unbedingt behaupten kann, denn bei denen verliert man schnell den Überblick und es tragen auch nicht alle unbedingt zur Handlung bei. Toll der Score von Daniele Patucchi (der, so erwähnte es ein anderer Reviewer, gar nicht für den Film komponiert wurde, sondern aus einer Library stammte, was die relativ geringe Anzahl von unterschiedlichen Themen erklären würde) und die Darsteller.



Camille Keaton wird hier schon 5 Jahre vor I spit on your grave Gewalt angetan, Donal O'Brien gibt mit gewohnt eisiger Miene den skeptischen Kommissar, während Franco Garofalo mit seinen seltsamen Augen dem Butler erfolgreich eine zwiespältige Aura verpasst. Der Rest der Damen ist auch nicht zu verachten.



Auch etwas merkwürdig der Umstand, daß die Oberbekleidung der Damen - so sie denn welche tragen - allgemein knallbunt gestreift oder kariert ausgefallen ist, was gerade in der mir vorliegenden deftig farbgesättigten VHS-Version fast schon schmerzhaft ins Auge piekst. Alles in allem ein teilweise zwar etwas verwirrender, aber sehr kurzweiliger und eigenständiger Beitrag zum Genre, der Freunden italienischer Kost hervorragend munden sollte. Das Schlußbild ist dann auch eines der Unfassbarsten, das mir in letzter Zeit begegnet ist.

... link (0 Kommentare)   ... comment