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Samstag, 9. Januar 2010
Leptirica
hypnosemaschinen, 04:28h
Jugoslawien 1973 Regie: Djordje Kadijevic

Es wird im Dorf allgemein davon abgeraten, in der alten Mühle zu übernachten, denn bereits drei Müller haben das nicht überlebt. Vule glaubt an diese Geschichten nicht und wird folgerichtig am nächsten Morgen mit durchgebissener Kehle aufgefunden. Jetzt will da freilich niemand mehr pennen, aber irgendwer muß das Mehl mahlen, sonst wird das ganze Getreide schlecht. Der junge Strahinja traut sich und wie durch ein Wunder übersteht er auch die Nacht. Nicht ganz so viel Glück hat er in die Liebe: Die schöne Radojka liebt ihn zwar auch, doch ihr Vater will von so einer Beziehung nichts wissen. Mit Hilfe der dankbaren Dorfbewohner brennt er in der nächsten Nacht mit ihr durch, um sie am nächsten Tag zu heiraten, doch so weit soll es nicht kommen...

Ich fand den Film ja schon bei der ersten Sichtung toll, obwohl ich von den Dialogen kein Wort verstanden habe. Diesmal standen mir englische Untertitel zur Verfügung, was die ein oder andere Szene etwas deutlicher werden liess, dem Film aber nichts von seiner rätselhaften Stimmung nahm. Basierend auf einer Erzählung von Milovan Glisic aus dem 19. Jahrhundert wird hier eine sehr eigene Atmosphäre aufgebaut, unter anderem gibt es keinerlei Musik, stattdessen aber merkwürdige, nicht näher zu definierende Tierlaute auf der Tonspur. Auch die Farbwahl ist für einen Horrorfilm ungewöhnlich, mag aber zu dieser Zeit in Osteuropa Standard gewesen sein. Kadijevic drehte im selben Jahr den ebenfalls sehr gelungenen Devicanska Svirka, der etwas näher am herkömmlichen Gothic Horror war, aber auch einige bizarre Abweichungen zu bieten hat. Die Filme des Regisseurs sollten unbedingt mal irgendwo in angemessener Qualität erscheinen, verdient hätten sie es auf jeden Fall.

Es wird im Dorf allgemein davon abgeraten, in der alten Mühle zu übernachten, denn bereits drei Müller haben das nicht überlebt. Vule glaubt an diese Geschichten nicht und wird folgerichtig am nächsten Morgen mit durchgebissener Kehle aufgefunden. Jetzt will da freilich niemand mehr pennen, aber irgendwer muß das Mehl mahlen, sonst wird das ganze Getreide schlecht. Der junge Strahinja traut sich und wie durch ein Wunder übersteht er auch die Nacht. Nicht ganz so viel Glück hat er in die Liebe: Die schöne Radojka liebt ihn zwar auch, doch ihr Vater will von so einer Beziehung nichts wissen. Mit Hilfe der dankbaren Dorfbewohner brennt er in der nächsten Nacht mit ihr durch, um sie am nächsten Tag zu heiraten, doch so weit soll es nicht kommen...

Ich fand den Film ja schon bei der ersten Sichtung toll, obwohl ich von den Dialogen kein Wort verstanden habe. Diesmal standen mir englische Untertitel zur Verfügung, was die ein oder andere Szene etwas deutlicher werden liess, dem Film aber nichts von seiner rätselhaften Stimmung nahm. Basierend auf einer Erzählung von Milovan Glisic aus dem 19. Jahrhundert wird hier eine sehr eigene Atmosphäre aufgebaut, unter anderem gibt es keinerlei Musik, stattdessen aber merkwürdige, nicht näher zu definierende Tierlaute auf der Tonspur. Auch die Farbwahl ist für einen Horrorfilm ungewöhnlich, mag aber zu dieser Zeit in Osteuropa Standard gewesen sein. Kadijevic drehte im selben Jahr den ebenfalls sehr gelungenen Devicanska Svirka, der etwas näher am herkömmlichen Gothic Horror war, aber auch einige bizarre Abweichungen zu bieten hat. Die Filme des Regisseurs sollten unbedingt mal irgendwo in angemessener Qualität erscheinen, verdient hätten sie es auf jeden Fall.
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Mittwoch, 6. Januar 2010
Hubert Lampo: Die Ankunft des Joachim Stiller
hypnosemaschinen, 19:45h
Merkwürdige Dinge geschehen um den Journalisten und Schriftsteller Freek Groenevelt: Bauarbeiter reißen ohne ersichtlichen Grund das Straßenpflaster heraus und er erhält einen Brief, der scheinbar vor dreißig Jahren abgeschickt wurde, sich aber auf aktuelle Ereignisse bezieht. Absender ist ein gewisser Joachim Stiller, ein Name, der Freek immer weiter verfolgt, meist in bizarren Zusammenhängen. Zu allem Überfluß geht in Antwerpen auch noch das Gerücht um, die Welt würde bald untergehen...
Dank der "Bibliothek der Entdeckungen" des Mitteldeutschen Verlags ist Hubert Lampos 1960 erschienener Roman seit kurzem auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich. Das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die originelle Geschichte wird in einem sehr flüssigen Stil erzählt, der den Gefühlzuständen des Protagonisten entsprechend zwischen Humor und Melancholie schwankt. In der niederländisch sprechenden Welt hat das Buch schon längst Kultstatus und gilt zu Recht als eines der wichtigsten Beispiele für den magischen Realismus der flämischen Spielart. Neben der Lektüre ist auch die Verfilmung von Harry Kümel sehr zu empfehlen und ein Besuch des schönen alten Antwerpens ist auch nie verkehrt.
Dank der "Bibliothek der Entdeckungen" des Mitteldeutschen Verlags ist Hubert Lampos 1960 erschienener Roman seit kurzem auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich. Das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die originelle Geschichte wird in einem sehr flüssigen Stil erzählt, der den Gefühlzuständen des Protagonisten entsprechend zwischen Humor und Melancholie schwankt. In der niederländisch sprechenden Welt hat das Buch schon längst Kultstatus und gilt zu Recht als eines der wichtigsten Beispiele für den magischen Realismus der flämischen Spielart. Neben der Lektüre ist auch die Verfilmung von Harry Kümel sehr zu empfehlen und ein Besuch des schönen alten Antwerpens ist auch nie verkehrt.
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Dienstag, 5. Januar 2010
Pedro Páramo
hypnosemaschinen, 19:51h
Mexiko 1967 Regie: Carlos Velo

Auf dem Sterbebett wird der junge Juan von seiner Mutter aufgefordert, seinen Vater Pedro Páramo aufzusuchen und endlich einzufordern, was ihm zusteht. Schon bald wird ihm allerdings klar, daß die Personen, denen er im abgelegenen Heimatdorf begegnet, die Geister längst Verstorbener sind, die ihm erzählen, wie ihr eigenes Leben von Pedro Páramo beeinflußt wurde...
Die erste Verfilmung von Juan Rulfos populärem Roman (die seit 2007 angekündigte vierte Adaption mit einigen bekannten Namen des spanischen Films zieht sich scheinbar etwas hinaus) besticht vor allem durch eine angemessene traumähnliche Atmosphäre. Was bei all der Euphorie über die "Erfindung des magischen Realismus" und "Gabriel García Márquez sein Kultbuch" oft übersehen wird, ist, daß der Roman auch eine narrative Überhöhung der Gothic Novel darstellt und damit einer Tradition folgt, die von Jan Potocki mit der "Handschrift von Saragossa" begonnen wurde. (Die kongeniale Verfilmung dieses Buches durch Wojciech Has kann man auch nicht oft genug erwähnen.) Auch wenn Rulfos Roman nicht die vielfache Verschachtelung der Handlung betreibt, sondern – ständig die Perspektive wechselnd – ein paar Mosaiksteinchen einer "großen Geschichte" hinwirft, deren Details sich der Leser selbst ausmalen kann, sind vor allem in der Rahmenhandlung Parallelen auszumachen: So wie Alfonse Van Worden immer wieder unter dem Galgen aufwacht, bekommt der durstige Juan hier von den Toten immer nur Gefäße gereicht, die längst ausgetrocknet sind. Weitere Elemente der Gothic Novel sind mehrere Über-Villains, ein Rendezvous auf dem Friedhof und die (anfänglich) jungfräuliche Heldin, die so einiges einstecken muß. Freilich ist die Kritik an ausbeuterischen Landbesitzern hier ausgeprägter vorhanden, aber schon damals waren die Villains überwiegend reiche Säcke. Ohne Kenntnis der literarischen Vorlage mag Velos Film noch rätselhafter wirken, als er eh schon ist, dem Genuß dieser traurigen, originellen und stimmungsvollen Geschichte steht das aber meiner Meinung nach nicht im Weg.

Auf dem Sterbebett wird der junge Juan von seiner Mutter aufgefordert, seinen Vater Pedro Páramo aufzusuchen und endlich einzufordern, was ihm zusteht. Schon bald wird ihm allerdings klar, daß die Personen, denen er im abgelegenen Heimatdorf begegnet, die Geister längst Verstorbener sind, die ihm erzählen, wie ihr eigenes Leben von Pedro Páramo beeinflußt wurde...
Die erste Verfilmung von Juan Rulfos populärem Roman (die seit 2007 angekündigte vierte Adaption mit einigen bekannten Namen des spanischen Films zieht sich scheinbar etwas hinaus) besticht vor allem durch eine angemessene traumähnliche Atmosphäre. Was bei all der Euphorie über die "Erfindung des magischen Realismus" und "Gabriel García Márquez sein Kultbuch" oft übersehen wird, ist, daß der Roman auch eine narrative Überhöhung der Gothic Novel darstellt und damit einer Tradition folgt, die von Jan Potocki mit der "Handschrift von Saragossa" begonnen wurde. (Die kongeniale Verfilmung dieses Buches durch Wojciech Has kann man auch nicht oft genug erwähnen.) Auch wenn Rulfos Roman nicht die vielfache Verschachtelung der Handlung betreibt, sondern – ständig die Perspektive wechselnd – ein paar Mosaiksteinchen einer "großen Geschichte" hinwirft, deren Details sich der Leser selbst ausmalen kann, sind vor allem in der Rahmenhandlung Parallelen auszumachen: So wie Alfonse Van Worden immer wieder unter dem Galgen aufwacht, bekommt der durstige Juan hier von den Toten immer nur Gefäße gereicht, die längst ausgetrocknet sind. Weitere Elemente der Gothic Novel sind mehrere Über-Villains, ein Rendezvous auf dem Friedhof und die (anfänglich) jungfräuliche Heldin, die so einiges einstecken muß. Freilich ist die Kritik an ausbeuterischen Landbesitzern hier ausgeprägter vorhanden, aber schon damals waren die Villains überwiegend reiche Säcke. Ohne Kenntnis der literarischen Vorlage mag Velos Film noch rätselhafter wirken, als er eh schon ist, dem Genuß dieser traurigen, originellen und stimmungsvollen Geschichte steht das aber meiner Meinung nach nicht im Weg.
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