Freitag, 29. Januar 2010
Der Dämon der Insel
Le démon dans l'île, Frankreich 1983, Regie: Francis Leroi



Nachdem sie ihre Familie bei einem Autounfall verloren hat, möchte die junge Ärztin Gabrielle einen Neuanfang machen und eröffnet auf einer kleinen Insel im Ärmelkanal eine Praxis. Dort gibt es zwar bereits einen Arzt, aber die Inselbewohner sind mit Professor Marshall nicht sehr zufrieden, scheint der sich doch mehr um seine merkwürdigen Forschungen zu kümmern denn um ihre Wehwehchen. Noch merkwürdiger sind allerdings die sich häufenden Unfälle mit brandneuen Haushaltsgeräten, die ihre Besitzer recht übel verstümmeln. Als ein Backofen den ersten Todesfall verursacht, will Gabrielle der Sache auf den Grund gehen...



Die deutsche Fassung des Films ist scheinbar bis auf ein paar seltene Fernsehausstrahlungen kaum verwertet worden und schwer auffindbar, da der Film aber einige sehr drastische Szenen zu bieten hat, würde es mich auch nicht wundern, wenn sie geschnitten war. Mit den kläglichen Überresten meiner Französisch-Kenntnisse konnte ich den Dialogen der Originalfassung zwar kaum folgen, doch da der Film sehr reich an bizarren Ereignissen und interessanten Bildern ist, war mir das ziemlich egal. Eine interessante Mischung aus Science-Fiction, Horror- und Kriminalfilm, der sich in der Inszenierung mal realistisch, mal verspielt gibt. Die Parallelmontage mehrerer tückischer Objekte, von denen der Zuschauer weiß, daß eines davon bald zuschlagen wird, nimmt so einiges von der Final Destination-Reihe vorweg, während die letzten Minuten eher an Mario Bavas Operazione Paura erinnern. Die Gleichzeitigkeit moderner wie klassischer Stoffe und Motive findet sich auch in der Bildgestaltung wieder: In einer der letzten Szenen schließt die Kralle eines Baggers den oberen Bildrand wie ein gotischer Torbogen ab.

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Mittwoch, 27. Januar 2010
Traum von einem Zug und verlorenen Beinen
Ich sitze in einem Zug, will wohl irgendwohin, obwohl ich kurz vorher im Traum noch einen Film gesehen habe, in dem auch irgendwelche Leute mit einem Zug irgendwohin wollten. Jedenfalls sitze ich gegenüber einem unsympathischen Typen, alle Leute warnen mich, mich nicht mit ihm anzulegen, ich mache es aber trotzdem. Als er mich angreifen will, möchte mir ein anderer Fahrgast helfen und verliert bei dem Versuch beide Beine. Ich schäme mich ein bißchen.

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Sonntag, 24. Januar 2010
Dogra Magra
Dogura Magura, Japan 1988, Regie: Toshio Matsumoto



Ein junger Mann erwacht in einer klammen Zelle und hat keine Erinnerung, wie er dort hineingeraten ist. Aus dem Nebenzimmer fleht eine weibliche Stimme um Vergebung. Ein Doktor betritt die Zelle und klärt ihn auf, daß er aufgrund seiner Amnesie in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Sein Anliegen ist es, dem Patienten zu helfen, sein Gedächtnis wiederzufinden, allerdings ist ein Spezialgebiet ihres Instituts auch die „vererbte Erinnerung“ und einer alten Schriftrolle zufolge hat vor einigen Jahrhunderten einer der Vorfahren des jungen Mannes seine Braut erwürgt, um anschließend monatelang ihren verwesenden Körper zu zeichnen...



Auch wenn in dieser Verfilmung eines Romans von Yumeno Kyūsaku eine Kriminalerzählung integriert ist, scheint ihr Hauptthema doch die Frage zu sein, was „Realität“ wirklich ausmacht. Abgesehen von einer ständigen Verschachtelung oder Verschiebung der Erzählinstanzen wird dem Zuschauer hier ähnlich wie dem Protagonisten mehrfach der Boden unter den Füßen weggezogen, wenn Annäherungen an die Wahrheit sich dann plötzlich doch wieder als Lüge offenbaren. Da ich die literarische Vorlage von 1935 leider nicht kenne, weiß ich nicht, wieviel von dieser meisterhaften narrativen Konstruktion schon dort enthalten war, oder noch zusätzlich vom Regisseur eingewoben wurde. Der Film ist jedenfalls ein eigenwilliges und bravourös durchdachtes Werk voller verstörender und prächtiger Bilder. Auf der auch sonst sehr zu empfehlenden Seite Ubuweb kann man einige der experimentellen Kurzfilme von Toshio Matsumoto sehen.

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