Dienstag, 1. Februar 2011
The Appointment
GB 1981, Regie: Lindsey C. Vickers



Vor drei Jahren verschwand ein junges Mädchen spurlos in einem kleinem Waldstück in der Nähe der Schule, weder wurde ihr Körper je gefunden, noch das Verbrechen aufgeklärt. Die Behörden beschließen, besagtes Waldstück einfach zu umzäunen, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Die neu hinzugezogene Joanne scheint sich aber zu irgendetwas hinter diesem Zaun hingezogen zu fühlen, und hat gerade Streit mit ihrem Vater...



In Sachen Rätselhaftigkeit dürfte dieser Film schwer zu toppen sein, nichts wird je erklärt und selbst die Zusammenhänge zwischen der Vorgeschichte und dem Hauptplot, bei dem es hauptsächlich um die Erfüllung einer Traumsequenz geht, darf sich der Zuschauer selbst zusammenreimen und hat dabei einiges an Optionen. Ein Problem des Films ist zweifellos, daß in der Geschichte nur sehr wenig passiert, und einiges davon vorhersehbar ist. Daß er bis zum Ende hin sämtliche Fragen offen läßt, ist dann allerdings schon überraschend. Und auch sonst hat er noch einiges zu bieten: Da ist zum einen ein sehr modern wirkendes Sound-Design, das mit wummernden Synthie-Bässen und dem überlauten Einsatz von Alltagsgeräuschen einen ordentlich in die Situation hineinzieht, dann sind da die durch endloses Grün führenden einsamen Straßen im Norden von Wales, und nicht zuletzt Hauptdarsteller Edward Woodward, der den leicht spießigen, aber liebenswürdigen Oberschicht-Daddy hier genauso überzeugend gibt, wie die knallharten Ermittler in etwa Callan oder The Equalizer, so daß ich zu keiner Zeit an Sergeant Howie aus The Wicker Man denken mußte, obwohl ich den Film dutzende Male gesehen habe. Das Finale gehört zudem zu den intensivsten klaustrophobischen Momenten, die ich in der letzten Zeit in einem Film gesehen habe.

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Samstag, 29. Januar 2011
Bruno Köster @ Raststätte Aachen, 28.01.2011


Zwei Gitarristen und zwei Bassisten sorgen für einen wabernden Soundteppich, an zwei Wände wird Vittorio de Sicas Schuhputzer projiziert, an eine dritte Wand schreibt Bruno Köster einen Brief an Carl Hulverscheidt, der seit seinem Selbstmord 2007 eine schmerzhafte Lücke in der Aachener Szene hinterlassen hat. Mitten im Raum kriecht Papst Pest über den Boden, an Vogelfedern und Scheren lutschend, sich mit Klebeband einhüllend. Als der Brief zu Ende geschrieben ist, liest Bruno den Rundfunkaufsatz "Das kriminelle Kind" von Jean Genet vor, einzelne Passagen davon passen hundertprozentig zu den Jugendgefängnis-Szenen de Sicas.



Der Besuch von Performances gehört ja normalerweise nicht zu meinem bevorzugten Zeitvertreib, diese stimmige Kombination aus Bildern, Text und Musik konnte aber durchaus faszinieren und wirkte durch die oft scheinbar zufällig zustande kommenden Parallelen und Schnittstellen auch äußerst anregend. Schöner Abend!

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Freitag, 28. Januar 2011
Schach dem Roboter
Le Collectionneur des Cervaux, Frankreich 1976, Regie: Michel Subiela



Die Pianistin Penny vermeint in einem vom zwielichtigen Grafen von Saint-Germain gebauten Schach-Roboter Züge ihres verstorbenen Geliebten wiederzuerkennen. Gemeinsam mit einem Bekannten versucht sie, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen...



Außer seinem berühmtesten Werk "The Fly" sind nur wenige Erzählungen von George Langelaan verfilmt worden: Neben diesem hier gibt es meines Wissens nur noch eine "Night Gallery"-Episode nach "The Other Hand". Schade eigentlich, denn auch hier zeigt sich, daß er einige originelle Ideen hatte und auch Motive von Poe und Hoffmann wirkungsvoll neu variieren konnte. Der Verfilmung merkt man nicht an, daß sie eine Fernseh-Produktion ist: Ausgeklügelte Beleuchtung und ein effektiver Score sorgen dafür, daß ein eindrucksvoller melancholischer Ton über dem Ganzen liegt, der den Themen Liebe und Tod angemessen ist. Neben zahlreichen unheimlichen Momenten besitzt das Finale ebenfalls Kino-Qualitäten und haut ordentlich rein, während von den Darstellern allein der jugendliche Held ein wenig blass bleibt. Das machen aber Claude Jade (die mich die ganze Zeit an Mimsy Farmer erinnert hat) und André Reybaz als ambivalenter Saint-Germain wieder wett. Für Freunde von stimmungsvoller, leiser Phantastik sehr zu empfehlen. Und diejenigen, die den seltenen Film einst im TV gesehen haben oder wie ich nur über einen verwaschenen VHS-Mitschnitt dieser Ausstrahlung verfügen, dürfen sich freuen: Im Mai soll eine deutsche DVD erscheinen.

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