Dienstag, 10. Januar 2012
Dagmar Kassek (Hg.): Autobiographie einer Leiche
Der Untertitel dieser Sammlung - "Russische phantastische Erzählungen" - ist ein wenig irreführend, handelt es sich doch bei vielen der hier gesammelten Texte anders als bei der ebenfalls in Suhrkamps Phantastischer Bibliothek erschienenen Anthologie "Tod per Zeitungsannonce" eher um politische Allegorien und Satiren. Viele dieser Geschichten konnten aufgrund ihrer Bezugnahme zur aktuellen politischen Situation zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in Russland überhaupt nicht veröffentlicht werden - die meisten der Autoren wurden aber trotzdem erschossen. So vermengt sich ein bitterer Beigeschmack zu den größtenteils recht amüsanten Texten, die vor allem die Bürokratie oder überschwengliche Systemtreue aufs Korn nehmen, wenn sie nicht - wie in der Titelerzählung und den Beiträgen von Alexander Grin und Valeri Brjussow - sich dann doch der unheimlichen Phantastik bedienen. Auf jeden Fall eine Lektüre, die ich nicht bereue und eine Veröffentlichung, die viele mittlerweile zu Unrecht vergessene russische Autoren noch einmal ein wenig zu Ehren kommen lässt.

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Samstag, 7. Januar 2012
Coartada en disco rojo
The Two Faces of Fear, Spanien/Italien 1972, Regie: Tulio Demicheli



George Hilton ist Chirurg und mit Luciana Paluzzi (Lechz!) verheiratet. Ihr gehört die Klinik, in der er arbeitet und sie hat ein schwaches Herz. Luis Davíla will Anita Strindberg heiraten, wird aber vorher erschossen. (Pech!) Inspektor Fernando Rey muß den Fall aufklären, obwohl er sich gerade das Rauchen abgewöhnt hat...



Man müßte eigentlich mal eine Abhandlung schreiben über die Schrullen von Polizisten in italienischen Filmen. In welchem Film war noch mal der Typ, der ständig hartgekochte Eier gegessen hat? Fernando Rey sorgt hier jedenfalls mit seinem Talent, in den absurdesten Situationen todernst dreinzublicken, für einigen Comic Relief. Die in diesen Film eingebaute echte Operation am offenen Herzen (die mit Super 8-Aufnahmen von Bikinimädchen parallel montiert ist) eher für das Gegenteil, die ist ziemlich unappetitlich. Aber ich bin bei solchen Sachen auch recht empfindlich. Einige Kritiker vermuten, man hätte mal eben um dieses authentische Material eine pulpige Kriminalgeschichte drumrumgeschrieben, und die Story ist in der Tat nicht sonderlich originell, bietet sie zudem auch nur zwei kurze, im extravaganten italienischen Stil inszenierte Mordszenen.



Aber egal: Die Bilder, die Farben, das Ensemble und der tolle Score von Franco Micalizzi sind einfach entzückend, so daß Freunde von dieser Ästhetik, Zigaretten-Nahaufnahmen und übergroßen Lesebrillen voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

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Sonntag, 1. Januar 2012
Neujahrspost
Hiermit wünsche ich allen Lesern ein frohes neues Jahr und bedanke mich für's Lesen! Die Postingfrequenz war in der letzten Zeit etwas niedriger, weil mir ein wenig die Zeit fehlte. Filmtexte von mir erscheinen seit diesem Jahr ja auch auf Hard Sensations, wo sich ein Hinklicken immer lohnt.

Was die Statistik betrifft, werde ich dieses Jahr nicht rumjammern. :D Für die, die es interessiert: Der im letzten Jahr zu dieser Zeit meistgelesenste Leptirica wurde mittlerweile von den Einträgen zu Linkeroever und Traumstadt überholt.

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