Sonntag, 12. Februar 2012
Le Moine
Der Mönch, Frankreich/Spanien 2011, Regie: Dominik Moll



Ambrosio wurde als Säugling auf den Schwellen eines Kapuzinerklosters hinterlassen, dort wächst er zu einem der frömmsten Mönche aller Zeiten auf, seine leidenschaftlichen Predigten ziehen Gläubige von nah und fern an. Seine fromme Enthaltsamkeit wird aber auf eine harte Probe gestellt, als sich der Novize Valerio als wunderschöne Frau entpuppt, die sagt, daß sie ihn abgöttisch liebt...



Es ist interessant, daß die klassischen Gothic Novels nur sehr selten verfilmt wurden, im Unterschied zu ihren Echos im späteren 19. Jahrhundert wie "Frankenstein" oder "Dracula" - ein Grund dafür dürfte sein, daß sie mit ihrer labyrinthischen Erzählstruktur mit zahlreichen Nebenplots kaum in einen abendfüllenden Spielfilm normaler Laufzeit unterzubringen sind. Die aktuelle Verfilmung von M.G. Lewis' populärstem Werk läßt dann auch wie frühere Adaptionen diese Nebenplots weg und konzentriert sich auf die Rahmenhandlung. Das ist schade (vor allem um die "Bleeding Nun"-Episode), aber auch verständlich. Im Unterschied zu Ado Kyrous Version, die dank eines Drehbuchs des alten Atheisten Luis Bunuel das Ende auf den Kopf stellte, hält sich Moll an die literarische Vorlage und bietet einige wundervolle Bilder, auch an der Besetzung läßt sich nichts aussetzen. Solides gotisches Entertainment durch und durch, das kann man sich durchaus mal gefallen lassen. Jetzt sollte sich aber endlich auch mal jemand trauen, Maturins "Melmoth the Wanderer" zu verfilmen.

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Ich frage jetzt nicht, ob sie am Schluss auch zusammen das Kamin hochfahren. ;) Was ich bei "Monk" Lewis immer genoss: die komischen Nebenszenen. Sie gaben dem Grauen einen zusätzlichen Reiz.

Das mit Maturin kannst du vergessen. Man müsste ja zu einem 18-Stünder ansetzen. Und der Roman ist über weite Strecken hinweg (Maturin auf der Südseeinsel etc.) schlicht nicht grauslig. Sogar ich langweilte mich während der Lektüre gelegentlich.

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Ja, der Monk ist schon kurzweiliger als der Melmoth, das stimmt, letzteren fand ich aber streckenweise wesentlich finsterer - und ich bestehe ja auch gar nicht auf einer Komplettverfilmung, nur daß irgendwer endlich mal was macht - aber das Problem dürfte sein, daß man wohl ein ziemlich großes Budget bräuchte um die eindrucksvollsten Szenen (z.B. den Schiffsuntergang zu Beginn) umzusetzen, und das kriegt man wohl nicht zusammen, wenn man gleichzeitig sämtliche Weltreligionen ankackt.

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Verfilmung von 1990
Ich hatte gestern endlich die Möglichkeit, auch die Verfilmung von 1990 mit Paul McGann und Sophie Ward zu sichten. Eine Riesenenttäuschung. So gut wie alle horribleren, um nicht zu sagen, perverseren Elemente des Romans wurden weggelassen, sodass der Film die meiste Zeit mehr wie ein leicht erotisch angehauchtes Kostümdrama wirkt. Schade! Nachdem ich jetzt alle drei Verfilmungen gesehen habe sollte ich vielleicht endlich mal den Roman lesen.

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Danke
...für die Einschätzung - ich konnte die Version mittlerweile auch finden, aber nach kurzem Reinschauen befürchtete ich genau das, was du bestätigst...

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