Mittwoch, 15. Mai 2013
Maurice Renard: Der Doktor Lerne
Uff, für dieses Buch habe ich ganz schon lange gebraucht, was wohl hauptsächlich mit meiner spärlichen Lesezeit zusammenhängt - wie hier ganz unten beschrieben las ich der lieben Kollegin Silvia schon Mitte März bei einer Zugfahrt aus dem Roman vor, aber erst jetzt habe ich ihn auch ausgelesen. Ein bißchen Schwierigkeiten bereitete mir auch der Stil und vor allem die eher ungewöhnlich gesetzte direkte Rede, die den Lesefluss ein wenig hemmte.



Maurice Renard war ein lange Zeit vergessener Pionier der Science Fiction-Literatur, der als Autor erst in den 60er Jahren wiederentdeckt wurde, wiewohl er mit Les Mains d'Orlac eine beliebte Vorlage für einige Horrorfilme schuf, von denen vor allem Karl Freunds Mad Love durch die großartige Performance Peter Lorres zum Klassiker wurde. Transplantation ist auch hier Thema, aber es sind hier nicht nur die Hände, sondern alle möglichen Körperteile, und sie werden nicht nur von einem Menschen auf den anderen transplantiert: Verblüffend für einen Roman von 1908 fand ich zum Beispiel, daß der Ich-Erzähler zwei Kapitel erzählt, während sich sein Gehirn im Körper eines Stiers befindet. Auch sonst finden sich in der Geschichte noch zahlreiche erstaunliche Elemente, die ihrer Zeit durchaus voraus waren. Renards drei Jahre später entstandener Die blaue Gefahr (in Suhrkamps "Phantastischer Bibliothek" erschienen) gefiel mir alles in allem aber noch etwas besser, obwohl da kein böser deutscher Doktor namens Klotz vorkam.

Die oben abgebildete Taschenbuchausgabe aus dem Rowohlt-Verlag, die ich kurz vor Weihnachten 1987 aus der Ramschkiste der Mayerschen rettete (der Kassenbon lag noch drin) verfügt übrigens über sehr eigenwillige Illustrationen von Armin Stähle, die man nicht missen sollte, auch wenn sie die sexuellen Untertöne der Geschichte vielleicht etwas überbetonen.

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