Sonntag, 14. Februar 2010
Traum von Baustellen und einem Nagelknipser
Ich gehe mit einem Freund durch eine fremde Stadt, in der es verdammt viele Baustellen gibt und es manchmal äußerst schwierig ist, die Straße zu überqueren oder überhaupt in der Richtung weiterzukommen, in die man will. Zudem sind uns Bauarbeiter und die heimische Bevölkerung extrem feindselig gesinnt. Wir können uns jedoch gegen ihre Angriffe wehren, indem wir ein kleines Gerät bedienen, das wie ein Nagelknipser aussieht, und die Aggressoren außer Gefecht setzt. Jemand sagt uns aber, wenn wir das Ding zu oft bedienen, werden wir schon sehen, was wir davon haben. Und nachdem wir zum fünften Mal einen Angreifer „ausgeknipst“ haben, wachsen mir Hörner und meinem Freund Antennen aus dem Kopf heraus.

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Samstag, 13. Februar 2010
Girls' Dormitory
Khabgah-e Dokhtaran, Iran 2005, Regie: Mohammad Hossein Latifi



Die beiden Freundinnen Roya und Shirin freuen sich sehr, als sie endlich die Zulassung zur Uni bekommen haben. Jetzt müssen sie nur noch ihren Vätern verklickern, daß sie dazu in ein abgelegenes Kaff müssen, aber auch das gelingt ihnen recht bald. Der neue Schlafsaal der Uni ist jedoch noch nicht fertig, und so müssen sie zunächst mit einer alten Baracke vorlieb nehmen, die in der Nähe eines noch älteren, verlassenen Gebäudes steht, in dem es den Erzählungen der Einheimischen nach spuken soll...



Es ist schon recht erstaunlich, die Prämisse von Teenager-Mädels, welche sich von ihren Eltern loseisen können - sonst eher aus amerikanischen Filmen bekannt und meist mit ein wenig Promiskuität einhergehend - hier mal in einer vollkommen züchtigen Variante zu erleben. Sex vor der Heirat ist nicht, das Kopftuch wird freilich auch nie ausgezogen. Wenn man dann noch recht häufige Familien-Szenen und Komödienanteile abzieht, die den eigentlichen Plot zuweilen unterbrechen, kommt unterm Strich ein Film raus, der mit dem westlichen Terrorkino recht viel gemein hat. Die übernatürliche Prämisse mit einigen hübschen Gothic-Momenten hält nicht lange vor und macht Serienmörder-Thriller-Elementen Platz bis es zu einem recht offensichtlich von Texas Chainsaw Massacre inspirierten Finale kommt. Eine höchst interessante Sichtung und ich hoffe, auch mal einige iranische Horrorfilme aus den 50er und 60er Jahren in die Finger zu bekommen.

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Donnerstag, 11. Februar 2010
Jacques Hamelink: Horror Vacui
Da habe ich wohl, mehr oder weniger blind in die Grabbelkiste greifend, ein echtes Goldstück gefunden. Hamelinks Erzählungen beginnen zumeist wie realistische Alltagsbeschreibungen, kippen dann aber langsam um in ein nicht-greifbares Grauen teils individueller, teils existenzialistischer, teils sogar apokalyptischer Natur und münden in rätselhafte, ambivalente Auflösungen. Am besten gefiel mir "Ein aufgehaltenes Unwetter", in dem der Ausflug einiger Schulkinder ins Moor ein Ende findet, das ich überhaupt nicht erwartet hatte und mich in seiner misanthropischen Düsterniß an die viele Jahre später entstandenen Texte von Thomas Ligotti erinnerte. Aber auch die anderen Erzählungen bieten originelle Variationen bekannter phantastischer Motive, die - teilweise auf den Kopf gestellt - ihren Reiz daraus gewinnen, sich gerade in banalen Alltäglichkeiten zu manifestieren...oder zu manifestieren scheinen...große Klasse!

Die "edition suhrkamp"-Ausgabe von 1967 ist wohl die einzige deutsche Übersetzung des Autors und bei amazon marketplace und Konsorten problemlos und günstig abzugreifen.

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