Freitag, 19. Februar 2010
El libro de piedra
The Book of Stone, Mexiko 1969, Regie: Carlos Enrique Taboada



Julia tritt einen neuen Job als Gouvernante für die Tochter eines Millionärs auf einem einsamen Landsitz an. Der Vater warnt sie jedoch gleich, daß das Mädchen Silvia nicht einfach ist, vor allem erzählt sie andauernd von ihrem imaginären Freund Hugo. Dieser wurde wohl inspiriert von einer Statue im Garten, die einer der früheren Besitzer der Villa vor vielen Jahren aus Österreich mitgebracht hat. Als sich mehrere unheimliche Ereignisse häufen, fragt sich auch die skeptische Julia, ob Hugo tatsächlich nur eine Statue ist...



Meisterhaft inszenierter Horror der subtilen Art, der neben „The Turn of the Screw“ von Henry James noch zahlreiche weitere Motive verarbeitet und ein Ende zu bieten hat, das einen ziemlich aus den Socken haut. Regisseur Taboada ist zu unrecht außerhalb Mexikos kaum bekannt, lieferte er doch noch zahlreiche andere herausragende Filme ab: So den bavaesken Mädcheninternats-Horror Hasta el viente tiene miedo (dessen Remake auch recht brauchbar ausgefallen ist), den Katzenschocker Más negro que la noche und den wunderbaren Veneno para las hadas, bei dem auch wieder Kinder und schwarze Magie eine Rolle spielen. Ich plädiere für eine Werkausgabe, ein Museum, mehrere Straßennamen! Die Filme in guter Bildqualität mit Untertiteln würden mir aber auch erst einmal reichen.

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Donnerstag, 18. Februar 2010
Thomas Ligotti: Das Alptraum-Netzwerk
In der Phantastikszene ist der Amerikaner Ligotti längst kein Unbekannter mehr, es ist aber nicht damit zu rechnen, daß sein Name irgendwann mal auf den Bestsellerlisten auftaucht, denn dazu ist seine Prosa zu eigenwillig. Es ist überhaupt nicht weit hergeholt, wenn der Autor neben den offensichtlichen Poe und H.P. Lovecraft auch Thomas Bernhard als Vorbild angibt, denn neben den übernatürlichen Elementen finden sich in seinen Erzählungen auch zahlreiche Spuren dieses „inneren“ Grauens, daß sich in der Angst vor der eigenen Leere und Bedeutungslosigkeit, aber auch in der Ablehnung zu Kontakten nach außen, zu anderen Menschen, manifestieren kann. Die zentrale Erzählung dieser Zusammenstellung, „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt“, macht diese Melange sichtbar, beginnt sie doch in einem für Ligotti ungewöhnlich sachlichen Stil, der mit seinen Beschreibungen des von Mobbing und Egoismus beherrschten Alltags in den Büroräumen einer großen Firma an Chuck Palahniuks „Fight Club“ und die Verfilmung von David Fincher erinnert. Doch nach eine Weile merkt der Leser, daß auch dieses Büro trotz seiner scheinbaren Normalität auch nur ein Platz in dem bekannten düsteren Ligotti-Universum ist, der sehr perfide getarnt wurde. Auch die weiteren Erzählungen dieses Bandes erschaffen gekonnt eine bedrohliche Atmosphäre des Unwirklichen, hinter der die Realität zwar immer wieder zum Vorschein kommt, aber mit anderen Augen betrachtet werden muß. Dieses Spiel mit der subjektiven Wahrnehmung ist wie die stilistische Finesse eine von vielen Façetten, die das Werk Ligottis so faszinierend macht. Anders als bei vielen anderen zeitgenössischen Horror-Autoren schwingt die Stimmung dieser Prosa noch lange nach, nachdem man die letzte Seite gelesen und das Buch geschlossen hat.

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Montag, 15. Februar 2010
A Devilish Murder
Salinma, Südkorea 1965, Regie: Yongmin Lee



Auf dem Weg in eine Ausstellung stellt der Geschäftsmann Lee fest, daß nicht nur das Gebäude absolut menschenverlassen ist, auch sind sämtliche Räume absolut leer, bis auf ein einzelnes Portrait, das seine vor 10 Jahren verstorbene erste Frau darstellt. Es scheint, als sei diese aus dem Totenreich zurückgekehrt, um mit Hilfe einer Katze Rache zu nehmen...



Zu Anfang denkt man ja noch, der Film würde mit einer Traumsequenz beginnen – die leeren Räume, das seltsame Verhalten einzelner Passanten, schließlich eine Taxifahrt, bei der der Fahrer den Protagonisten aufklärt, heute wäre die Nacht der toten Seelen, während man im Wald schemenhafte Gestalten umherirren sieht – aber der Film relativiert das dann doch nicht und macht einfach so weiter. Verwandt mit den "bakeneko"-Filmen aus Japan, wird hier hauptsächlich in hübschen s/w-Scope-Bildern mit vielen Schatten von einem effektiven Score unterstützt unheimliche Atmosphäre generiert, es gibt aber auch Momente größeren Terrors, wenn z.B. der intriganten Zweitfrau nach Angriff der Geisterkatze ein Augapfel herausbaumelt, oder sich die mit dem Hausarzt herummachende Schwiegermutter selbst in eine Muschi verwandelt. Zum Ende hin wird es etwas kitschig-religiös, aber ansonsten ist das solider Old School-Grusel. Regisseur Lee drehte mit Akui ggot/The Bad Flower auch einen recht frühen koreanischen Vampirfilm, der dürfte ruhig auch mal ausgegraben werden.

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