Montag, 22. März 2010
Horacio Quiroga: Weißer Herzstillstand
Interessant, lateinamerikanische Literatur mit Hang zur Phantastik zu lesen aus der Zeit vor Borges und dem magischen Realismus. Der Titel einer anderen bei Suhrkamp erschienenen Sammlung "Geschichten von Liebe, Wahnsinn und Tod" trifft es schon ziemlich genau. Die von Poe, Maupassant und einigen russischen Schriftstellern beeinflußten Geschichten haben nicht immer explizit phantastische Elemente, bewegen sich aber wie ihre Protagonisten alle in einem faszinierenden Schwebezustand zwischen Leben und Tod oder an der Grenze zum Wahnsinn, der oft mit unerfüllter Liebe einhergeht. Vor allem die erste Erzählung "Seine Absenz" folgt einer originellen Idee und ist wie die restlichen in einem angenehmen, klischeefreien Stil geschrieben. Die andere Sammlung steht schon im Schrank und wird sicherlich demnächst auch vertilgt werden.

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Donnerstag, 18. März 2010
Was geschah gestern?
Remember last night?, USA 1935, Regie: James Whale



In der New Yorker Upper Class weiß man zu feiern: Scheiß auf moralische Bedenken und dergleichen, Hauptsache, das Glas ist voll. Wenn man dann nach einer durchzechten Nacht die ein oder andere Leiche im Haus findet, reagiert man am besten damit, beim Frühstück direkt weiter zu saufen. Um die Aufklärung des Mordes kann sich ja der dicke Detektiv-Typ kümmern.



Wundervoll, auch wenn ich einige Witze nicht verstand. Mag an obsoleten Redewendungen oder zeitgenössischen Anspielungen liegen, die heutzutage nicht mehr so leicht zu rekonstruieren sind. Die Verweise an die Universal-Horrorfilme, seien sie von Whale selbst oder von Kollegen, sind freilich auch jetzt noch offensichtlich. Das Highlight ist sicherlich der Auftritt von Gustav von Seyffertitz mit seiner imposanten Hypnosemaschine - Hurra, endlich findet sich hier mal ein Eintrag über einen Film mit einer solchen! - der die Gedächtnislücken der Säufer beleuchtet – leider wird er erschossen, bevor er den Namen des Mörders verraten kann. Warum müssen diese ausländischen Wissenschaftler auch immer so weit ausholen, bevor sie zum Punkt kommen! Lange her, daß ich einen Film gesehen habe, der so konsequent gute Laune verbreitet und mir ein fast schon psychopathisches Dauergrinsen verpaßte.

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Dienstag, 16. März 2010
U.K. Subs @ Musikbunker Aachen, 13.3.2010
War das jetzt das siebte oder achte Mal, daß ich die live gesehen habe? Egal. Irgendwie beruhigend zu wissen, daß Charlie Harper immer noch unterwegs ist, Spaß dran hat und nach wie vor mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist. Von den dargebotenen Songs waren mir nur zwei nicht bekannt, ansonsten stammte das neueste Material von 1982. Nun, wer in seiner Anfangsphase so viele Evergreens geschrieben hat, kann sich das wohl auch erlauben, langweilig scheint es den Jungs auch nicht zu werden, in der aktuellen Besetzung mit Nicky Garratt und Alvin Gibbs auch zwei Leute dabei, die das auch schon etwas länger machen. Nun, wer sich die Band ankuckt, sollte wissen, daß nicht mit Überraschungen zu rechnen ist, aber man genau das bekommt was man erwartet, was ja auch nicht jede Kapelle garantieren kann. (Und ich sollte mittlerweile wissen, wenn ich nach so einem Konzert noch zum Punkrock-Karaoke ins HQ gehe, es meist ein schlimmes Ende nimmt.)

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