Samstag, 1. Mai 2010
Traumheft
Mal eben ein Hinweis auf den Printen-, äh, Printbereich: In der Mai-Ausgabe des MOVIEBETA-Magazins gibt es neben meiner üblichen Filmkolumne (diesmal über die Fantasy Filmfest Nights 2010 in Köln) eine Auswahl einiger teilweise hier noch nicht veröffentlichter Träume zu lesen, die ich im Rahmen des Moviebeta-Lesezirkels vortrug. Das Magazin ist kostenlos und liegt ab heute an vielen Stellen im Großraum Aachen aus.

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Freitag, 30. April 2010
De Jurk
Das geheimnisvolle Kleid, Niederlande 1996, Regie: Alex van Warmerdam



Vom Baumwollfeld über das Design bis zum Ende im Verbrennungsofen wird episodisch die Geschichte eines Kleides erzählt, das mit den verschiedensten Menschen in Berührung kommt, manche davon höchst absonderlicher Natur. Abgesehen von zwei traurigen Einschüben dominiert hier ein eigenwilliger, rabenschwarzer Humor, in dem die männliche Figuren meist langweilende Verlierer oder notgeile Psychopathen sind...



Manchmal kann man durch zufälliges Einschalten des Fernsehers schon erstaunliche Entdeckungen machen, wobei ich mittlerweile so gezielt Filme schaue, daß mir das immer weniger passiert. So wurde ich jedenfalls vor einigen Jahren auf den niederländischen Regisseur Alex van Warmerdam aufmerksam, von dem ich mittlerweile auch alle anderen Filme gesehen habe, die allesamt trotz wiederkehrender Elemente wie dem Hang zu absurden Situationen und einem die Grenzen des guten Geschmacks immer wieder penetrierenden Humors von einer frischen Unvorhersehbarkeit sind, wenn ich auch nicht alle gleichermaßen großartig fand. Schade jedenfalls, daß seine neuesten Werke – der metaleptische Ober und der bösartige De laatste dagen van Emma Blank – scheinbar hierzulande nicht mehr erschienen sind, so daß sie niemand zufällig im Fernsehen erwischen kann. De Jurk ist aber wohl immer noch mein Lieblinsgsfilm des Regisseurs, vielleicht, weil es der erste war, der mich mit seiner kuriosen Welt in Verbindung brachte, vielleicht aber auch, weil hier so viele tolle Momente drin sind – neben Warmerdams Performance als irrer Schaffner ist vor allem die Sequenz unglaublich, in der ein Mofakurier durch einen Wald voller Nebel den Stoff des Kleides zum Modedesigner bringt und dabei Zeuge wird, wie dieser gerade seine halbnackte Freundin mit der Schrotflinte zum Teufel jagt, weil diese nicht mit seinem riesengroßen Eber namens Tony kopulieren wollte.

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Freitag, 30. April 2010
Veronika Schmidt (Hg.): Gespenstergeschichten aus Lateinamerika
Abwechslungsreiche Sammlung, wobei die interessantesten Erzählungen nicht unbedingt von der bekannteren Namen Márquez, Borges, Fuentes oder Bioy Casares stammen, sondern von Autoren, von denen ich noch nie gehört hatte, so etwa "Mädchen, Blume, Telefon" von Carlos Drummond de Andrade. Ein paar der Geschichten sind mir auch ein bißchen zu nah an der Fabel und Parabel, aber diese Spielart des Phantastischen ist ja gerade in den hier vertretenen Ländern recht verbreitet. Ein wenig schade, daß die Anthologie sich auf zeitgenössische Autoren beschränkt, ein paar Texte aus dem 19. Jahrhundert hätten die Auswahl wohl noch etwas runder gemacht. Nichtsdestotrotz eine empfehlenswerte Lektüre mit einigen Höhepunkten, wie überhaupt die knapp 20 Bände umfassende Reihe, die Mitte der 70er bis Anfang der 80er im Fischer-Verlag erschien und wahrlich aus allen Ecken der Welt Gespenstergeschichten präsentierte, äußerst lobenswert ist. Als besonderer Tip sei noch auf die von Lafcadio Hearn zusammengetragenen japanischen Geistergeschichten hingewiesen, die von keinem geringerem als Gustav Meyrink übersetzt wurden.

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