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Mittwoch, 12. Mai 2010
Traum von Weizenbiergläsern
hypnosemaschinen, 22:49h
Ich soll ein sehr reiches und hübsches Mädchen heiraten. Zur Hochzeitsfeierlichkeit komme ich natürlich zu spät, sie findet in einem riesigen Saal statt, mit Kronleuchtern und allen drum und dran. Ich habe noch meine speckige, verdreckte Weste von meinem Wochenmarkt-Job an. Die aufgemotzten Hochzeitsgäste weichen vor mir zurück wie vor einem Aussätzigen. Die Eltern der Braut schauen bestürzt, als ich versuche mich zu entschuldigen und zu erklären. Die Braut selbst scheint auch nicht begeistert zu sein, regt sich aber auch nicht besonders auf. Was mich ärgerte war, daß sie nicht nur reich und hübsch, sondern auch nett und intelligent war; weder arrogant noch ignorant, also die optimale Partie, und ich mußte es wieder versauen. Das Getuschel im Saal wird lauter, man hört vereinzeltes Lachen. Ich krieg zuviel, steige auf einen Tisch und halte eine pathetische Rede zur Verteidigung der Arbeiterklasse. Die einzigen die applaudieren sind Roberto Blanco und Tony Marshall, die aus irgendeinem Grunde auch eingeladen waren. Kurze Zeit später versuchen sie mit Weizenbiergläsern in der Hand, alle anwesenden Frauen anzumachen, sowohl mit frauenfeindlichen Sprüchen wie mit Klapsen auf den Hintern, sogar die Braut. Dann und wann finden sie auch Zeit, mich zu umarmen, und laut zu gröhlen, was ich doch für ein dufter Kerl bin, der einzig Anständige in diesem Puff hier. Später habe ich mit der Braut den Saal verlassen, die beiden Muntermacher sind uns aber durch die ganze Stadt gefolgt.
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Sonntag, 9. Mai 2010
Lokis
hypnosemaschinen, 23:59h
The Bear, Polen 1970, Regie: Janusz Majewski

Wittenbach, Priester und Professor der Theologie, reist durch Estland, um den dortigen Aberglauben zu erforschen. Durch verschiedene Zufälle wird er Gast eines jungen Adligen, der befürchtet, sich in Zuständen äußerster Erregung in einen Bären zu verwandeln...

Was hier und dort als polnische Antwort auf die Hammer-Horror-Filme bezeichnet wird, ist eigentlich ein sehr eigenständiges Werk, das zwar einige bekannte Motive wie Kutschfahrten durch den Wald übernimmt, aber in seiner Bildsprache entschieden künstlerischer vorgeht. Zudem ist die ganze Atmosphäre, zu der neben der Landschaft, der Kamera-Arbeit, den prächtigen Farben und Wojciech Kilars hervorragendem Score auch einige folkloristische Einlagen beitragen, äußerst osteuropäisch geprägt. Zuweilen erinnerte mich der Film, durch dessen altmodisches Ambiente bereits der verruchte Geist der Moderne weht, an Witold Gobrowicz' Roman "Die Besessenen", der diese Kombination ebenfalls sehr wirkungsvoll einsetzt. Überhaupt wird trotz zahlreicher stimmungsvoller Sequenzen das Übernatürliche nie wirklich sichtbar, es liegt ständig Ambivalenz in der Luft. Ein faszinierender und rätselhafter Film, der mit verständlichen Untertiteln wohl noch zugewinnen würde. Bei den Szenen, in denen sich der verfluchte Adlige zu Alpträumen im Bett wälzt, wurde mir klar, daß Walerian Borowczyk in La Bête wohl weniger Prosper Mérimées literarische Vorlage variierte, sondern eher diese filmische Vorlage zitierte.

Wittenbach, Priester und Professor der Theologie, reist durch Estland, um den dortigen Aberglauben zu erforschen. Durch verschiedene Zufälle wird er Gast eines jungen Adligen, der befürchtet, sich in Zuständen äußerster Erregung in einen Bären zu verwandeln...

Was hier und dort als polnische Antwort auf die Hammer-Horror-Filme bezeichnet wird, ist eigentlich ein sehr eigenständiges Werk, das zwar einige bekannte Motive wie Kutschfahrten durch den Wald übernimmt, aber in seiner Bildsprache entschieden künstlerischer vorgeht. Zudem ist die ganze Atmosphäre, zu der neben der Landschaft, der Kamera-Arbeit, den prächtigen Farben und Wojciech Kilars hervorragendem Score auch einige folkloristische Einlagen beitragen, äußerst osteuropäisch geprägt. Zuweilen erinnerte mich der Film, durch dessen altmodisches Ambiente bereits der verruchte Geist der Moderne weht, an Witold Gobrowicz' Roman "Die Besessenen", der diese Kombination ebenfalls sehr wirkungsvoll einsetzt. Überhaupt wird trotz zahlreicher stimmungsvoller Sequenzen das Übernatürliche nie wirklich sichtbar, es liegt ständig Ambivalenz in der Luft. Ein faszinierender und rätselhafter Film, der mit verständlichen Untertiteln wohl noch zugewinnen würde. Bei den Szenen, in denen sich der verfluchte Adlige zu Alpträumen im Bett wälzt, wurde mir klar, daß Walerian Borowczyk in La Bête wohl weniger Prosper Mérimées literarische Vorlage variierte, sondern eher diese filmische Vorlage zitierte.
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Sonntag, 9. Mai 2010
Drei Sätze über das Sterben
hypnosemaschinen, 00:54h
Ich ging heute nachmittag in den Supermarkt und sehe in einer Seitenstraße einen Notarztwagen stehen, auf dem Bürgersteig daneben die dazugehörige, etwas ratlos dreinblickende Notärztin. Beim Rückweg vom Einkauf sehe ich an der gleichen Stelle einen Leichenwagen. Tja, so schnell kann es dann manchmal gehen.
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