Donnerstag, 1. Juli 2010
Traum von der sozialen Einheit
Ich sitze in einem Zug, der Schaffner kommt ins Abteil, er will aber nicht die Tickets sehen, sondern bittet um Verständnis, daß die „Woche der sozialen Einheit“ der Deutschen Bundesbahn wäre, und sich alle Reisende mit zwei übelriechenden Obdachlosen unterhalten müssen. Ich bin natürlich als erster dran. Beide fangen dann auch an zu reden, doch ich kann kein Wort verstehen. Der eine wird immer lauter, fängt dann plötzlich an zu zucken, sich im Kreis zu drehen und zu schreien, bis er dann eine erhebliche Menge einer ockerfarbenen Flüssigkeit durch das Abteil kotzt, wovon das meiste auf meiner Hose landet. Mir kommt das alles nicht geheuer und sehr unrealistisch vor und ich komme auf die seltsame Idee, da das hier ja nicht die Realität zu sein scheint, könnte ich selbst ja auch übernatürliche Fähigkeiten haben. Also mache ich eine übertrieben theatralische Geste, zeige auf dem Penner und spreche laut: "Dich treffe der Todesfluch!"
Der Obdachlose kippt auch sofort um, zuckt noch ein bißchen am Boden herum und stirbt. Äußerst erfreut, daß das geklappt hat, hoffe ich, die anderen Fahrgäste zollen mir ein wenig Respekt, doch sie reagieren eher mit Abscheu, so, von wegen, ich hätte ihn ja nicht direkt umbringen müssen, vor allem nicht in der Woche der sozialen Einheit.

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Montag, 28. Juni 2010
Schalcken the Painter
GB 1979, Regie: Leslie Megahey



Leyden im 17. Jahrhundert: Der junge Maler Schalcken verliebt sich in die Nichte seines Lehrers und ist daher nicht begeistert, als dieser sie für einen Haufen Goldstücke an einen geheimnisvollen Fremden verschachert. Noch weniger begeistert ist die Nichte selbst, nachdem sie das leichenhafte, ausgezehrte Gesicht ihres zukünftigen Gemahls das erste Mal erblickt...



Auch außerhalb der "Ghost Stories for Christmas", die 1971 bis 1978 liefen und 2005 und 2006 kurz wiederbelebt wurden, adaptierte das englische Fernsehen klassische Geistergeschichten, diesmal keinen Stoff von M.R. James, sondern von dessen großen Vorbild Sheridan Le Fanu. Megahey, der davor und danach auch Filme über Maler drehte, ergreift die Gelegenheit beim Schopf und taucht den ganzen Film in ein Kerzenlicht-Halbdunkel, so daß der ein oder andere Frame auch an die Gemälde der flämischen Schule erinnert. Diese Vorgehensweise sorgt neben den hervorragenden Darstellern (u.a. Maurice Denham) dafür, daß trotz der sehr langsamen Erzählweise keine Langeweile aufkommt, da scheint ständig etwas zu lauern in diesen dunklen Flecken. Der Schock aller Schocks kommt freilich erst am Ende und man kann sich immer wieder wundern, wie weit der viktorianische Großvater der westlichen Geistergeschichte schon in die Abgründe der menschlichen Fantasie vorgestoßen ist.

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Sonntag, 27. Juni 2010
Ultravox!
Anno 1981 hörte ich immer die "Schlagerparade" auf WDR 1 und ein Song gefiel mir da besonders gut, das war "Vienna" von ULTRAVOX. Kurze Zeit später wurde das dazugehörige Album im zarten Alter von 10 Jahren nach einigen Hörspielplatten meine erste Musik-LP, die ich irrtümlicherweise auch auf 45 statt 33 abspielte, weil ich damals dachte, 33 wäre für Hörspiele und 45 für Musik. Bald stellte ich meinen Fehler fest und legte den Schalter am Gerät (einen weinroten, portablen PHILIPS-Plattenspieler) entsprechend um. Ich wollte aber noch mehr von dieser Band hören, und so kaufte ich, sobald ein wenig Taschengeld zusammengekommen war, in seit Jahren geschlossenen lokalen Plattengeschäften die früheren Platten der Band, als noch nicht Midge Ure, sondern John Foxx ihr Frontmann gewesen ist. Diese gefielen mir ebenso sehr und pflanzten neben einem zufällig bei einer Rückfahrt von Verwandten im Radio gehörten Konzert des frühen Joe Jackson und einem Sonntag nachmittags begutachtetem Auftritt von THE DAMNED bei "LIVE AUS DEM ALABAMA" den Punkrock-Keim bei mir ein. Und der geht einfach nicht weg. Ich habe sie jetzt seit fast 30 Jahren, die ersten drei Ultravox-Alben, und ich lege sie immer wieder gerne auf, denn da verschleißt sich nix. Meinen Lieblingssong "Artificial Life" gibt es leider nicht als youtube-clip, daher soll erstmal dieser hier genügen:

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