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Sonntag, 4. Juli 2010
Angel, Angel, Down We Go
hypnosemaschinen, 20:36h
Cult of the Damned, USA 1969, Regie: Robert Thom

Der Vater des Teenagers Tara ist einer der reichsten Männer Amerikas, ihre Mutter wiederum ein ehemaliges Zigarettenmädchen und Pornofilmdarstellerin. Letztere möchte für ihre Tochter, die aus dem Schweizer Internat heimgekehrt ist, eine pompöse Coming Out-Party schmeißen, was für die schüchterne, übergewichtige Tara einem Alptraum gleichkommt. Nach wenigen Minuten flüchtet sie in ein Waldstück und wird dort beinah von dem Rocksänger „Bogart Peter Stuyvesant“ überfahren, der sie anschließend zum Mitfahren überredet und verführt. Tara ist aber nur das erste Ziel des charismatischen Exzentrikers, er möchte auch noch an Mutter und Vater ran...

Es ist schon ein bemerkenswerter Zufall, daß dieser Film in den Kinos lief, als die berüchtigten Tate/LaBianca-Morde der Manson-Familie stattfanden. Da er ziemlich floppte, brachte die nie um Marketingkampagnen verlegene AIP ihn kurze Zeit später unter dem Titel „Cult of the Damned“ noch einmal heraus, auf den Plakaten direkte Bezüge zu den Ereignissen nehmend. Das half freilich auch wenig, denn abgesehen von einzelnen Szenen dürfte das Horrorfilm-Publikum diesem satirischen Musical-Trip eher mit Unverständnis begegnet sein. Der Film wirkt auch heute noch an manchen Stellen hoffnungslos überladen, ist als Kuriosum aber hochinteressant. Da wär zum einen die immer noch schöne, ehemalige Oscargewinnerin und David Selznick-Gattin Jennifer Jones in der Rolle der Mutter, bei der man sich schon fragt, ob sie wußte, in was sie da hineingeraten war. Dann ist da noch eine von visuellen Ideen überlaufende Bildgestaltung, die oft Collagen im Stil von Robert Rauschenberg verwendet, und zu guter letzt die Songs aus der Feder von Barry Mann, gegen die man auch nichts haben kann. (Beim folgenden Clip fehlt leider ein großer Teil des Slomo-Sitar-Intros.)

Der Vater des Teenagers Tara ist einer der reichsten Männer Amerikas, ihre Mutter wiederum ein ehemaliges Zigarettenmädchen und Pornofilmdarstellerin. Letztere möchte für ihre Tochter, die aus dem Schweizer Internat heimgekehrt ist, eine pompöse Coming Out-Party schmeißen, was für die schüchterne, übergewichtige Tara einem Alptraum gleichkommt. Nach wenigen Minuten flüchtet sie in ein Waldstück und wird dort beinah von dem Rocksänger „Bogart Peter Stuyvesant“ überfahren, der sie anschließend zum Mitfahren überredet und verführt. Tara ist aber nur das erste Ziel des charismatischen Exzentrikers, er möchte auch noch an Mutter und Vater ran...

Es ist schon ein bemerkenswerter Zufall, daß dieser Film in den Kinos lief, als die berüchtigten Tate/LaBianca-Morde der Manson-Familie stattfanden. Da er ziemlich floppte, brachte die nie um Marketingkampagnen verlegene AIP ihn kurze Zeit später unter dem Titel „Cult of the Damned“ noch einmal heraus, auf den Plakaten direkte Bezüge zu den Ereignissen nehmend. Das half freilich auch wenig, denn abgesehen von einzelnen Szenen dürfte das Horrorfilm-Publikum diesem satirischen Musical-Trip eher mit Unverständnis begegnet sein. Der Film wirkt auch heute noch an manchen Stellen hoffnungslos überladen, ist als Kuriosum aber hochinteressant. Da wär zum einen die immer noch schöne, ehemalige Oscargewinnerin und David Selznick-Gattin Jennifer Jones in der Rolle der Mutter, bei der man sich schon fragt, ob sie wußte, in was sie da hineingeraten war. Dann ist da noch eine von visuellen Ideen überlaufende Bildgestaltung, die oft Collagen im Stil von Robert Rauschenberg verwendet, und zu guter letzt die Songs aus der Feder von Barry Mann, gegen die man auch nichts haben kann. (Beim folgenden Clip fehlt leider ein großer Teil des Slomo-Sitar-Intros.)
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Sonntag, 4. Juli 2010
Shirley Jackson: Wir haben schon immer im Schloß gelebt
hypnosemaschinen, 01:30h
Aus der Perspektive des jungen Mädchens Merricat erleben wir die Geschehnisse auf einem alten Landsitz: Es ist nicht besonders schön, was dort vor sich geht, vielmehr deutet alles in Richtung Tod und Verderben. Doch können wir unserer Erzählerin wirklich trauen? Sie scheint ein sehr eigenwilliges Mädchen zu sein...
Warum, oh warum hat dieses Buch eigentlich noch kein Schwein verfilmt? "The Haunting of Hill House" war geil und die Verfilmung von Robert Wise ein Klassiker (zu meiner Einschätzung des Remakes mag sich der geneigte Leser eine Badewanne voller Erbrochenem vorstellen), aber in "We have always lived in the Castle" aus dem Jahr 1962 ging die liebenswert misanthropische Autorin noch einen ganzen Schritt weiter und läßt ihre sowohl psychopathische als auch sympathische Hauptfigur poetische Einschätzungen des Lebens absondern, die der Wahrheit schon ziemlich nahe kommen. Es ist alles schon ziemlich deprimierend und düster und für einen Popcorn-Film vollkommen untauglich. Aber es steckt viel, sehr viel Potenzial in dieser außergewöhnlichen Geschichte.
Warum, oh warum hat dieses Buch eigentlich noch kein Schwein verfilmt? "The Haunting of Hill House" war geil und die Verfilmung von Robert Wise ein Klassiker (zu meiner Einschätzung des Remakes mag sich der geneigte Leser eine Badewanne voller Erbrochenem vorstellen), aber in "We have always lived in the Castle" aus dem Jahr 1962 ging die liebenswert misanthropische Autorin noch einen ganzen Schritt weiter und läßt ihre sowohl psychopathische als auch sympathische Hauptfigur poetische Einschätzungen des Lebens absondern, die der Wahrheit schon ziemlich nahe kommen. Es ist alles schon ziemlich deprimierend und düster und für einen Popcorn-Film vollkommen untauglich. Aber es steckt viel, sehr viel Potenzial in dieser außergewöhnlichen Geschichte.
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Samstag, 3. Juli 2010
Enigma para Demônios
hypnosemaschinen, 01:55h
Brasilien 1975, Regie: Carlos Hugo Christensen

Eine junge Frau aus Buenos Aires reist zu Verwandten in einem kleinen Bergdorf in Brasilien. Dort wird sie mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, die bislang vor ihr geheimgehalten wurde. Bei einem Besuch des Grabs ihrer Mutter nimmt sie geistesabwesend eine Blume von einem anderen Grab an sich. Kurze Zeit später erhält sie merkwürdige Telefonanrufe, eine männliche Stimme fordert sie auf, die Blume, die sie gestohlen hat, zurückzubringen. Doch das Mädchen kann sie nirgendwo mehr finden...

Es gibt manchmal schon bemerkenswerte Zufälle: Vor knapp drei Monaten las ich zum ersten Mal die Kurzgeschichte „Mädchen, Blume, Telefon“ von Carlos Drummond de Andrade und ich war sehr begeistert, dann wurde mir zufällig dieser brasilianische Horrorfilm zugespielt und ich stellte erst viel später fest, daß es sich um eine Verfilmung ebenjener Erzählung handelt. Die literarische Vorlage erzielte ihre Wirkung durch eine sachliche Verknappung der Umstände, was freilich für einen abendfüllenden Film nicht ausgereicht hätte. So wurden hier noch einige, teilweise arg konventionell, teilweise reichlich bizarr wirkende Subplots eingewoben, was den nüchternen Impact der Geschichte etwas verwässert. Andererseits vermag der Film schon zu überzeugen, handelt es sich bei dem Regisseur doch auch um einen alten Hasen aus Argentinien, der 1939 seinen ersten Film dirigierte und in den 50ern für einige Arbeiten in Cannes und Berlin nominiert wurde. Verblüffend, wie in den Rückblenden konsequent die Kameraverkantung beibehalten wird, andererseits kommt das Zoom-Objektiv vielleicht ein wenig zu oft zum Einsatz. Dann aber wurde statt einem eigenem Score ausschließlich Musik von Jean Sibelius verwendet, was das Ganze auf eine weitere Art und Weise eigenwillig macht. Der Valse Triste kommt allerdings nicht vor, hätte aber auch ganz gut gepasst.


Eine junge Frau aus Buenos Aires reist zu Verwandten in einem kleinen Bergdorf in Brasilien. Dort wird sie mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, die bislang vor ihr geheimgehalten wurde. Bei einem Besuch des Grabs ihrer Mutter nimmt sie geistesabwesend eine Blume von einem anderen Grab an sich. Kurze Zeit später erhält sie merkwürdige Telefonanrufe, eine männliche Stimme fordert sie auf, die Blume, die sie gestohlen hat, zurückzubringen. Doch das Mädchen kann sie nirgendwo mehr finden...

Es gibt manchmal schon bemerkenswerte Zufälle: Vor knapp drei Monaten las ich zum ersten Mal die Kurzgeschichte „Mädchen, Blume, Telefon“ von Carlos Drummond de Andrade und ich war sehr begeistert, dann wurde mir zufällig dieser brasilianische Horrorfilm zugespielt und ich stellte erst viel später fest, daß es sich um eine Verfilmung ebenjener Erzählung handelt. Die literarische Vorlage erzielte ihre Wirkung durch eine sachliche Verknappung der Umstände, was freilich für einen abendfüllenden Film nicht ausgereicht hätte. So wurden hier noch einige, teilweise arg konventionell, teilweise reichlich bizarr wirkende Subplots eingewoben, was den nüchternen Impact der Geschichte etwas verwässert. Andererseits vermag der Film schon zu überzeugen, handelt es sich bei dem Regisseur doch auch um einen alten Hasen aus Argentinien, der 1939 seinen ersten Film dirigierte und in den 50ern für einige Arbeiten in Cannes und Berlin nominiert wurde. Verblüffend, wie in den Rückblenden konsequent die Kameraverkantung beibehalten wird, andererseits kommt das Zoom-Objektiv vielleicht ein wenig zu oft zum Einsatz. Dann aber wurde statt einem eigenem Score ausschließlich Musik von Jean Sibelius verwendet, was das Ganze auf eine weitere Art und Weise eigenwillig macht. Der Valse Triste kommt allerdings nicht vor, hätte aber auch ganz gut gepasst.

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