Montag, 26. Juli 2010
Veld
Sowjetunion 1987, Regie: Nazim Tulyakhodzayev



In einer unbestimmten Zukunft: Michael und Linda sind etwas besorgt wegen des neuen Spielzeugs ihrer Kinder – ein virtueller Raum, in dem mittels Fernsehwänden abenteuerliche Realitäten geschaffen werden können. Besonders die afrikanische Steppe mit ihren Raubtieren scheint es den Kleinen angetan zu haben und dann und wann wird das Ehepaar nachts von Löwengebrüll aus dem Schlaf gebracht. Auf den Straßen graviert derweil eine neue Seuche: Geliebte Tote kehren zu ihren Familien zurück, werden aber von Einsatzkommandos der Regierung in Schutzanzügen erneut totgeschlagen und in gepanzerte Container verfrachtet...



Wow. Diese eigenwillige Verfilmung mehrerer Erzählungen aus der Feder von Ray Bradbury kippt deren zuweilen optimistisch-sentimentale Haltung komplett über Bord zugunsten einer universellen Bitterkeit. Vortrefflich fotografiert in beeindruckenden, trostlosen Locations und von einem atmosphärischem Score begleitet, taumelt der Film zwischen Horror und Science-Fiction und ist zugleich sowohl politische als auch philosophische Parabel. Das im gequetschten Bildformat verwendete Stock Footage bei einigen Szenen fällt zwar ein wenig unangenehm auf, aber übrig bleibt immer noch ein verdammt origineller, beeindruckender Film. Tulyakhodzayev bearbeitete bereits 1984 in dem animierten Kurzfilm There will come soft rains einen Stoff von Ray Bradbury, mit The Thirteenth Apostle entstand ein Jahr später eine weitere düstere Adaption in der Sowjetunion, bei der aber für meinen Geschmack der philosophische Aspekt etwas zu stark im Vordergrund stand.

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Samstag, 24. Juli 2010
Garden Variety
Letztens noch mal aus dem Plattenschrank gefallen: Die beiden Alben von 1993 und 1994, wobei mir wieder aufgefallen ist, was für eine tolle Band das war, eingängige Songs mit fein krachigen Gitarren-Instrumentalparts. Die haben so viele gute Lieder, daß es mir schwer fiel, mich für einen Clip zu entscheiden, bescheidene Qualität hatten die naturgemäß alle. Sänger/Bassist Anthony Roman ist jetzt bei Radio 4, die um einiges britischer klingen. Eine Etikettierung des Stils seiner früheren Band erspare ich mir, hören Sie einfach selbst:

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Dienstag, 20. Juli 2010
The Little Apocalypse
Küçük kiyamet, Türkei 2006, Regie: Durul & Yagmur Taylan



Bilge möchte mit ihrer Familie in Urlaub fahren, und da ihre Schwester gerade eine Ausstellung vorbereitet und im Stress ist, nimmt sie deren Kinder gleich mit. Am Tag vor der Abreise erschüttert ein Erdbeben Istanbul, doch man kommt unverletzt davon und macht sich auf den Weg. Das Ferienhaus, der Hausmeister und die angrenzenden Dorfbewohner machen jedoch einen sehr seltsamen Eindruck, ebenfalls häufen sich merkwürdige Ereignisse...



Dem erfahrenen Horrorfilmzuschauer dürfte schon recht bald klar sein, wo die Reise eigentlich hingeht, macht aber nichts, da der Film, vielleicht von dem ein oder anderen Klischee abgesehen, eher Wert auf Stimmung und Atmosphäre legt. Dank einer exzellenten Fotografie und einem zurückhaltendem Score gelingt dies auch: Man kann die flirrende Hitze am Urlaubsort förmlich spüren, aber ebenso das lauernde Unheil. Es ist dem Film auch hoch anzurechnen, daß er diese Vorgehensweise niemals für billige Schocks aufgibt, er wird vielmehr immer elegischer, wobei das letzte Drittel mich schon stark an Donnie Darko erinnert hat, aber das ist ja durchaus kein schlechtes Vorbild.

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