... newer stories
Sonntag, 12. September 2010
The Afterman
hypnosemaschinen, 07:41h
Belgien 1985, Regie: Rob Van Eyck
Ein Mann sitzt in einem Zimmer, überwacht mehrere Computer und schaut dokumentarisches Footage aus dem zweiten Weltkrieg. Dann und wann geht er auch mal in den Kühlraum, um die dort aufbewahrte Leiche seiner Geliebten zu begatten, trotz zunehmenden Madenbefalls. Plötzlich verkünden die Computer die Notwendigkeit der Evakuierung und der Mann erwacht in einem unwirtlichen Steinbruch. Die Freude, dort auch andere Überlebende vorzufinden, ist nur von kurzer Dauer, wird er von diesen doch anal vergewaltigt. Die Menschen sind Tiere geworden und folgen nur noch ihren Trieben, worunter vor allem die Frauen zu leiden haben, die größtenteils als Sexsklavinnen gehalten werden. Es gelingt unserem Protagonisten, eine dieser Sklavinnen zu befreien, und so ziehen sie zu zweit durch das zerstörte Land...
Was seltene und unbekannte Filme betrifft, gibt es so einige Abstufungen. Zum einen international vermarktete Genre-Kleinode, an die sich niemand mehr so richtig erinnert. Dann gibt es Filme, die nur in ihrem Herkunftsland aufgeführt und zur Kenntnis genommen wurden. Das letzte Level der Obskurität bieten Filme wie dieser hier, der zu seiner Entstehungszeit keinen Verleih fand und nirgendwo aufgeführt wurde, bis die Macher vor kurzer Zeit eine DVD veröffentlichten. Diese Produktion würde sich wohl auch heute noch schwer verkaufen lassen, passt die Mischung aus postapokalyptischen Drama, Sexploitation, beißender Sozialkritik, Splatter und Liebesfilm doch in keinerlei Schublade. Zudem wird hier gänzlich auf Dialoge verzichtet, der Mensch ist komplett zum Tier geworden und gibt in einer kalten, sterbenden Umgebung nur noch grunzende Laute von sich. Die Sexszenen sind teilweise etwas lang geraten und auch die häufigen Schwarzblenden nerven ein wenig, ansonsten ist dies aber ein höchst eigenwilliger und sehenswerter Film.

Ein Mann sitzt in einem Zimmer, überwacht mehrere Computer und schaut dokumentarisches Footage aus dem zweiten Weltkrieg. Dann und wann geht er auch mal in den Kühlraum, um die dort aufbewahrte Leiche seiner Geliebten zu begatten, trotz zunehmenden Madenbefalls. Plötzlich verkünden die Computer die Notwendigkeit der Evakuierung und der Mann erwacht in einem unwirtlichen Steinbruch. Die Freude, dort auch andere Überlebende vorzufinden, ist nur von kurzer Dauer, wird er von diesen doch anal vergewaltigt. Die Menschen sind Tiere geworden und folgen nur noch ihren Trieben, worunter vor allem die Frauen zu leiden haben, die größtenteils als Sexsklavinnen gehalten werden. Es gelingt unserem Protagonisten, eine dieser Sklavinnen zu befreien, und so ziehen sie zu zweit durch das zerstörte Land...
Was seltene und unbekannte Filme betrifft, gibt es so einige Abstufungen. Zum einen international vermarktete Genre-Kleinode, an die sich niemand mehr so richtig erinnert. Dann gibt es Filme, die nur in ihrem Herkunftsland aufgeführt und zur Kenntnis genommen wurden. Das letzte Level der Obskurität bieten Filme wie dieser hier, der zu seiner Entstehungszeit keinen Verleih fand und nirgendwo aufgeführt wurde, bis die Macher vor kurzer Zeit eine DVD veröffentlichten. Diese Produktion würde sich wohl auch heute noch schwer verkaufen lassen, passt die Mischung aus postapokalyptischen Drama, Sexploitation, beißender Sozialkritik, Splatter und Liebesfilm doch in keinerlei Schublade. Zudem wird hier gänzlich auf Dialoge verzichtet, der Mensch ist komplett zum Tier geworden und gibt in einer kalten, sterbenden Umgebung nur noch grunzende Laute von sich. Die Sexszenen sind teilweise etwas lang geraten und auch die häufigen Schwarzblenden nerven ein wenig, ansonsten ist dies aber ein höchst eigenwilliger und sehenswerter Film.

... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 11. September 2010
Newtown Neurotics
hypnosemaschinen, 05:12h
Die zweite (je nach Definition und Zeitmessung bereits die dritte) Generation von Punkrock-Bands auf der britischen Insel Anfang der 80er bestand aus einem bunten Haufen Individualisten, man konnte mit Wattie von den EXPLOITED "Sex and Violence" gröhlen, zusammen mit CRASS atonalem Noiserock fröhnen und Flugblätter verteilen oder auf Platten von CHRON GEN erste szenekritische Äußerungen vorfinden. Dann gab es da noch die NEWTOWN NEUROTICS, die in ihren Songs engagiert politische Texte mit unglaublich eingängigen Melodien verbanden, weswegen ich mir deren Platten auch öfter anhöre als die der anderen genannten Bands mit etwas höherem Bekanntheitsgrad.
... link (0 Kommentare) ... comment
Freitag, 10. September 2010
The Face of Another
hypnosemaschinen, 03:55h
Tanin no kao, Japan 1966, Regie: Hiroshi Teshigahara

Die Ähnlichkeit des Plots zu dem im gleichen Jahr entstandenem Seconds ist verblüffend, genau wie der Umstand, daß beide Filme jeweils auf ebenso gleichzeitig entstandenen Romanen von David Ely bzw. Kobo Abe basieren. Und hier haben wir wieder einen so reichen Film, der Stoff für einige Essays bieten würde, wenn ich nicht so faul wäre. Ein direkter Vergleich mit dem Frankenheimer-Film wäre z.B. eine äußerst fruchtbare Angelegenheit. Dabei würde wohl herauskommen, daß die beiden Filme sich in ihrer bizarren Bildsprache relativ ähnlich sind. Kameraverkantungen galore, aber wo Frankenheimer das Weitwinkelobjektiv herausholt, setzt Teshigahara auf Freeze Frames. Wo der Ami zu überdimensionierten Sets und Technik-Props bei der Verwandlungsszene greift, nimmt der Japaner die minimalistische Variante und Handarbeit. Aber genug zu diesem Vergleich. Der Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai zieht alle Register und wirkt immens glaubwürdig, obwohl er in der ersten Hälfte des Verbandes wegen nur seine Augen als Ausdrucksmittel gebrauchen kann, in der zweiten Hälfte der Sonnenbrille wegen nur den Rest des Gesichts. Nicht einordnen kann ich die vielen Verweise auf unsere abendländische Kultur und Geschichte, angefangen beim Walzer auf dem Score, über die leise zu hörende Hitler-Rede bei den Kamerafahrten durch eine Irrenanstalt und den Szenen im Tokyoter Hofbräuhaus bis zu dem deutschen Lied „Wo bist du von gestern“, das eine Japanerin ala Kurt Weill vorträgt, die Tatsache ignorierend, daß sie von einer Akkordeonverseuchten Bierzeltkapelle begleitet wird.

Vollgestopft mit grandiosen inszenatorischen Einfällen erzählt der Film in der ersten Hälfte hauptsächlich die Frankensteineske Geschichte eines Mannes, der aufgrund eines Unfalls so lange von seiner Umwelt als Monster wahrgenommen wird, bis er schließlich selber eines wird. Nach gelungener Operation schiebt sich der Jekyll/Hyde-Gedanke, als anonyme neue Person endlich die unterdrückten Triebe ausleben zu können, mehr in den Vordergrund. Doch die pathetischen Möglichkeiten, die diese Konstellation bietet, werden prosaisch heruntergespielt, bis es zu einem wirklich verstörenden Finale kommt. Obwohl dieser Film eine wahre Goldgrube an inszenatorischen Einfällen ist, scheint Teshigaharas Stil bei weniger komplexen Inhalten besser zu funktionieren: Face of Another ist sicherlich ein großartiger Film, aber gefühlsmäßig hat mich Woman in the Dunes noch wesentlich mehr beeindruckt.


Die Ähnlichkeit des Plots zu dem im gleichen Jahr entstandenem Seconds ist verblüffend, genau wie der Umstand, daß beide Filme jeweils auf ebenso gleichzeitig entstandenen Romanen von David Ely bzw. Kobo Abe basieren. Und hier haben wir wieder einen so reichen Film, der Stoff für einige Essays bieten würde, wenn ich nicht so faul wäre. Ein direkter Vergleich mit dem Frankenheimer-Film wäre z.B. eine äußerst fruchtbare Angelegenheit. Dabei würde wohl herauskommen, daß die beiden Filme sich in ihrer bizarren Bildsprache relativ ähnlich sind. Kameraverkantungen galore, aber wo Frankenheimer das Weitwinkelobjektiv herausholt, setzt Teshigahara auf Freeze Frames. Wo der Ami zu überdimensionierten Sets und Technik-Props bei der Verwandlungsszene greift, nimmt der Japaner die minimalistische Variante und Handarbeit. Aber genug zu diesem Vergleich. Der Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai zieht alle Register und wirkt immens glaubwürdig, obwohl er in der ersten Hälfte des Verbandes wegen nur seine Augen als Ausdrucksmittel gebrauchen kann, in der zweiten Hälfte der Sonnenbrille wegen nur den Rest des Gesichts. Nicht einordnen kann ich die vielen Verweise auf unsere abendländische Kultur und Geschichte, angefangen beim Walzer auf dem Score, über die leise zu hörende Hitler-Rede bei den Kamerafahrten durch eine Irrenanstalt und den Szenen im Tokyoter Hofbräuhaus bis zu dem deutschen Lied „Wo bist du von gestern“, das eine Japanerin ala Kurt Weill vorträgt, die Tatsache ignorierend, daß sie von einer Akkordeonverseuchten Bierzeltkapelle begleitet wird.

Vollgestopft mit grandiosen inszenatorischen Einfällen erzählt der Film in der ersten Hälfte hauptsächlich die Frankensteineske Geschichte eines Mannes, der aufgrund eines Unfalls so lange von seiner Umwelt als Monster wahrgenommen wird, bis er schließlich selber eines wird. Nach gelungener Operation schiebt sich der Jekyll/Hyde-Gedanke, als anonyme neue Person endlich die unterdrückten Triebe ausleben zu können, mehr in den Vordergrund. Doch die pathetischen Möglichkeiten, die diese Konstellation bietet, werden prosaisch heruntergespielt, bis es zu einem wirklich verstörenden Finale kommt. Obwohl dieser Film eine wahre Goldgrube an inszenatorischen Einfällen ist, scheint Teshigaharas Stil bei weniger komplexen Inhalten besser zu funktionieren: Face of Another ist sicherlich ein großartiger Film, aber gefühlsmäßig hat mich Woman in the Dunes noch wesentlich mehr beeindruckt.

... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories