Dienstag, 23. November 2010
Cazador de demonios
Demon Hunter, Mexiko 1983, Regie: Gilberto de Anda



Der Bauer Turrubiates ist nicht erfreut, als er bei der Niederkunft seiner Frau den Magier Tobias in seiner Hütte erblickt, der über der Schwangeren gerade ein schwarzes Huhn schlachtet. Er schmeißt ihn raus und droht, sollte seiner Frau oder seinem Sohn irgendetwas widerfahren, würde er ihn töten. In der Tat wird das Kind tot geboren und der junge Bauer erschlägt Tobias. Dessen Leichnam fängt bei der Beerdigung an zu bluten, und die Leute im Dorf raten dem Totschläger, den Zauberer mit einem heiligen Dolch erneut zu ermorden. Doch dies gelingt nicht ganz, stattdessen häufen sich Todesfälle im Dorf. Der Dorfsheriff und Dorfarzt versuchen, einen Bären dafür verantwortlich zu machen und erhalten unerwartete Unterstützung vom Dorfpfarrer, der aber ein teuflisches Wesen als Urheber der schlimmen Geschehnisse vermutet, genauer einen "Nahual", den bösen Geist eines Schamanen...



Ach du lieber Himmel, wo soll ich hier bloß anfangen? Ein Film wie ein Wechselbad, bei dem sich tolle Momente ständig mit eher ungeschickten Ideen abwechseln. Zunächst mal gibt es hier einen deutlichen Overkill an Comic Relief, der tolpatschige dicke Polizist hätte schon gereicht, aber es gibt noch zwei weitere Dorfdeppen, die beim Spannen in Pfützen fallen und von ihrem Chef gesagt bekommen, sie sollen "abhauen und irgendwelche Katzenärsche ficken" - gut, diese Redewendung hatte ich zumindest noch nie gehört. Zunächst dachte ich auch, der Pfarrer sei ein komisches Element, schlägt er doch bei seinem ersten Auftritt während einer Predigt vor, sämtliche Kommunisten, Trinker und Ungläubigen aus dem Dorf zu treiben, womit nur noch die sieben Männlein, die gerade bei ihm in der Kirche sitzen, übrig wären. Aber er wird dann im Verlauf des Films doch zum Märtyrerhelden und übrigens von Tito Junco gespielt, den man auch in einigen der mexikanischen Buñuel-Filme zu sehen bekam, und der die Fertigstellung dieses Werks nicht mehr erlebte. War es besser so? Ich bin mir nicht sicher, denn der Film hat durchaus auch starke Seiten. Er wirkt ein wenig wie die Zusammenfassung des kompletten Horrorgenres mit aufgebrachten Dorfbewohnern nebst Fackeln auf der einen Seite, und Anspielungen auf The Exorcist andererseits. Wundert man sich gerade noch über einen für das Entstehungsjahr herrlich altmodisch inszenierten Gruselmoment, kommt im nächsten dann doch ein Splattereffekt. Und das alles mit einer total eigenen, mexikanischen Note. Ich war schon hin- und hergerissen genug, aber als dann im letzten Drittel der Schauplatz des Geschehens in die Ruinen einer Geisterstadt verlagert wird, deren Einwohner während der Revolution allesamt hingerichtet wurden, gibt es dann plötzlich auch noch richtig tolle Bildkompositionen und Atmosphäre. Nun, man kann dem Film Schwächen im Drehbuch, der Figurenzeichnung, den Dialogen und den Spezialeffekten vorwerfen, aber langweilig ist der ganz bestimmt nicht.





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Samstag, 20. November 2010
Spermbirds @ AZ Aachen, 18.11.2010
Ei ei ei, Konzert unter der Woche, aber hey: Spermbirds! Im AZ! Da kann man selbst als arbeitender Teil der Gesellschaft nicht widerstehen. Wie erwartet, traf man dann einige Leute, die man schon seit den 80ern kennt, und sie hatten alle so ein eigentümliches Leuchten in den Augen. Offiziell war keine Vorgruppe angekündigt, aber es spielten trotzdem BE A GENIUS aus Köln und nach anfänglichem "Och nö, nich noch ne Vorband, muß morgen arbeiten gehen"-Genöle stellte sich heraus, daß die richtig geil waren mit einem an DISCHORD-Bands des aktuellen Jahrtausends wie BLUETIP erinnernden Sound irgendwo zwischen Emocore und Noiserock. Zudem kam mir der Schlagzeuger extrem bekannt vor, denn er ist wohl auch der Sänger von TRAPSET, mit denen wir hier zusammen aufgetreten sind. Der freundliche Tommo schenkte mir dann auch noch eine CD, da er noch in zwei weiteren Bands außer den bereits erwähnten aktiv ist. Dankeschön!

Anschließend wartete man auf die Herren aus Kaiserslautern, für die man eigentlich gekommen war, und geriet in eine Art Zeitmaschine. Die sind immer noch (oder: wieder) so geil wie in den späten 80ern, als ich sie zuletzt live gesehen hatte. Ein eingängiger Hardcore-Hit jagt den nächsten, und technische Probleme werden von Lee und Beppo mit humorvollen Kommentaren überbrückt. Die Jungens haben sichtbar Spaß und nach dem Konzert trifft man sie an der Theke wieder, was ich direkt ausgenutzt habe und den freundlichen Beppo mit einem Wortschwall bezüglich 80er Jahre-Tapesampler vollgetextet habe. Die getrunkenen Biere dürften dann auch dafür verantwortlich sein, daß ich am nächsten Tag nicht pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen konnte. Are you growing up or giving up? Weder noch. Dankeschön!

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Donnerstag, 18. November 2010
The Night God Screamed
USA 1971, Regie: Lee Madden



Fanny Pierce ist mit einem Prediger verheiratet, und so sehr sie ihren Mann liebt, wird sie von seiner Unstetigkeit langsam ermüdet. Statt sich irgendwo in Ruhe niederzulassen und die Leute zu bekehren, juckt es ihn immer wieder in neue Gegenden, um quasi nochmal komplett neu anzufangen. Diese Sorgen geraten aber ins Hintertreffen, als die beiden auf eine Gruppe jugendlicher Jesus-Freaks trifft, die die Bibel sehr frei auszulegen scheinen und etwas unheimlich wirken...



Beim regelmäßigen Durchblättern von Michael J. Weldons Psychotronic Encyclopedia bin ich öfters bei diesem Film hängengeblieben, auch wegen seines bemerkenswerten Titels. Jetzt konnte ich ihn endlich mal sehen, und es hat sich gelohnt. Anders als viele der nach Manson entstandenen "Hippiebande terrorisiert unbescholtene Bürger"-Streifen liefert der Plot hier unerwartete Schlenker, die zwar auch auf bekanntes Terrain führen, ich aber keineswegs erwartet hatte. Dann ist da noch die Hippiebande selbst, die neben dem Kiffen auch viel betet und deren Anführer - vielleicht bis auf die zusammengewachsenen Augenbrauen - tatsächlich aussieht wie Jesus. Die christlichen Sakramente werden von der Gruppe allerdings relativ frei ausgelegt, und teilweise ins Gegenteil verkehrt, was dem ganzen eine hübsch subversive Note verleiht. Jeanne Crain, die sich in den 70ern wie viele Stars der 40er und 50er in einem Horrorfilm wiederfand, ist immer noch sehr schön und hält mit ihrer Professionalität und Leinwandpräsenz die etwas disparaten Teile des Films zusammen. Doch, das kann sich alles durchaus sehen lassen und könnte ruhig mal aus der Obskurität gehoben werden, am liebsten mit einer neuen Abtastung, denn auf der kanadischen VHS kann man in den Nachtszenen mal überhaupt nichts erkennen.

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