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Freitag, 3. Dezember 2010
Jonathan Carroll: Schlaf in den Flammen
hypnosemaschinen, 00:43h
Als schon seit längerem in Wien lebender Amerikaner ist Carroll ein wenig the best of both worlds, einerseits kulturhistorisch bestens mit der alten Welt vertraut, andererseits von einer kalifornischen Unbeschwertheit. Hier läßt er sogar eine Figur ein Meat Puppets-T-Shirt tragen, und der Roman stammt von 1988, also lange vor Majorlabeldeals und Nirvana-Coverversionen. Auch sein Stil ist äußerst angenehm und der Plot setzt sich hier, wie auch in den anderen Büchern, die ich bislang von ihm gelesen habe, angenehm zwischen alle Stühle. Es ist phantastische Literatur, aber nicht explizit Horror, nicht explizit Fantasy, nicht explizit Science-Fiction, sondern von allem etwas, gepaart mit einer präzisen Beobachtungsgabe und einem oft ironischen Blick auf den derzeitigen Zustand des Menschen.
Das war jetzt alles sehr vage und allgemein, um mal auf diesen konkreten Roman einzugehen: Hier geht es um einen in Wien gestrandeten amerikanischen Schauspieler und Drehbuchautor (klar, definitiv autobiographisch - Carroll schrieb übrigens auch das Drehbuch zu Patzaks Der Joker mit Maffay), der in der österreichischen Hauptstadt nicht nur einige merkwürdige Träume hat, sondern zufällig auch auf das Grab einer Person stößt, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Zeitgleich verliebt er sich auch noch in die Bekannte eines Freundes, die vor ihrem gewalttätigen Ex aus München nach Wien flieht und durch ihre Ankunft die rätselhaften Ereignisse noch potenziert. Die kalifornische Reinkarnations-Episode mit ihrem Esoterik-Blabla störte mich ein wenig, machte aber bald wieder originelleren Ideen Platz. Sympathischer Autor, sympathisches Buch. Das etwas elegischer ausgefallenere "Die Stimme unseres Schattens" hat mir allerdings noch ein Stück besser gefallen.
Das war jetzt alles sehr vage und allgemein, um mal auf diesen konkreten Roman einzugehen: Hier geht es um einen in Wien gestrandeten amerikanischen Schauspieler und Drehbuchautor (klar, definitiv autobiographisch - Carroll schrieb übrigens auch das Drehbuch zu Patzaks Der Joker mit Maffay), der in der österreichischen Hauptstadt nicht nur einige merkwürdige Träume hat, sondern zufällig auch auf das Grab einer Person stößt, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Zeitgleich verliebt er sich auch noch in die Bekannte eines Freundes, die vor ihrem gewalttätigen Ex aus München nach Wien flieht und durch ihre Ankunft die rätselhaften Ereignisse noch potenziert. Die kalifornische Reinkarnations-Episode mit ihrem Esoterik-Blabla störte mich ein wenig, machte aber bald wieder originelleren Ideen Platz. Sympathischer Autor, sympathisches Buch. Das etwas elegischer ausgefallenere "Die Stimme unseres Schattens" hat mir allerdings noch ein Stück besser gefallen.
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Samstag, 27. November 2010
What We Do Is Secret
hypnosemaschinen, 02:25h
USA 2007, Regie: Rodger Grossman

THE GERMS waren eine der ersten Punkrock-Bands in der Szene von Los Angeles. Anders als die Kollegen gingen sie aber nicht den üblichen Weg, nach Bandgründung zunächst einmal eine Zeit im Proberaum zu verbringen, sondern sie traten bereits auf und veröffentlichten eine Single, als gerade mal der Gitarrist so halbwegs was spielen konnte. Wettgemacht wurde das durch die unvorhersehbare Bühnenshow des Sängers Darby Crash, die nicht selten in Schlägereien endete, und Fluch und Segen gleichzeitig werden sollte. Einerseits war die ganze Stadt heiß darauf, die provozierende Band zu sehen, andererseits bekamen sie in einem Club nach dem anderen Hausverbot und Darby griff zum Heroin, um die Schmerzen während der Performances ertragen zu können. Musikalisch entwickelte man sich dabei weiter und nahm schließlich ein Album auf, das zurecht Klassikerstatus besitzt. Persönlich driftete man aber immer mehr auseinander, es kommt zur Auflösung, kurz darauf aber wieder zu einer gefeierten Reunion. Am 7. Dezember 1980 nimmt sich Darby Crash mit einer Heroin-Überdosis das Leben, was kaum jemand mitbekommt, da am nächsten Tag John Lennon erschossen wird...

Ich bin mal wieder äußerst zwiegespalten. Ja, es ist gut, daß es einen Film über Darby Crash und die GERMS gibt und die Hauptdarsteller sind allesamt vollkommen überzeugend. Das Problem ist die Inszenierung des Ganzen: Das sieht alles so nach Schema F der toten Rock'n'Roller-Huldigung aus und biedert sich an den Massengeschmack an, was zu einer so konsequent gegen den Strich gebürsteten Band wie den Germs nun überhaupt nicht passen will. Die Macher scheinen auch nicht wirklich mit der damaligen LA-Szene vertraut gewesen zu sein, die sich in authentischen Dokumenten wie Penelope Spheeris' (die sogar kurz im Film auftaucht) Decline of the Western Civilization wesentlich rauher und dreckiger präsentiert und hier ein wenig wirkt, als wäre sie durch einen MTV-Ästhetik-Filter gelaufen. Immerhin, im Abspann wird Pat Fear von White Flag als "Punk Technical Advisor" genannt, ein Mann, der sicherlich Ahnung hat, aber es wäre zu Wünschen gewesen, der Regisseur wäre selbst mal auf einem Punkrock-Konzert der gefährlicheren Sorte gewesen, denn so hat man den Eindruck, er hat dergleichen nur auf youtube gesehen.

Ein weiteres Problem, das ich aber scheinbar mit sämtlichen Biopics über verstorbene Musiker habe, ist wohl, daß der Anteil des Toten an dem Erfolg einer Band reichlich übertrieben wird. Sicherlich waren Darbys Texte außergewöhnlich, aber auch das bekloppte Schlagzeug von Don Bolles und Pat Smears ebenso rotziges wie präzises Gitarrenspiel haben den einzigartigen Germs-Sound geprägt. Letzterer stieg ja 1993 als zweiter Gitarrist bei NIRVANA ein und sah sich - Ironie des Schicksals - kurze Zeit später erneut im Schatten eines Toten. Fazit: Es ist schon gut, daß es diesen Film gibt, er hätte nur etwas besser sein können. Aber solange er dazu führt, daß junge Menschen auf die alten Punkbands aufmerksam werden, soll mir das schon recht sein. Nur müßte man denen auch gleich mitgeben, daß THE DAMNED eigentlich auch ganz anders waren als die dicken Clowns, von denen sie hier gespielt werden.


THE GERMS waren eine der ersten Punkrock-Bands in der Szene von Los Angeles. Anders als die Kollegen gingen sie aber nicht den üblichen Weg, nach Bandgründung zunächst einmal eine Zeit im Proberaum zu verbringen, sondern sie traten bereits auf und veröffentlichten eine Single, als gerade mal der Gitarrist so halbwegs was spielen konnte. Wettgemacht wurde das durch die unvorhersehbare Bühnenshow des Sängers Darby Crash, die nicht selten in Schlägereien endete, und Fluch und Segen gleichzeitig werden sollte. Einerseits war die ganze Stadt heiß darauf, die provozierende Band zu sehen, andererseits bekamen sie in einem Club nach dem anderen Hausverbot und Darby griff zum Heroin, um die Schmerzen während der Performances ertragen zu können. Musikalisch entwickelte man sich dabei weiter und nahm schließlich ein Album auf, das zurecht Klassikerstatus besitzt. Persönlich driftete man aber immer mehr auseinander, es kommt zur Auflösung, kurz darauf aber wieder zu einer gefeierten Reunion. Am 7. Dezember 1980 nimmt sich Darby Crash mit einer Heroin-Überdosis das Leben, was kaum jemand mitbekommt, da am nächsten Tag John Lennon erschossen wird...

Ich bin mal wieder äußerst zwiegespalten. Ja, es ist gut, daß es einen Film über Darby Crash und die GERMS gibt und die Hauptdarsteller sind allesamt vollkommen überzeugend. Das Problem ist die Inszenierung des Ganzen: Das sieht alles so nach Schema F der toten Rock'n'Roller-Huldigung aus und biedert sich an den Massengeschmack an, was zu einer so konsequent gegen den Strich gebürsteten Band wie den Germs nun überhaupt nicht passen will. Die Macher scheinen auch nicht wirklich mit der damaligen LA-Szene vertraut gewesen zu sein, die sich in authentischen Dokumenten wie Penelope Spheeris' (die sogar kurz im Film auftaucht) Decline of the Western Civilization wesentlich rauher und dreckiger präsentiert und hier ein wenig wirkt, als wäre sie durch einen MTV-Ästhetik-Filter gelaufen. Immerhin, im Abspann wird Pat Fear von White Flag als "Punk Technical Advisor" genannt, ein Mann, der sicherlich Ahnung hat, aber es wäre zu Wünschen gewesen, der Regisseur wäre selbst mal auf einem Punkrock-Konzert der gefährlicheren Sorte gewesen, denn so hat man den Eindruck, er hat dergleichen nur auf youtube gesehen.

Ein weiteres Problem, das ich aber scheinbar mit sämtlichen Biopics über verstorbene Musiker habe, ist wohl, daß der Anteil des Toten an dem Erfolg einer Band reichlich übertrieben wird. Sicherlich waren Darbys Texte außergewöhnlich, aber auch das bekloppte Schlagzeug von Don Bolles und Pat Smears ebenso rotziges wie präzises Gitarrenspiel haben den einzigartigen Germs-Sound geprägt. Letzterer stieg ja 1993 als zweiter Gitarrist bei NIRVANA ein und sah sich - Ironie des Schicksals - kurze Zeit später erneut im Schatten eines Toten. Fazit: Es ist schon gut, daß es diesen Film gibt, er hätte nur etwas besser sein können. Aber solange er dazu führt, daß junge Menschen auf die alten Punkbands aufmerksam werden, soll mir das schon recht sein. Nur müßte man denen auch gleich mitgeben, daß THE DAMNED eigentlich auch ganz anders waren als die dicken Clowns, von denen sie hier gespielt werden.

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Mittwoch, 24. November 2010
Bye bye, Ingrid!
hypnosemaschinen, 01:44h
Gestern verstarb Ingrid Pitt, eine der wenigen weiblichen Horrorfilmstars. Das Konzentrationslager und eine schwere Krebserkrankung hat sie überlebt, nun führte scheinbar ein Herzanfall zu ihrem Tod im Alter von 73 Jahren. Ich traf Frau Pitt vor einigen Jahren auf einer Filmbörse in Heerlen und sah mich einer freundlichen, sympathischen, vor allem aber äußerst humorvollen Dame gegenüber. Die Fähigkeit, auch über sich selbst und die eigenen Fehler Witze machen zu können, läßt sich auch deutlich in ihrer lesenswerten Autobiographie nachlesen. Möge sie in Frieden ruhen! Ich hätte allerdings auch nichts dagegen, wenn sie, wie in ihrer bekanntesten Rolle, noch einmal wiederkommt...
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