Samstag, 1. Dezember 2012
Clash
Frankreich/Kroatien 1984, Regie: Raphaël Delpard



Martine ist in den reichen halbseidenen Geschäftsmann Bé Schmuller verliebt und hilft ihm gern dabei, etwaiges Schwarzgeld über die Grenze zu transportieren. Das hat Herr Schmuller schon alles ganz genau geplant, und Martine braucht sich mit der Kohle nur ein paar Tage in einem vorher ausgesuchtem Versteck aufzuhalten, und dem ewigen Glück und Wohlstand steht nichts mehr im Wege. Nur ist das Versteck eine stillgelegte Fabrik, in der einst Schaufensterpuppen hergestellt wurden, und es passieren dort äußerst merkwürdige Dinge...



Schon vor Martines Ankunft in der merkwürdigen Fabrik schlägt der Film einen sehr abseitigen Ton an, und was folgt ist eher eine Aneinanderreihung surrealer Sequenzen denn das Verfolgen eines herkömmlichen Plots. Das wird auf Dauer schon ein wenig fad und ich habe mir dann und wann gewünscht, der Film würde auch mal kurz innehalten und mit den Füßen auf den Boden zurückkommen, was aber immer nur für kurze Momente passiert. Des Regisseurs früherer La nuit de la mort hat mir da besser gefallen, der zwar einer konventionelleren Erzählstruktur folgt, aber nicht mit eigentümlicher Atmosphäre geizt.



Dennoch bietet Clash zahlreiche wundervoll merkwürdige Ideen, die meist auch visuell äußerst ansprechend umgesetzt wurden. Besonders wäre da eine wunderbare Überblendung zu einer Traumsequenz zu nennen, die ich in dieser Form nur selten so hübsch ausgeführt gesehen habe. Für Freunde des Bizarren also unbedingt einen Blick wert. Interessant wäre noch, herauszufinden, ob sich Delpard evtl. vom Sanatorium zur Todesanzeige inspirieren liess, denn einige Motive (die Protagonistin begegnet sich selbst als Kind, der Raum voller Mannequins) scheinen sich hier zu überschneiden.



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Donnerstag, 22. November 2012
La strega in amore
Hexe der Liebe, Italien 1966, Regie: Damiano Damiani



Der notorische Schürzenjäger Sergio wundert sich über eine alte Frau, die er immer öfter im Park vor seinem Fenster sieht und die ihm auch sonst ständig in der Stadt begegnet. Als er eine merkwürdige Stellenanzeige in der Zeitung entdeckt, die so spezifisch formuliert ist, daß sie nur auf ihn zutreffen kann, stellt er fest, daß jene alte Dame sie in Auftrag gegeben hat. Sie möchte, daß er in ihrer Bibliothek die Manuskripte ihres verstorbenen Mannes sortiert und bietet ihm dafür einen guten Lohn an. Er hat dazu zunächst keine wirkliche Lust, was sich aber ändert, als er Aura, der wunderschönen Tochter seiner potenziellen Arbeitgeberin begegnet...



Überprächtige Adaption von Carlos Fuentes' Novelle "Aura", die voller Erotik knistert und zahlreiche kleine, verstörende Momente einbaut, die ich so liebe. Als erfahrener Genrezuschauer hat man zwar schon bald eine Ahnung, was es mit dem Geheimnis um Aura auf sich haben könnte, aber dieses klassische Motiv wird hier um weitere phantastische Elemente erweitert, die die Unheimlichkeit des Stoffes noch potenzieren - als würde Roger Caillois' "Riss in der Wirklichkeit" als Beschreibung des Phantastischen nur den Blick auf einen weiteren Riss freilegen.



Alles an diesem Film ist großartig - die Darsteller, die Kameraarbeit, die Musik und dann noch diese Location, ein halb verfallener Palast mitten in Rom. Zum Spannungsaufbau werden dem Gothic-Ambiente noch ein paar Psychothriller-Elemente hinzugegeben und während ich bei vielen Filmen eindeutig eine Lieblingssequenz benennen kann, fällt das hier schwer, denn es gibt derer gleich mehrere und alle sind völlig unterschiedlicher Natur. Carlos Fuentes soll die Adaption nicht gefallen haben und er wünschte sich wohl, Luis Buñuel oder Carlos Saura würden sich des Stoffes annehmen und ein besseres Resultat abliefern. Nun, manchmal sind Autoren auch nur Vieh, denn ich finde an diesem Film absolut nichts auszusetzen, außer vielleicht dem Umstand, daß er scheinbar in totale Vergessenheit geriet und nur noch schwer aufzufinden ist.

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Montag, 12. November 2012
El monstruo resucitado
Mexiko 1953, Regie: Chano Urueta



Die Reporterin Nora ist auf der Suche nach einer großen neuen Story und ihr Chef schlägt vor, sie solle doch auf eine merkwürdige Kontaktanzeige in der Zeitung antworten und sehen, was daraus wird. Nora staunt nicht schlecht, als sie herausfindet, daß die Anzeige von Dr. Hermann Ling stammt, ein Chirurg, der in einem Haus hinter dem Friedhof wohnt und sein Gesicht stets verbirgt. Um mehr über ihn herauszufinden, täuscht die Reporterin vor, sich in ihn verliebt zu haben, was unschöne Folgen nach sich zieht...



Wiewohl sich der Film an bekannten Eckpfeilern der üblichen Mad Scientist-Geschichten abarbeitet, macht er schon ziemliche Freude, was an mehreren Faktoren liegt: Dem Plot gelingt es immer wieder, noch einen draufzusetzen, es gibt zahlreiche atmosphärische Momente, die von schicken Setpieces und Raul Lavistas toller Musik (die in der italienischen Fassung "Il mostruoso dottor crimen" merkwürdigerweise komplett ersetzt wurde) evoziert werden und eine der wohl denkwürdigsten Kußszenen der Filmgeschichte. Die aus Prag stammende Hauptdarstellerin Miroslava Sternova ist zudem nicht nur nett anzusehen, sondern kann auch vortrefflich schreien - leider beging sie bereits 1955 Selbstmord, was ihr den Beinamen der "mexikanischen Marilyn Monroe" verschaffte. Der Film ist jedenfalls eine sehr kurzweilige und charmante Angelegenheit und sollte Freunden von derlei Stoff ausgezeichnet munden.

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