Donnerstag, 18. Februar 2010
Thomas Ligotti: Das Alptraum-Netzwerk
In der Phantastikszene ist der Amerikaner Ligotti längst kein Unbekannter mehr, es ist aber nicht damit zu rechnen, daß sein Name irgendwann mal auf den Bestsellerlisten auftaucht, denn dazu ist seine Prosa zu eigenwillig. Es ist überhaupt nicht weit hergeholt, wenn der Autor neben den offensichtlichen Poe und H.P. Lovecraft auch Thomas Bernhard als Vorbild angibt, denn neben den übernatürlichen Elementen finden sich in seinen Erzählungen auch zahlreiche Spuren dieses „inneren“ Grauens, daß sich in der Angst vor der eigenen Leere und Bedeutungslosigkeit, aber auch in der Ablehnung zu Kontakten nach außen, zu anderen Menschen, manifestieren kann. Die zentrale Erzählung dieser Zusammenstellung, „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt“, macht diese Melange sichtbar, beginnt sie doch in einem für Ligotti ungewöhnlich sachlichen Stil, der mit seinen Beschreibungen des von Mobbing und Egoismus beherrschten Alltags in den Büroräumen einer großen Firma an Chuck Palahniuks „Fight Club“ und die Verfilmung von David Fincher erinnert. Doch nach eine Weile merkt der Leser, daß auch dieses Büro trotz seiner scheinbaren Normalität auch nur ein Platz in dem bekannten düsteren Ligotti-Universum ist, der sehr perfide getarnt wurde. Auch die weiteren Erzählungen dieses Bandes erschaffen gekonnt eine bedrohliche Atmosphäre des Unwirklichen, hinter der die Realität zwar immer wieder zum Vorschein kommt, aber mit anderen Augen betrachtet werden muß. Dieses Spiel mit der subjektiven Wahrnehmung ist wie die stilistische Finesse eine von vielen Façetten, die das Werk Ligottis so faszinierend macht. Anders als bei vielen anderen zeitgenössischen Horror-Autoren schwingt die Stimmung dieser Prosa noch lange nach, nachdem man die letzte Seite gelesen und das Buch geschlossen hat.

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Montag, 15. Februar 2010
A Devilish Murder
Salinma, Südkorea 1965, Regie: Yongmin Lee



Auf dem Weg in eine Ausstellung stellt der Geschäftsmann Lee fest, daß nicht nur das Gebäude absolut menschenverlassen ist, auch sind sämtliche Räume absolut leer, bis auf ein einzelnes Portrait, das seine vor 10 Jahren verstorbene erste Frau darstellt. Es scheint, als sei diese aus dem Totenreich zurückgekehrt, um mit Hilfe einer Katze Rache zu nehmen...



Zu Anfang denkt man ja noch, der Film würde mit einer Traumsequenz beginnen – die leeren Räume, das seltsame Verhalten einzelner Passanten, schließlich eine Taxifahrt, bei der der Fahrer den Protagonisten aufklärt, heute wäre die Nacht der toten Seelen, während man im Wald schemenhafte Gestalten umherirren sieht – aber der Film relativiert das dann doch nicht und macht einfach so weiter. Verwandt mit den "bakeneko"-Filmen aus Japan, wird hier hauptsächlich in hübschen s/w-Scope-Bildern mit vielen Schatten von einem effektiven Score unterstützt unheimliche Atmosphäre generiert, es gibt aber auch Momente größeren Terrors, wenn z.B. der intriganten Zweitfrau nach Angriff der Geisterkatze ein Augapfel herausbaumelt, oder sich die mit dem Hausarzt herummachende Schwiegermutter selbst in eine Muschi verwandelt. Zum Ende hin wird es etwas kitschig-religiös, aber ansonsten ist das solider Old School-Grusel. Regisseur Lee drehte mit Akui ggot/The Bad Flower auch einen recht frühen koreanischen Vampirfilm, der dürfte ruhig auch mal ausgegraben werden.

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Sonntag, 14. Februar 2010
Traum von Baustellen und einem Nagelknipser
Ich gehe mit einem Freund durch eine fremde Stadt, in der es verdammt viele Baustellen gibt und es manchmal äußerst schwierig ist, die Straße zu überqueren oder überhaupt in der Richtung weiterzukommen, in die man will. Zudem sind uns Bauarbeiter und die heimische Bevölkerung extrem feindselig gesinnt. Wir können uns jedoch gegen ihre Angriffe wehren, indem wir ein kleines Gerät bedienen, das wie ein Nagelknipser aussieht, und die Aggressoren außer Gefecht setzt. Jemand sagt uns aber, wenn wir das Ding zu oft bedienen, werden wir schon sehen, was wir davon haben. Und nachdem wir zum fünften Mal einen Angreifer „ausgeknipst“ haben, wachsen mir Hörner und meinem Freund Antennen aus dem Kopf heraus.

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