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Sonntag, 18. Juli 2010
Moonlight Boy
hypnosemaschinen, 00:58h
Yue guang shao wian, Taiwan 1993, Regie: Wie-Yen Yu

Der Junge Xiau Feng rennt durch das nächtliche Taipei und versucht, Kontakt mit seiner Schwester aufzunehmen, diese scheint ihn jedoch gar nicht wahrzunehmen. Feng ist sich auch gar nicht sicher, ob diese Begegnungen tatsächlich stattgefunden haben, oder nicht nur ein Traum gewesen sind, wacht er doch immer wieder in einer einsamen Höhle in der Gesellschaft eines alten Mannes auf...

Einige Jahre bevor das westliche Kino mit Filmen wie The Sixth Sense oder The Others den Geisterfilm wiederentdeckte und mit der Erzählperspektive spielte, erschien dieser bemerkenswerte invertierte Geisterfilm. Die Inversion, die sich daraus ableitet, daß wir die Geschichte aus der Perspektive des Geistes erleben, ist allerdings dermaßen konsequent, daß von den herkömmlichen Geisterfilm-Merkmalen kaum etwas vorzufinden ist. Nur in einigen wenigen Sequenzen wird eine unheimliche Atmosphäre aufgebaut, ansonsten fragt sich der Zuschauer analog zur Titelfigur: Was von dem Gesehenem ist nur ein Traum, was ist Realität, was ist Erinnerung?

Wie bei den Häuten einer Zwiebel schält sich die ganze Wahrheit nur langsam heraus und offenbart eine tragische Familiengeschichte, die zu gleichen Teilen traurig und wunderschön ist. Formal ist der Film ebenfalls ohne Makel: Zu den fabelhaften Bildkompositionen gesellen sich gar einige animierte Sequenzen, die so außergewöhnlich und unerwartet eingebunden werden, daß man nur noch ungläubig auf den Bildschirm starrt.


Der Junge Xiau Feng rennt durch das nächtliche Taipei und versucht, Kontakt mit seiner Schwester aufzunehmen, diese scheint ihn jedoch gar nicht wahrzunehmen. Feng ist sich auch gar nicht sicher, ob diese Begegnungen tatsächlich stattgefunden haben, oder nicht nur ein Traum gewesen sind, wacht er doch immer wieder in einer einsamen Höhle in der Gesellschaft eines alten Mannes auf...

Einige Jahre bevor das westliche Kino mit Filmen wie The Sixth Sense oder The Others den Geisterfilm wiederentdeckte und mit der Erzählperspektive spielte, erschien dieser bemerkenswerte invertierte Geisterfilm. Die Inversion, die sich daraus ableitet, daß wir die Geschichte aus der Perspektive des Geistes erleben, ist allerdings dermaßen konsequent, daß von den herkömmlichen Geisterfilm-Merkmalen kaum etwas vorzufinden ist. Nur in einigen wenigen Sequenzen wird eine unheimliche Atmosphäre aufgebaut, ansonsten fragt sich der Zuschauer analog zur Titelfigur: Was von dem Gesehenem ist nur ein Traum, was ist Realität, was ist Erinnerung?

Wie bei den Häuten einer Zwiebel schält sich die ganze Wahrheit nur langsam heraus und offenbart eine tragische Familiengeschichte, die zu gleichen Teilen traurig und wunderschön ist. Formal ist der Film ebenfalls ohne Makel: Zu den fabelhaften Bildkompositionen gesellen sich gar einige animierte Sequenzen, die so außergewöhnlich und unerwartet eingebunden werden, daß man nur noch ungläubig auf den Bildschirm starrt.

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Freitag, 16. Juli 2010
Man lernt nie aus
hypnosemaschinen, 19:52h
Eher zufällig mitbekommen, daß die eindrucksvolle Titelmelodie der Fernsehversion der besten Science Fiction-Trilogie aller Zeiten um den britischen Wissenschaftler Bernard Quatermass (OK, es gab einen vierten Teil, aber der zählt nicht so richtig) gar keine Originalkomposition war, sondern aus Gustav Holsts "Die Planeten"-Suite stammt, genauer gesagt Op. 32: Mars, The Bringer of War. Ist aber auch ein geiles Stück Musik. Für die Fernsehserie wurde der Ausschnitt verwendet, der hier ab ca. 5:49 beginnt.
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Sonntag, 11. Juli 2010
Gespielin der Finsternis
hypnosemaschinen, 22:13h
La Fiancée des Ténèbres, Frankreich 1945, Regie: Serge de Poligny

Als ich den Film vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen habe, war ich eher enttäuscht, hatte ich doch bei einer solchen Story wesentlich mehr Horror-Elemente erwartet. Nachdem ich jedoch letztens Theodore Roszaks Roman "Flicker" gelesen hatte, in dem auch die Catharer/Albigenser eine wesentliche Rolle spielen, bekam ich Lust auf eine weitere Sichtung, diesmal unter besseren Vorzeichen, da ich wußte, daß es sich eher um eine Art Liebesdrama mit Fantasy-Anteilen handelte. Ein wunderlicher Burgherr, der sich selbst als letzten Vertreter der nur vermeintlich ausgerotteten Glaubensrichtung, die den Tod verehrt, sieht, hat das Findelkind Sylvie (Jany Holt, auch in den ebenfalls sehenswerten Golem und Le pays sans étoiles) bei sich aufgenommen, die ihm treu ergeben und äußerst melancholisch ist. Nicht nur ihre ehemaligen Liebhaber, sondern auch zahlreiche andere Personen finden in ihrer Gegenwart den Tod, wofür sie etwas in ihrem Inneren verantwortlich macht. Als ein junger Musiker in seinen Heimatort zurückkehrt und in der Burgruine spazieren geht, verlieben sich die beiden, aber ihr Glück währt nur ein paar Stunden...

Hat man einmal den Vorsatz, sich gruseln zu wollen, hinter sich gebracht, verbreitet der Film eine einzigartige morbide Atmosphäre, wozu vor allem die grandiosen Locations beitragen. Besonders als der jahrhundertelang verborgene Geheimgang zum Heiligtum der Catharer geöffnet wird, gerät man ins Staunen. Obwohl der Film laut Dialogen in Montségur spielen soll, wurde er wohl in Carcassonne gedreht – auch nicht weiter tragisch, da beide Orte mit der Geschichte der Albigenser eng verknüpft sind. Hinzu kommt ein hübsch melancholischer Score und tolle Kamera-Arbeit, einzig die Sequenz im "Tal des Glücks" will nicht so recht zu dem Rest passen, aber scheinbar sind dem Regisseur von den deutschen Besatzern auch einige Steine in den Weg gelegt worden, so daß das Resultat nicht mehr so homogen wie geplant werden konnte. Das Ende fügt sich jedenfalls nahtlos in die Stimmung ein – ist es für die Familie des Musikers zwar happy, so hinterläßt es Sylvie noch trauriger als zuvor. Es wird im übrigen nie geklärt, ob tatsächlich ein Fluch auf ihr liegt, oder das alles nur Zufall und ihre Einbildung war – diese Ambivalenz und auch weitere Faktoren machen ihre Figur zu einer nahen Verwandten der Irena aus Cat People. Ach ja, und der heilige Gral geht auch für immer verschütt.


Als ich den Film vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen habe, war ich eher enttäuscht, hatte ich doch bei einer solchen Story wesentlich mehr Horror-Elemente erwartet. Nachdem ich jedoch letztens Theodore Roszaks Roman "Flicker" gelesen hatte, in dem auch die Catharer/Albigenser eine wesentliche Rolle spielen, bekam ich Lust auf eine weitere Sichtung, diesmal unter besseren Vorzeichen, da ich wußte, daß es sich eher um eine Art Liebesdrama mit Fantasy-Anteilen handelte. Ein wunderlicher Burgherr, der sich selbst als letzten Vertreter der nur vermeintlich ausgerotteten Glaubensrichtung, die den Tod verehrt, sieht, hat das Findelkind Sylvie (Jany Holt, auch in den ebenfalls sehenswerten Golem und Le pays sans étoiles) bei sich aufgenommen, die ihm treu ergeben und äußerst melancholisch ist. Nicht nur ihre ehemaligen Liebhaber, sondern auch zahlreiche andere Personen finden in ihrer Gegenwart den Tod, wofür sie etwas in ihrem Inneren verantwortlich macht. Als ein junger Musiker in seinen Heimatort zurückkehrt und in der Burgruine spazieren geht, verlieben sich die beiden, aber ihr Glück währt nur ein paar Stunden...

Hat man einmal den Vorsatz, sich gruseln zu wollen, hinter sich gebracht, verbreitet der Film eine einzigartige morbide Atmosphäre, wozu vor allem die grandiosen Locations beitragen. Besonders als der jahrhundertelang verborgene Geheimgang zum Heiligtum der Catharer geöffnet wird, gerät man ins Staunen. Obwohl der Film laut Dialogen in Montségur spielen soll, wurde er wohl in Carcassonne gedreht – auch nicht weiter tragisch, da beide Orte mit der Geschichte der Albigenser eng verknüpft sind. Hinzu kommt ein hübsch melancholischer Score und tolle Kamera-Arbeit, einzig die Sequenz im "Tal des Glücks" will nicht so recht zu dem Rest passen, aber scheinbar sind dem Regisseur von den deutschen Besatzern auch einige Steine in den Weg gelegt worden, so daß das Resultat nicht mehr so homogen wie geplant werden konnte. Das Ende fügt sich jedenfalls nahtlos in die Stimmung ein – ist es für die Familie des Musikers zwar happy, so hinterläßt es Sylvie noch trauriger als zuvor. Es wird im übrigen nie geklärt, ob tatsächlich ein Fluch auf ihr liegt, oder das alles nur Zufall und ihre Einbildung war – diese Ambivalenz und auch weitere Faktoren machen ihre Figur zu einer nahen Verwandten der Irena aus Cat People. Ach ja, und der heilige Gral geht auch für immer verschütt.

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