Montag, 2. August 2010
Inappropriate Behaviour
GB 1987, Regie: Paul Seed



Quasi als Experiment wird die Psychologin Jo in einer ländlichen Schule eingesetzt, um sich der schwierigen Fälle unter den dortigen Pennälern anzunehmen. Eine besonders harte Nuss ist die burschikose Helen, die meistens gar nicht erst zum Unterricht erscheint und wenn sie dann doch auftaucht, direkt in Schlägereien verwickelt ist. Der Psychologin ist bald klar, daß die Schülerin weder dumm noch böse ist, sondern einfach nur grundsätzlich anders tickt. Nach einer Weile entwickelt sich sogar so etwas wie Freundschaft zwischen den Beiden, doch als Jo Helens Familie auf dem Bauernhof kennen lernt, ahnt sie, daß dort unter der Oberfläche äußerst unangenehme, unausgesprochene Konflikte brodeln, die in Zusammenhang mit Helens schüchterner Schwester Shirley zu stehen scheinen...



Bei Geschichten, die auf entlegenen englischen Bauernhöfen spielen, muß ich ja zunächst immer an All Creatures Great and Small denken, aber bereits bei Beasts war zu beobachten, daß dort nicht nur amüsant-schrullige Charaktere wohnen können, sondern auch der blanke Horror. Dieser ist hier freilich eher im übertragenen Sinne gemeint, manifestiert sich das Grauen nicht mit übernatürlichen Elementen, sondern durch leider allzu realistische menschliche Niedertracht, die vom sozialen Umfeld konsterniert einfach so hingenommen wird. War halt schon immer so Scheiße, kann man auch nichts dran ändern. Oder vielleicht doch? Die Lösung, die hier schlußendlich offenbart wird, ist noch viel ungemütlicher als die Situation selbst. Was wie ein gesellschaftskritisches Sozialdrama beginnt, steigert sich mit und mit in das komplette Grauen und ähnlich der Protagonistin, die eigentlich nur helfen wollte, schaut man der Katastrophe hilflos zu. Ein äußerst düsterer und effektiver Film mit tollen Darstellern und grimmigen Seitenhieben auf die britische Kulturgeschichte, dessen Titel nicht nur zweideutig ist, sondern auf mindestens fünf verschiedene Arten und Weisen interpretiert werden kann.

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Montag, 2. August 2010
Traum von den Kürbismenschen
Wie des öfteren verliere ich den Boden unter den Füßen und fange an zu schweben, fliege über eine Stadt, die vollkommen ockerfarben ist, dunkelgelb bis braun, wie das Innere eines reifen Kürbis. Es hat den Eindruck, als sei ein gewaltiger Kürbis über dieser Stadt explodiert und hätte alles mit seinem Fruchtfleisch und Kernen überzogen. Ich sehe eine Kathedrale, auf der zwischen Ornamenten Statuen in menschlicher Form zu erkennen sind, diese erwachen zum Leben, schütteln das Fruchtfleisch und die Kerne ab, verlieren aber nicht die Kürbisfarbe. Sie versammeln sich auf einer Wiese, die auf einem Berg gelegen ist, von dem man die ganze Stadt übersehen kann, und bücken sich. Die Substanz, die die ganze Stadt überzieht, scheint aus ihrem Inneren zu kommen, ist aber eigentlich viel zu orange für Kot. Um nicht vollgekackt zu werden, verziehe ich mich mit einem Bekannten in eine Bar, die sich im Keller einer Lagerhalle befindet und versuche, mit der Thekenbedienung anzubandeln, diese scheint sich aber nur für meine Begleitung zu interessieren.

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Samstag, 31. Juli 2010
En la palma de tu mano
In the Palm of Your Hands, Mexiko 1951, Regie: Roberto Gavaldón



In einer schäbigen Hinterhofgasse von Mexico City betreibt "Professor Karin" sein Geschäft als Handleser und Wahrsager. Als ein reicher Kunde die Befürchtung ausspricht, von seiner Frau langsam vergiftet zu werden und kurze Zeit später tot aufgefunden wird, sieht Karin seine Chance auf das große Geld gekommen, indem er die Witwe erpresst. Diese ist aber nicht auf den Kopf gefallen und auch nicht ohne Reize...



Der Film braucht sich hinter den amerikanischen Film Noir-Klassikern nicht zu verstecken: Geschliffene Dialoge, tolle Figuren und Darsteller, wundervolle Fotografie und ein spannender Plot voller Twists und tragischer Rückschläge. Regisseur Gavaldón, dessen Macario in einem ganz anderen Genre ebenfalls überzeugen konnte war wohl unbestritten ein Meister seines Fachs, weitere Filme von ihm habe ich mir schon vorgemerkt.

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