Mittwoch, 18. August 2010
Big Boys
Heute vor 5 Jahren verstarb Randy "Biscuit" Turner, Sänger einer der einflußreichsten und abwechslungsreichsten Bands der frühen amerikanischen Punk/HC-Szene, der BIG BOYS. Ähnlich wie bei den Kollegen der MINUTEMEN hat der musikalische Stil der Band oft nichts mit den gängigen Punkrock-Mustern gemein gehabt, aber gerade durch diese "anything goes"-Attitüde lebten sie mehr von der Idee hinter Punk aus als der nette Nietenkaiser von nebenan. Hinzu kommt, daß fast jeder ihrer Songs, egal ob Hardcore, Funk, Noiserock, Disco, Oi-Punk oder einer Kategorie zugehörig, für die noch kein Name gefunden wurde, verdammt großartig war. Ich sehe mich daher momentan außerstande, hier nur einen repräsentativen Clip zu posten, sondern muß gleich mehrere bringen. Und selbst drei auszuwählen, ist schwer genug. Rest in Peace, Randy.





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Freitag, 13. August 2010
The Day of Love
Den lyubvi, Sowjetunion 1991, Regie: Aleksandr Pollynikov



Um die Polizei von einem geplanten Diebstahl von 15 Lastwagen abzulenken, engagiert ein Gangsterboss die Jugendgang der Motalkas: Diese sollen den „Tag der Liebe“ ausrufen und in kürzester Zeit an öffentlichen Plätzen so viele Frauen vergewaltigen wie möglich. Für jede erfolgreiche Schändung gibt es hundert Rubel. Aus Publicitygründen haben sie sich auch die jüngst zur Schönheitskönigin gewählte Kristina als Opfer ausgesucht, dabei wollte diese eigentlich am nächsten Tag mit ihrem leiblichen Vater Matthias nach Deutschland ziehen und lernt schon fleißig Vokabeln...



Huch, was war das denn jetzt? Mit einer dermaßen mit Wunderlichkeiten vollgestopften Action-Sleaze-Granate hatte ich jetzt nicht gerechnet. Sicherlich handelt es sich nicht um einen besonders gut gemachten Film, von Bildkomposition haben die Verantwortlichen wohl selten was gehört und von effektiver Narration auch nicht. Am Anfang werden einem zahlreiche Figuren und Szenen vor die Füße geworfen, die überhaupt nicht harmonieren, Lastwagen, die durch die Wüste fahren, ein Schönheitswettbewerb mit jeder Menge Tanzszenen (Lambada!) und häßlichen Typen im Publikum, dann wieder Lastwagen, Lastwagen, immer wieder Lastwagen! Kristinas Stiefvater Nicolaj ist wohl einst bei der Rallye Paris-Dakar mitgefahren und das sind wohl Flashbacks. Aber sie ergeben überhaupt keinen Sinn, stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Rest der Geschichte und kommen vor allem viel zu oft. Das wäre nun ziemlich anstrengend, würde der Film nicht an zahlreichen anderen Stellen haufenweise überraschende Details präsentieren.



So schaut Kristina zusammen mit einer Freundin oben ohne Cobra mit Stallone und der sie rächende Stiefvater übernimmt die Art und Weise der Erledigung des finalen Gangsters mittels Flaschenzug und Hochofen, was diesen sichtbar verstimmt. „Was soll denn das? Du bist doch nicht Stallone!“ Das ist Nicolaj tatsächlich nicht, weder sieht er besonders gut aus, noch ist ihm ein Happy End vergönnt. Die Motalkas sind auch so ein Fall und erinnern an Clockwork Orange, nur bestehen ihre Uniformen aus schwarzen T-Shirts und Streifenhosen, zur Vergewaltigung tragen sie aber auch schon mal Tiermasken. Die Verfolgungsjagden mit alten Karren durch endlose Straßen voller trister Wohnsilos erinnern ein wenig an italienische Polizeifilme der 70er, der Pessimismus ebenso. Möglicherweise ist hier einiges willkürlich zusammengetackert, aber die Verwendung von David Hasselhoffs Lights in the Darkness (Anklicken auf eigene Gefahr) während der beiden grimmigsten Szenen kann eigentlich nur als ironischer Kommentar gedacht sein, so von der Art: Ist ja schon ganz toll, diese Demokratisierung! Danke, lieber Westen! Einen Film wie diesen voller bizarrer Kleinigkeiten zu sehen, macht schon sehr viel Freude. Nur den blöden Hasselhoff-Song kriege ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

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Freitag, 13. August 2010
Rhythm Pigs
Wo wir gerade in der Nähe von El Paso waren: Zu Unrecht eher unbekannt geblieben ist diese texanische Hardcore-Band, die zwischenzeitlich aber auch mal nach San Francisco umsiedelten. Ich konnte sie glücklicherweise mehrmals live sehen, das erste mal 1987 im Donkiesjot in Sittard, wo auch das Live-Album "I'm not crazy, I'm an airplane" mitgeschnitten wurde, bei der Tour von 1996, zu der sie als Verstärkung den VICTIM'S FAMILY-Gitarristen Ralph Spight mitgebracht hatten, durften wir im AZ Aachen sogar Vorprogramm machen.

Hardcore-Band ist freilich zu kurz gegriffen, finden sich in ihrem extrem abwechslungsreichen, präzisen Stil doch auch Einflüsse von Jazz und Blues über Country bis Wüstenrock. Sänger/Bassist Ed Ivey ist zudem ein netter und hochintelligenter Kerl (als Journalist schrieb er viel über Verbrechen in Ciudad Juárez, womit wir einen weiteren Berührungspunkt zum vorherigen Eintrag hätten) und auch einer der redseligsten Interviewpartner, die ich je hatte. Fans der Frühphase der Band waren vom 1993er-Album "El Paso" recht enttäuscht, da es ruhiger und melodischer daherkam, ich mag es aber mindestens genauso wie die anderen Scheiben. Die Songs vermitteln ein grandioses Gefühl von Weite, so daß ich mich häufig in der Wüste wähne. Als Hörbeispiel daher auch der erste Song dieses Albums:

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