Freitag, 13. August 2010
The Day of Love
Den lyubvi, Sowjetunion 1991, Regie: Aleksandr Pollynikov



Um die Polizei von einem geplanten Diebstahl von 15 Lastwagen abzulenken, engagiert ein Gangsterboss die Jugendgang der Motalkas: Diese sollen den „Tag der Liebe“ ausrufen und in kürzester Zeit an öffentlichen Plätzen so viele Frauen vergewaltigen wie möglich. Für jede erfolgreiche Schändung gibt es hundert Rubel. Aus Publicitygründen haben sie sich auch die jüngst zur Schönheitskönigin gewählte Kristina als Opfer ausgesucht, dabei wollte diese eigentlich am nächsten Tag mit ihrem leiblichen Vater Matthias nach Deutschland ziehen und lernt schon fleißig Vokabeln...



Huch, was war das denn jetzt? Mit einer dermaßen mit Wunderlichkeiten vollgestopften Action-Sleaze-Granate hatte ich jetzt nicht gerechnet. Sicherlich handelt es sich nicht um einen besonders gut gemachten Film, von Bildkomposition haben die Verantwortlichen wohl selten was gehört und von effektiver Narration auch nicht. Am Anfang werden einem zahlreiche Figuren und Szenen vor die Füße geworfen, die überhaupt nicht harmonieren, Lastwagen, die durch die Wüste fahren, ein Schönheitswettbewerb mit jeder Menge Tanzszenen (Lambada!) und häßlichen Typen im Publikum, dann wieder Lastwagen, Lastwagen, immer wieder Lastwagen! Kristinas Stiefvater Nicolaj ist wohl einst bei der Rallye Paris-Dakar mitgefahren und das sind wohl Flashbacks. Aber sie ergeben überhaupt keinen Sinn, stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Rest der Geschichte und kommen vor allem viel zu oft. Das wäre nun ziemlich anstrengend, würde der Film nicht an zahlreichen anderen Stellen haufenweise überraschende Details präsentieren.



So schaut Kristina zusammen mit einer Freundin oben ohne Cobra mit Stallone und der sie rächende Stiefvater übernimmt die Art und Weise der Erledigung des finalen Gangsters mittels Flaschenzug und Hochofen, was diesen sichtbar verstimmt. „Was soll denn das? Du bist doch nicht Stallone!“ Das ist Nicolaj tatsächlich nicht, weder sieht er besonders gut aus, noch ist ihm ein Happy End vergönnt. Die Motalkas sind auch so ein Fall und erinnern an Clockwork Orange, nur bestehen ihre Uniformen aus schwarzen T-Shirts und Streifenhosen, zur Vergewaltigung tragen sie aber auch schon mal Tiermasken. Die Verfolgungsjagden mit alten Karren durch endlose Straßen voller trister Wohnsilos erinnern ein wenig an italienische Polizeifilme der 70er, der Pessimismus ebenso. Möglicherweise ist hier einiges willkürlich zusammengetackert, aber die Verwendung von David Hasselhoffs Lights in the Darkness (Anklicken auf eigene Gefahr) während der beiden grimmigsten Szenen kann eigentlich nur als ironischer Kommentar gedacht sein, so von der Art: Ist ja schon ganz toll, diese Demokratisierung! Danke, lieber Westen! Einen Film wie diesen voller bizarrer Kleinigkeiten zu sehen, macht schon sehr viel Freude. Nur den blöden Hasselhoff-Song kriege ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

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