Samstag, 21. August 2010
Jeder Dämon hat seinen Preis
Es ist ein wenig schwierig zu entscheiden, wann die literarische Form der "Horrorgeschichte" wirklich entstanden ist. Es fand vielmehr ein fließender Übergang von der "Geistergeschichte" statt, die im frühen 20. Jahrhundert aus der Feder von Autoren wie M.R. James schon wesentlich drastischer daherkam. Dann kamen "Weird Tales", Lovecraft und Konsorten, und alles wurde wieder anders. In den 60er und 70er Jahren ist jedoch eine Tendenz von kleinen, nicht unbedingt übernatürlichen Erzählungen zu beobachten, die vor allem in Sachen Zynismus ordentlich reinkloppen. Eine der frühesten und nach wie vor besten Sammlungen von dieser Art Geschichten erschien 1978 in der sympathischen "dtv phantastica"-Reihe und versammelt einige durchaus als Klassiker der modernen Horrorgeschichte gelten könnende Exemplare aus der Feder von Robert Bloch, Richard Matheson, Brian Lumley, Gerald W. Page und anderen. Ich habe ja auch eine Menge Spaß bei den Heyne-Anthologien und Pabel-Taschenbüchern dieser Zeit, aber hier bekommt man die Créme de la Créme serviert und braucht keine Ausfälle zu befürchten.

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Donnerstag, 19. August 2010
La Traque
Ein wildes Wochenende/The Track, Frankreich/Italien 1975, Regie: Serge Leroy



Die junge englische Dozentin Helen schaut sich in der französischen Provinz eine einsame Waldhütte an, um dort evtl. ihren Urlaub zu verbringen und ein wenig Abstand von allem zu gewinnen. Gleichzeitig unternimmt eine Gruppe angesehener Bürger des nahegelegenen Dorfes im selben Wald eine Wildschweinjagd. Unter ihnen zwei schon recht besoffene Schrotthändler, die bei der verwitterten Ruine einer Kapelle auf Helen treffen und sie vergewaltigen. Bei ihnen der schüchterne Dorftrottel, der vor Schreck sein Gewehr vergißt, welches von der Frau später dazu benutzt wird, ihrem Peiniger in den Bauch zu schießen. Zunächst wollen die besonnereren der Gruppe die Situation zu einem friedlichen Ausgang führen, doch da selbst der Bürgermeisterkandidat und der fromme Philantrop über schmutzige Geheimnisse verfügen, die anderen aus der Jagdgesellschaft bekannt sind, heißt es bald mitgefangen, mitgehangen und die Jagd auf Helen ist eröffnet...



Ohne Zweifel mit Chabrols Angriffen auf provinzielle Kleinbürger-Hierarchien verwandt, besticht der Film durch seine grandiosen Darsteller (vor allem Mimsy Farmer), die herbstlichen Locations und seine unerbittliche Spannungsschraube. So richtig plättet einen aber erst das unerwartete Ende, das die Vorgehensweise anderer Most Dangerous Game-Varianten fast schon umdreht, und das ich, um nicht noch mehr zu spoilern, lieber in unsichtbarer Tinte beschreibe:
Während die Jagd selbst noch mit gängigen Mitteln umgesetzt wird, besteht das Finale nur aus reiner Nicht-Aktion: Da niemand den "Gnadenschuß" abfeuern und sich damit mehr schuldig als die anderen der Gruppe machen will, schauen alle einfach dabei zu, wie die angeschossene, um Hilfe bettelnde Helen quälend langsam in einem Fluß ertrinkt. Danach dann Schwamm drüber, business as usual.


Ich denke, der Film dürfte noch einen wesentlich größeren Einfluß auf Calvaire gehabt haben als Deliverance, nicht nur wegen der ähnlich ausschauenden Locations. Daß der Filmdienst hier eine "Komödie" vorzufinden meint, ist für mich unverständlich, aber ich kenne auch die deutsche Synchronisation nicht, der deutsche Titel ist ja schon ein bißchen, äh, unpassend. In der Originalversion gibt es jedenfalls gar nix zu lachen.

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Mittwoch, 18. August 2010
Big Boys
Heute vor 5 Jahren verstarb Randy "Biscuit" Turner, Sänger einer der einflußreichsten und abwechslungsreichsten Bands der frühen amerikanischen Punk/HC-Szene, der BIG BOYS. Ähnlich wie bei den Kollegen der MINUTEMEN hat der musikalische Stil der Band oft nichts mit den gängigen Punkrock-Mustern gemein gehabt, aber gerade durch diese "anything goes"-Attitüde lebten sie mehr von der Idee hinter Punk aus als der nette Nietenkaiser von nebenan. Hinzu kommt, daß fast jeder ihrer Songs, egal ob Hardcore, Funk, Noiserock, Disco, Oi-Punk oder einer Kategorie zugehörig, für die noch kein Name gefunden wurde, verdammt großartig war. Ich sehe mich daher momentan außerstande, hier nur einen repräsentativen Clip zu posten, sondern muß gleich mehrere bringen. Und selbst drei auszuwählen, ist schwer genug. Rest in Peace, Randy.





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