Donnerstag, 30. September 2010
Born for Hell
Die Hinrichtung, Deutschland/Kanada/Frankreich/Italien 1976, Regie: Denis Héroux



Mal wieder legt Matthieu Carrière zu Beginn eines Films mit einem Schiff an und streunt durch die Straßen. Hier ist er allerdings ein frisch aus Vietnam zurückkehrender US-Soldat, der wider Willen im von Straßenkämpfen und Bombenanschlägen geprägten Belfast Halt machen muß. Der Krieg scheint auch so einige Katschen in seinem Charakter hinterlassen zu haben, aber vielleicht war er auch schon vorher nicht besonders gesund. Als sämtliche Versuche, die Überfahrt in die USA zu finanzieren fehlschlagen, bricht er in einem Schwesternwohnheim ein und verliert dort völlig die Kontrolle...



Oh, was haben wir denn hier? Einen sehr ungemütlichen Terrorfilm, der wie z.B. auch Koji Wakamatsus Violated Angels von Richard Specks Taten in Chicago inspiriert wurde. Darüber hinaus zieht er seinen besonderen Reiz durch das nordirische Setting, das man so auch nicht alle Tage als Beiwerk zu sehen bekommt. Dessen wurde sich wohl bedient, um den parabelhaften Charakter der Geschichte über die Gewaltbereitschaft des Menschen noch zu verstärken, und dies äußerst effektiv. Carrière, der mir in persona immer wahnsinnig arrogant vorkommt, liefert eine solide Leistung als Psychopath ab und an saftigen Einzelheiten wird auch nicht gespart. Als Krankenschwestern gibt es u.a. Eva Mattes und Leonora Fani (Pensione Paura) zu sehen. Ein schmutziger, eigenwilliger und faszinierender Film.

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Dienstag, 28. September 2010
Philip K. Dick: Nach der Bombe
Da sich der Wissenschaftler Bruno Bluthgeld verkalkuliert hatte, führte ein Test von Nuklearwaffen in der Erdatmosphäre im Jahr 1974 zu Fallout und Mutationen. 7 Jahre später wird es noch schlimmer und ein Atomkrieg zwischen China, Russland und den USA bricht aus. Wieder 7 Jahre später begegnen wir nun den wenigen Überlebenden im nördlichen Kalifornien, die teilweise stark mutiert sind, aber doch versuchen, irgendwie weiterzuleben...

Obwohl in seiner besten Periode entstanden, würde ich den Roman nicht zu meinen Lieblingen des Autors zählen. Er ist jedoch ein schönes Beispiel für Dicks Vielseitigkeit und durchaus lesenswert. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den interessanten Figuren, die der Autor während des Schreibens scheinbar richtig liebgewonnen hat und die demzufolge bis auf ein paar Ausnahmen durchaus auf eine bessere Zukunft hoffen können. Diese Menschen schaffen es, weiterzuleben und sich mit den widrigen Umständen zu arrangieren. Dabei kommt auch viel Humor und Satire zu tragen, während phantastische Elemente zwar vorhanden sind, aber eher nebenbei erwähnt werden. Die von Dick gewohnten und geschätzten Unterwanderungen des Realitätsstatus kann man hier nur mit großer Mühe finden, stattdessen überrascht die trotz des Sujets überraschend positive Botschaft. Ja, ein gutes Buch, aber in den düsteren Texten finde ich Dick noch meisterlicher.

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Freitag, 24. September 2010
The Monkey's Paw
GB 1948, Regie: Norman Lee



Eine Zusammenfassung der Geschichte um die Affenpfote von W.W. Jacobs spar ich mir, die kennt man. Gerade im englischsprachigen Raum kennt sie jedes Schulkind, so daß die zahlreichen Verfilmungen auch versuchten, der Erzählung ein paar neue Aspekte hinzuzufügen. In der mexikanischen Bearbeitung Espiritismo wurde dies durch zusätzliche Subplots bewerkstelligt, hier wiederum verpaßt man den Protagonisten extrem viel Charakter und schiebt noch den ein oder anderen Flashback zur Vorgeschichte der Affenpfote hinein.



Das funktioniert dank der auf der Insel ausgeprägten Schauspielkunst recht prächtig und schnell hat man die einfache, abergläubische und von Geldsorgen geplagte Familie aus Cornwall mitsamt ihrem stets alkoholisierten irischen Sidekick ins Herz geschlossen. Als dann die Tragödie ihren Lauf nimmt, werden die zunächst hellen und freundlichen Bilder mehr und mehr von dunklen Flecken überlagert, bis schließlich das Finale der Ambivalenz der Vorlage Tribut zollt: Man weiß nicht, ob es wirklich der verstümmelte Leichnam des lieben Sohnemanns ist, der nachts an die Tür klopft, man sieht es nicht. Aber er könnte es gewesen sein, das ist mal sicher.

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