Montag, 9. August 2010
Backyard
El traspatio, Mexiko 2009, Regie: Carlos Carrera



Ciudad Juárez liegt an der Mexikanischen Grenze direkt gegenüber von El Paso, Texas und beherbergt zahlreiche Fabriken ausländischer Konzerne, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten. Als die Anzahl von Sexualmorden bedrohlich ansteigt, wird eine auswärtige Polizistin mit den Fällen betraut, und sie kann auch bald einen Verdächtigen ermitteln. Doch derweil werden immer mehr Frauenleichen gefunden, die unmöglich alle auf das Konto eines einzigen Mannes gehen können...



Auf die Frauenmorde in Ciudad Juárez wurde ich zum ersten Mal durch ein Video von At the Drive-In (Mein Gott, ist die Platte auch schon wieder 10 Jahre her?) aufmerksam. Seitdem steigt die Zahl der ermordeten Frauen kontinuierlich, wird aber noch überschattet von den noch immenser wachsenden Todesopfern der lokalen Drogenkriege. Mag man am Anfang von Backyard noch analog zu den ermittelnden Polizisten denken, es „nur“ mit einem Serienmörder zu tun zu haben, offenbart sich schon bald, daß das Problem ein äußerst komplexes und vielschichtiges ist. Frauenfeindlichkeit gehört unter harten Kerlen zum guten Ton und durch die zahlreichen ausländischen Fabriken kommen immer wieder neue in die Stadt, bevor sie auf dem Land eingehen. Bezeichnend der Dialog des Gouverneurs mit den Fabrikbesitzern, der diesen die Einrichtung von Selbstverteidigungskursen und Straßenlaternen vorschlägt, um die Sicherheit der Arbeiterinnen zu verbessern – dies wird aber aus Gründen des Budgets abgelehnt und mit der Drohung verknüpft, man könne die Fabriken auch nach Bangladesch oder Thailand verlegen, dort würden die Frauen auch für 87 cent die Stunde arbeiten statt der hier üblichen 1,05 $. Lange Zeit keinen Film mehr gesehen, bei dem mir so schlecht geworden ist. Und das ist als Empfehlung zu verstehen. Backyard läuft dieses Jahr auf dem Fantasy Filmfest und sonst möglicherweise nirgendwo mehr. Ein Problem düfte sein, daß die Morde bereits in dem Film Bordertown behandelt wurden, der mit einigen bekannten Namen geschmückt war, zwar auch nicht vor einer Anklage der amerikanischen Verantwortlichen zurückschreckte, aber doch einige Hollywood-Konventionen bediente, die in dieser mexikanischen Variante beinah ganz fehlen und es dem Zuschauer so gut wie unmöglich machen, hier nur einen „unterhaltsamen Thriller“ zu sehen.

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