Samstag, 23. Januar 2010
Edith Wharton: Gespenstergeschichten
Obwohl Amerikanerin, legt Wharton hier zahlreiche Beispiele äußerst eleganter Geistergeschichten der britischen Tradition vor. Dabei kommt häufig Ambivalenz zum Einsatz - es wird nicht eindeutig geklärt, ob der Spuk "tatsächlich" stattgefunden hat - oder die übliche Climax einer Erscheinung findet wie auch beim Kollegen Walter de la Mare überhaupt nicht statt, der Leser fühlt sich aber trotzdem in einer unbehaglichen Atmosphäre gefangen. Obwohl alle der hier gesammelten Erzählungen sehr zu empfehlen sind, sei noch mal besonders auf "Danach" (Afterward) hingewiesen, die der klassischen Struktur der Geistererzählung einen cleveren weiteren Twist hinzufügt. Die Protagonistin erfährt erst viele Jahre später, daß sie einst ein Gespenst gesehen hat, mit nicht unerheblichen Folgen. Wurde im Übrigen in der britischen TV-Serie Shades of Darkness neben weiteren Wharton-Erzählungen und anderen Vorlagen aus dem frühen 20. Jahrhundert auch sehr hübsch verfilmt.

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