Samstag, 19. August 2017
La présence désolée
Belgien 1965, Regie: André Cavens



Es war eine ungewöhnliche und unbekannte Gegend, wie sie manchmal in Träumen erscheint; alles gerät da ins Wanken, und es gibt nur noch einen Fixpunkt, der zur Realität gehört, einen grauen Stein, einen hartgewordenen Maulwurfshügel, einen Zweig, an dem der Blick verzweifelt haften bleibt.



Ein Reisender kommt an einen verlassenen Ort und kann diesen nicht mehr verlassen.



Kurzfilm nach einer Kurzgeschichte von Thomas Owen, aus der auch das Eingangszitat stammt. Obwohl nur wenige Erzählungen Owens ins Deutsche übersetzt wurden, ist er einer meiner Lieblingsautoren und so war ich äußerst erfreut, nach Hostel Party eine weitere der seltenen filmischen Adaptionen seiner Stoffe ausfindig machen zu können, von deren Existenz ich zudem zuvor gar nichts wußte.



Wie in der literarischen Vorlage, geht es auch in der Verfilmung nicht darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern ein eigenartiges Gefühl, eine eigenartige, traurige und nicht wirklich erklärbare Stimmung zu erzeugen - "alles gerät da ins Wanken" - das Individuum wird hilflos unwirklichen Elementen ausgesetzt, aber die Wirklichkeit ist auch nicht besser.



Komplett ohne Dialog, ist der Film größtenteils eher konventionell inszeniert, nur in der Montage tauchen Elemente des Experimentalfilms auf, die sich bei dieser Vorlage freilich aufdrängen. Tolles Ding! Merkwürdig und interessant, daß sowohl der überzeugende Hauptdarsteller Roger Planchard als auch der äußerst begabte Kameramann Raymond Ceuppens nur diesen einen Film gemacht haben. Da hätte man gerne noch mehr gesehen. Jetzt muß ich für den nächsten Belgien-Urlaub nur noch die faszinierende Location herausfinden, in der das Ganze gedreht wurde...falls es sie noch gibt.













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Dank freundlichem Hinweis...
...des Lesers Alexander Bach herausgefunden, daß es die Location sehr wohl noch gibt, mittlerweile restauriert wurde und ein Museum beheimatet: https://fr.wikipedia.org/wiki/Grand-Hornu

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