Donnerstag, 21. Februar 2013
Eugen Egner: Totlachen im Schlaf
Das wird ein sehr langweiliger Text, denn ich kann auch bei der neuesten Sammlung von Erzählungen des großartigen Eugen Egner nichts anderes schreiben als zu den letzten beiden. Immerhin fiel mir durch das Verlinken gerade auf, daß die vergangenen Rezensionen beide exakt 404 mal gelesen wurden, obwohl die ältere schon ein Jahr länger im Netz steht. Das ist ein bizarrer Zufall, der gut zu den Texten von Egner passt. Auch dieser Band bereitet große Freude, die Titelgeschichte gefiel mir diesmal wieder am besten, aber Ausfälle gibt es auch hier keine. Interessant, daß diesmal etwas mehr Leitmotive eingesetzt werden, die in mehreren Erzählungen zentrale Rollen spielen, wie zum Beispiel Regenschirme und der Mond. Wer grotesk-unheimliche Texte mag und den Autor noch nicht kennt, sollte schleunigst Abhilfe schaffen, da man sonst Gefahr läuft, durch eine geistig minderwertige Zweitausgabe der eigenen Person ersetzt zu werden.

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Samstag, 12. Januar 2013
Patrick Hamilton: Hangover Square
Durch den grandiosen Film von John Brahm auf den Stoff aufmerksam geworden, nahm ich mir nun auch mal das Buch vor, das auch dadurch interessant wurde, daß viele Rezensenten am Film kritisierten, nur wenig mit der Vorlage gemein zu haben. Dem ist in der Tat so: Der George Harvey Bone von Patrick Hamilton (bekannt durch seine Theaterstücke GASLIGHT und ROPE) ist weder aufstrebender Komponist noch Serientäter, vielmehr ist er ein Mann ohne Eigenschaften, der nichts gelernt hat, außer viel zu trinken. Bei seinen "tumben Momenten" begeht er nicht reihenweise Morde, sondern schreitet fort in seinem Plan, Netta Longdon zu töten - die Frau, in die er hoffnungslos verliebt ist, die ihn aber immer wieder aufs Neue demütigt. Diese Demütigungen wiederholen sich ein wenig oft und sorgen in der Mitte des Romans für einige Längen - illustrieren die Leiden des Protagonisten aber umso plastischer. Der flüssige Stil und die nebenbei abgelieferte Beschreibung der Säufer-Szene Londons kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs machen das Buch aber zu einer durchaus lesenswerten Lektüre.

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Samstag, 13. Oktober 2012
Alfred Bester: Die Hölle ist ewig
Wie aus vorherigen Einträgen ersichtlich sein sollte, bin ich hauptsächlich ein Freund der unheimlichen phantastischen Literatur, dann und wann greife ich aber auch mal zu einem Kriminalroman oder Science-Fiction. Unter meinen persönlichen Favoriten der SF-Autoren ist Philip K. Dick die Nummer eins, aber auch John Wyndham und einige Sachen von Stanislaw Lem mag ich sehr gerne. Alfred Bester kannte ich bislang nur vom Hörensagen, irgendwann nahm ich mir mal diesen Band aus Suhrkamps Phantastischer Bibliothek vom Grabbeltisch mit, um ihn bei den Zugfahrten zum diesjährigen Fantasy Filmfest auch endlich mal zu lesen. Bei der längeren Titelgeschichte handelt es sich um ein Frühwerk des Autoren, bei der deutlich noch seine Vorbilder und das ein oder andere stilistische Klischee in Erscheinung treten, die Geschichte um eine Gruppe von Satanisten, die in London während des 2. Weltkriegs einen Pakt mit Satan eingehen ist auch eher eine Horror-Groteske als Science-Fiction, liest sich aber durchaus amüsant. Die folgenden Erzählungen sind aber besser: Auch hier spielt Humor eine große Rolle und es werden klassische Science-Fiction-Motive wie die Zeitreise originell variiert. Abgerundet wird der Band durch einen sympathisch selbstironischen Essay des Autors über seine Beziehung zur Science-Fiction und seinen Werdegang als Schriftsteller. Eine äußerst runde Sache, von der mir "Die Zeit ist der Verräter" und "Die Männer, die Mohammed ermordeten" (von 1964, passender Zeitpunkt, sie gerade jetzt zu lesen) am besten gefallen haben.

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Mittwoch, 27. Juni 2012
Franz Spunda: Baphomet
Der junge Vicente Laskari tritt eine Erbschaft in Florenz an, und muß dabei feststellen, daß sein Onkel nicht nur eines merkwürdigen gewaltsamen Todes zum Opfer fiel, sondern auch in der Alchimie experimentierte und Verbindungen zu den Templern pflegte, ja vielleicht sogar deren Bocksgott Baphomet begegnete. Von der Aussicht auf Ruhm und Reichtum geblendet, begibt sich Vicente auf dessen Spuren und damit sich selbst und seine Geliebte in höchste Gefahr...



Wieder mal so ein Fall von einem Buch, daß ich vor ca. 25 Jahren einer Ramschkiste entriss (in der Bastei-Lübbe-Ausgabe: Die von Michael Görden herausgegebene Reihe "Phantastische Literatur" ragte zu Beginn der 80er und immer noch aus deren Programm heraus), und das seitdem gemütlich im Regal schlummerte. Jetzt endlich mal vorgenommen und es konnte durchaus unterhalten - der Roman von 1927 fühlte sich andererseits aber auch ziemlich angestaubt an, vergleicht man seinen Stil mit dem von zeitgenössischen Kollegen wie Gustav Meyrink oder Hanns Heinz Ewers (von Leo Perutz ganz zu schweigen). Plot, Schauplätze und Figuren gemahnen noch sehr an die klassische Gothic Novel, vor allem die Liebesgeschichte wird reichlich antiquiert integriert. Hier und dort finden sich aber auch hübsche Passagen wie die folgende:

"An solch einem müden Nachmittag, wo die Nerven wie chloroformiert die Stunden von sich abrinnen lassen, ohne daß ein Tropfen der Erinnerung an ihnen haften bleibt, ist das Herz träge und vermag keine Spannung zu ertragen. Der Totenwurm tickt im alten Holz, die Möbel knarren, und etwas Gespenstiges ist in den Zimmern."

Garantiert keine Zeitverschwendung, aber wer einen Einstieg in die reiche Periode der deutschsprachigen phantastischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts sucht, ist mit den oben genannten Autoren wohl besser beraten.

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Samstag, 18. Februar 2012
Phil Smith: Die Auferstehungsmaschine
In einer ländlichen Gegend in Yorkshire geschehen merkwürdige Dinge, als die Regierung eine Forschungsanalage auf einem Hügel errichtet und zeitgleich ein Archäologe alte keltische Gräber untersucht. Der Klappentext auf der Ausgabe der guten alten Bastei Lübbe-Horrorbibliothek weist bereits auf ein Finale hin, von dem ich zunächst dachte, daß es erst auf den letzten drei Seiten stattfindet, in der Tat fällt es dann aber komplett anders aus! Der Roman hat einen recht langsamen Spannungsaufbau, gegen den nichts einzuwenden ist, aber teilweise auch einen schlimmen Stil, der aber evtl. auch mit der Übersetzung zu tun haben mag. Ganz nette Lektüre, kann man sich aber auch sparen. Der scheinbar britische Autor hat wohl nur drei Romane zwischen 1978 und 1979 veröffentlicht, einer davon eine Tie-In-Version des amüsanten Schockers THE INCREDIBLE MELTING MAN.

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Dienstag, 10. Januar 2012
Dagmar Kassek (Hg.): Autobiographie einer Leiche
Der Untertitel dieser Sammlung - "Russische phantastische Erzählungen" - ist ein wenig irreführend, handelt es sich doch bei vielen der hier gesammelten Texte anders als bei der ebenfalls in Suhrkamps Phantastischer Bibliothek erschienenen Anthologie "Tod per Zeitungsannonce" eher um politische Allegorien und Satiren. Viele dieser Geschichten konnten aufgrund ihrer Bezugnahme zur aktuellen politischen Situation zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in Russland überhaupt nicht veröffentlicht werden - die meisten der Autoren wurden aber trotzdem erschossen. So vermengt sich ein bitterer Beigeschmack zu den größtenteils recht amüsanten Texten, die vor allem die Bürokratie oder überschwengliche Systemtreue aufs Korn nehmen, wenn sie nicht - wie in der Titelerzählung und den Beiträgen von Alexander Grin und Valeri Brjussow - sich dann doch der unheimlichen Phantastik bedienen. Auf jeden Fall eine Lektüre, die ich nicht bereue und eine Veröffentlichung, die viele mittlerweile zu Unrecht vergessene russische Autoren noch einmal ein wenig zu Ehren kommen lässt.

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Sonntag, 4. Dezember 2011
2. Lange Lesenacht im L__rzeichen
Am 17.12. findet unter dem Motto "Mund um die Uhr" wie schon im letzten Jahr von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr nachts eine lange Lesenacht im L__rzeichen statt, bei der neben geschätzten Kollegen wie Silvia Szymanski, Bruno Köster, Robert Sukrow und zahlreichen anderen auch ich wieder mit von der Partie sein werde. Insgesamt 24 Autoren mit jeweils einer halben Stunde Lesezeit dürften erneut für eine Menge Abwechslung sorgen. Ich bin gespannt, ob wir auch dieses Jahr wieder so heftig einschneien. Für die Nicht-Aachener Leser dieses Blogs vielleicht interessant: Das Hochschulradio Aachen sendet den Event live und die Übertragung kann auch auf ihrer Homepage im Stream verfolgt werden. Ich bin voraussichtlich kurz vor Mitternacht um ca. 23:30 an der Reihe...

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Sonntag, 6. November 2011
Dawn of an Evil Millenium


Jetzt im Handel: Der von Jörg van Bebber herausgegebene vortreffliche Sammelband "Dawn of an Evil Millennium", der auf knapp 700 Seiten Beiträge von knapp 100 Autoren zum Thema "Horror / Kultur im neuen Jahrtausend" präsentiert. Der Schwerpunkt liegt hier auf Film, der in einer erfreulichen Bandbreite präsentiert wird, aber auch Literatur, Fernsehserien, Comics, Videospiele und vieles andere wird behandelt. Neben geschätzten Kollegen wie Thomas Groh, Stefan Höltgen, Florian Reinacher, Marcus Stiglegger, Jochen Werner und vielen anderen bin auch ich mit einem Beitrag zur "Mise en abyme im aktuellen asiatischen Horrorkino" am Beispiel des thailändischen The Victim vertreten. Das komplette Inhaltsverzeichnis findet man hier und bestellen kann man beim Büchner-Verlag. Eine Investition, die sich lohnt, würde ich mal meinen.

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Montag, 19. September 2011
Peter Motram: Der Tag, der nicht im Kalender stand
Bei einem Urlaub in den Alpen lernt der Erzähler einen merkwürdigen Fremden kennen, dessen blaugetönte Brille einen Blick in vergangene Zeiten zu ermöglichen scheint. Dies löst eine Kette von merkwürdigen Ereignissen aus, die alle auf einen mysteriösen Mordfall am Anfang des Jahrhunderts hinweisen, der nie geklärt wurde...

Äußerst sympathischer und lesbarer phantastischer Kriminalroman, der zwar gewissermaßen in der Tradition von Autoren wie Alexander Moritz Frey und Gustav Meyrink steht, aber auch zahlreiche moderne Elemente aus seiner Entstehungszeit - den 60er Jahren - einbindet. Laut meiner dtv-Ausgabe hat sich Autor Peter Seckleman, der sonst eher auf dem Gebiet des historischen Romans aktiv ist, extra für dieses "Experiment" das oben genannte Pseudonym zugelegt, klickt man aber durch das Netz, scheint es wohl irgendwie hängen geblieben zu sein, obwohl der Schriftsteller kein zweites Buch dieser Art veröffentlicht zu haben scheint. Schade, denn die Mischung aus spannender Kriminalgeschichte, unvorhersehbaren Wendungen ins Phantastische und einem eigenwilligem, leisem Humor vermochte mir durchaus zu gefallen.

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Montag, 5. September 2011
William Hope Hodgson: Das Haus an der Grenze
Mal wieder so ein Klassiker der Phantastischen Bibliothek/Bibliothek des Hauses Usher, der wohl schon über 20 Jahre bei mir im Regal stand, bevor ich dann doch mal zum Lesen kam. Im Unterschied zu des Autors unheimlichen Seegeschichten oder den Erzählungen über "Carnacki, The Ghost-Finder", von denen hier auch drei enthalten sind, geht die lange Titelerzählung, eher wohl Novelle, hier auch in Science Fiction und Fantasy-Bereiche vor: Wanderer finden in einer merkwürdigen Ruine in einer abgelegenen Ecke Irlands das Tagebuch eines Einsiedlers, der dieses Haus wohl vor einigen Jahren bewohnt hat. Sein Bericht ist sehr sonderbar: Merkwürdige Schweinswesen, die wie Menschen aufrecht gingen, seien aus einer Höhle in der nahegelegenen Schlucht gekommen und hätten sein Haus belagert, das er nur mit Müh und Not verteidigen konnte. Dann hat er dort immer merkwürdige Zustände der Entrückung und reist merkwürdig schwebend in andere Zeitalter und auf andere Planeten. Diese Stellen fand ich auf Dauer etwas fad und anstrengend, aber bei den unheimlichen Passagen ist Hodgson mal wieder in Höchstform.

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